Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 16/8

Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 16/8

Der Farmer kann seine Farm nicht verlassen und seine Produkte zum Markt
bringen. Der Bergmann kann die Kohle nicht fördern und dann auch noch
zum Verbraucher bringen. Der Farmer in Kansas verbrennt heute vielleicht
Weizen, um sein Essen zu kochen und sein Haus zu heizen, und der Bergmann
hungert und bräuchte das Brot, das mit diesem Weizen hätte gebacken
werden können, aber sie könnten die Früchte ihrer Arbeit nicht miteinander
austauschen.

Jeder Morgen Land, jedes Waldstück und jedes Bergwerk hat an Wert gewonnen,
weil es Eisenbahnen und Dampfschiffe gibt und die Lebensqualität
sowie die Möglichkeiten einer sozialen und intellektuellen Kultur wurden in die
entlegendsten Gegenden gebracht.

Die Vorteile des Kapitals sind jedoch nicht auf die Lieferung von Produkten
und die Schaffung von Komfort begrenzt. Das Kapital schafft neue Arbeitsplätze.
Es diversifiziert die Arbeit und erweitert die Einsatzmöglichkeiten, so
dass jeder die Arbeit verrichten kann, die ihm zusagt. Die aufgrund von Eisenbahnen,
Dampfschiffen, Telegraphen und Herstellungsbetrieben geschaffene
Anzahl der Arbeitsplätze ist unermesslich. Darüber hinaus wird das Kapital
für den Erwerb der intellektuellen und spirituellen Kultur eingesetzt.

Bücher werden heute zu immer niedrigeren Verkaufspreisen angeboten
und die besten Gedanken der Welt sind infolge des Bestehens von Verlagshäusern
auch dem einfachsten Arbeiter zugänglich. Es gibt kein besseres
Beispiel für die Vorteile, die der normale Arbeiter aus dem Kapital zieht, als
die Tageszeitung. Für zwei bis drei Cent wird das Weltgeschehen der letzten
vierundzwanzig Stunden an jede Türschwelle gebracht. Der Arbeiter kann auf
seinem Weg zum Arbeitsplatz oder nach Hause eine geistige Weltreise und
sich ein Bild von den Ereignissen machen. Egal, ob etwas in China oder Afrika,
in Spanien oder England vorgefallen ist, ob im Kongress ein Thema debattiert
wurde oder eine Bewegung für irgendeine Sache im Gange ist, er kann sich
darüber informieren. Haben Sie bei der Lektüre Ihrer Zeitung jemals daran
gedacht, welches Aufgebot an Mitteln, Menschen und Intelligenz nötig war,
um diese Ereignisse zu sammeln und in eine nutzbare Form zu bringen? Es
mussten Millionen von Dollar investiert werden und es mussten tausende von
Männern und Frauen beschäftigt werden, um diese Zeitung herzustellen und
zu Ihnen zu bringen. Und wie viel haben Sie dafür bezahlt? Ein paar Cents!

Das sind einige Beispiele für die Vorteile, die jedermann aus dem Kapitaleinsatz
zieht. Ohne Kapital wären diese Vorteile nicht möglich. In den Genuß dieser
Vorteile gelangen wir ohne unser Zutun. Die Investition von Kapital bringt
für eine Vielzahl von Menschen immer Vorteile mit sich. Sie bringt die Maschinerie
des Lebens in Gang, sie vervielfacht die Einsatzmöglichkeiten, sie bringt
Erzeugnisse zum Verbraucher, sie bringt Menschen aus aller Herren Länder
zusammen, sie bringt Gedanken in Umlauf und gibt jedem Mann und jeder
Frau einen Anteil am Produkt. Das sind die Fakten, die sich jeder vor Augen
führen sollte, wie arm er auch sein mag.

Wenn das Kapital ein solcher Segen für die Arbeitskraft ist und wenn es nur
über die Arbeitskraft nutzbar gemacht werden kann, woher kommt es dann,
dass zwischen beiden Seiten ein so großer Konflikt besteht? Falls sowohl der
Kapitalgeber als auch der Arbeitnehmer nach humanen Prinzipien handelten,
gäbe es einen solchen Konflikt nicht, aber leider ist das nicht der Fall.

Das Handeln wird von menschenunwürdigen Prinzipien geleitet. Jede Seite
versucht, sich mit dem geringsten Aufwand das größte Kuchenstück abzuschneiden.
Das Kapital sucht nach größeren Gewinnen, die Arbeitskraft sucht
nach höheren Löhnen. Die Interessen der beiden Seiten prallen aufeinander.
Bei dieser Auseinandersetzung hat das Kapital einen Vorsprung und nützt
ihn aus. Es hat sich den Löwenanteil gesichert. Es hat den Diener als Sklaven
eingestuft, dessen Rechte und dessen Glück keinen Respekt verdienen. Es
beeinflusst den Gesetzgeber und sichert sich Gesetze, die es begünstigen.
Das Kapital ist der Herr und die Arbeitkraft ist der Diener. Solange der Diener
unterwürfig und folgsam blieb und sich mit der vom Kapital festgelegten
Entlohnung zufrieden gab, gab es keinen Konflikt.

Aber die Arbeitnehmerseite begehrte auf; sie hat an Stärke und Intelligenz
gewonnen und sie nimmt Rechte für sich in Anspruch, die sie respektiert
sehen will.

Jede Seite befindet sich im Kriegszustand und sieht auf ihre eigenen Interessen.
Die Kapitalgeber gehen davon aus, dass ein Gewinn auf Seiten der
Arbeitskraft einen Verlust für sie bedeuteten und dass sie sich zuerst um
ihre eigenen Interessen kümmern müssten. Für sie bedeutet das, dass eine
billigere Arbeitskraft größere Gewinne bringt. Auf der anderen Seite denkt
der Arbeitnehmer, dass er das verlieren würde, was der Kapitalgeber an
Mehrgewinn hat. Deshalb ist ihm an möglichst hohen Löhnen gelegen. Aus
diesen entgegengesetzten Positionen scheint an der Gegnerschaft kein Weg
vorbei zu gehen. Was die eine Seite gewinnt, verliert die andere. Dies bedeutet
Konflikt. Jede Seite handelt selbstsüchtig und folglich falsch. Beide Seiten
sehen nur die halbe Wahrheit und halten sie für die ganze, sie verfallen in
einen Irrtum, der beiden schadet. Jeder beharrt auf seinem Standpunkt und
sieht die Angelegenheit nur aus seinem Blickwinkel. Dazu gesellt sich Leidenschaft,
die das Verständnis vernebelt und wenn Leidenschaft im Spiel ist, sind
Menschen zu Schandtaten in der Lage, die letztendlich alle in Mitleidenschaft
ziehen. Beide Seiten führen ständig Krieg gegeneinander und greifen zu allen
Tricks und Kniffen, um den Sieg davon zu tragen. Das Kapital versucht, die
Arbeitskraft unterwürfig zu halten. Die Arbeitskraft widersetzt sich und versucht,
den Wert des Kapitals zu schmälern, indem sie es unproduktiv macht.
Falls die Interessenlage oder eine Notwendigkeit dennoch einen Waffenstillstand
geboten macht, ist er auf Sand gebaut und die Feindseligkeiten flammen
wieder auf, sobald eine Erfolgsaussicht gesehen wird. Und so stehen
sich Kapitalgeber und Arbeitnehmer wie zwei bewaffnete Heere gegenüber,
jederzeit bereit, den Kampf wieder aufzunehmen.

Es besteht kein Zweifel daran, dass er wieder aufgenommen und mit unterschiedlichen
Erfolgen weitergeführt wird, es sei denn, dass beide Seiten zu
der Einsicht gelangen, dass ihre Interessen gegenseitig sind und dass der
Kampf nur über die Kooperation und darüber, dass jede Seite ihren gerechten
Anteil erhält, beigelegt werden kann!

Beide Seiten müssen sich über die trennende Kluft hinweg die Hand reichen.
Wie diese Versöhnung zuwege gebracht werden kann, ist eine Frage, die viele
kluge Köpfe beschäftigt. Eine umsichtige und unparteiische Gesetzgebung
ist sicherlich ein Teil dieses Konzepts.
Arbeitgeberverbände werden ebenfalls eine wichtige Rolle spielen.

Der Einfluss dieser Verbände wird zunehmen, wenn ihre Forderungen auf
Gerechtigkeit und Menschlichkeit beruhen. Gewalt und Drohungen werden
nichts Gutes bringen. Dynamit, sei es in Form von Sprengstoff oder in Form
der noch schädlicheren ungezügelten Leidenschaft, heilt keine Wunden und
glättet keine Wogen. Das verheißungsvollste Medium ist derzeit die Schiedsgerichtsbarkeit.

Dem Arbeitnehmer einen gerechten Anteil am Gewinn des
Unternehmens zu gewähren, hat sich in einigen Fällen ebenfalls bewährt, wirft
in der Praxis jedoch eine Reihe von Schwierigkeiten auf, die mehr Klugheit,
Selbstbeherrschung und mehr aufrichtigen Respekt für die Interessen beider
Seite erfordern, als dies vielmals der Fall ist. Ein dauerhafter Fortschritt
und eine Beilegung dieses Konflikts ist jedoch nur möglich, wenn die Ursache
beseitigt wird.
Die wahre Ursache ist eine überzogene Nabelschau und diese Ursache wird
weiterwirken, solange sie besteht. Sie kann gezügelt und eingedämmt werden,
wird sich aber bei nächster Gelegenheit wieder nach vorne drängen. Jeder
kluge Mensch muss deshalb alles daran setzen, die Auswirkungen dieser
narzisstischen Haltung zu kontrollieren.

Man reinige die Quelle, dann wird auch das Wasser sauberer!

Es gibt ein Prinzip des universellen Einflusses, das hinter jedem erfolgreichen
Versuch stehen muss, diese beiden großen Faktoren des menschlichen Wohlbefindens,
die sich derzeit so feindlich gegenüber stehen, harmonisch zusammen
zu bringen. Es handelt sich um eine Weisheit, die nicht aus menschlichen
Quellen stammt. Jedes Kind kann sie verstehen und sich danach richten. Die
Anwendung ist universell und ausschließlich nutzbringend. Sie erleichtert die
Bürde des Arbeitnehmers und erhöht seine Belohnung. Es handelt sich um
die Goldene Regel, wie sie in folgenden Worten zum Ausdruck kommt:

Alles nun, was ihr wollt,
das euch die Leute tun sollen,
das tut ihnen auch!
Das ist das Gesetz und die Propheten.

(Matthäus 7,12)

Bevor wir dieses Prinzip auf den uns vorliegenden Fall übertragen, darf ich
zunächst näher darauf eingehen. Wir haben es hier mit einem sehr erstaunlichen
Gesetz des menschlichen Miteinanders zu tun, das von Politikern, Philosophen
und religiösen Lehrern in der Mehrheit der Fälle übergangen wird.
Diese Verhaltensvorgabe ist das A und O der Religion, sie umfasst alle Gebote
und Mittel für die Überwindung des Bösen durch das Gute, für den Sieg der
Wahrheit über die Unwahrheit, und verschafft dem Menschen Frieden und
inneres Glück. Sehen Sie sich die Formulierung genau an! Hier steht nicht
nur, dass es eine kluge Regel ist, hier steht „das ist das Gesetz und die Propheten“.
Diese Regel beinhaltet die Gottesliebe. Sie besagt, dass wir ihn so
sehen sollen wie wir von ihm gesehen werden wollen, dass wir ihn so lieben
sollen, wie wir von ihm geliebt werden wollen. Wenn wir wollen, dass er uns
uneingeschränkt liebt, müssen wir auch ihn uneingeschränkt lieben. Wenn
wir wollen, dass uns der Nächste so liebt wie er sich selbst, müssen wir ihn
so lieben wie uns selbst.

S. 556

Fortsetzung folgt!

Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 9/6

Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 9/6

Sie können auch ein unnatürliches Lächeln einüben und sich einen festen Händedruck
angewöhnen, wenn diesen äußeren Attributen einer anziehenden
Persönlichkeit jedoch der wesentliche Faktor der ernstgemeinten Absicht abgeht,
werden diese Äußerlichkeiten nur das Gegenteil bewirken und andere
Menschen abstoßen.

Wie lässt sich nun ein Charakter bilden?

Der erste Schritt besteht in einer festen Selbstdisziplin:

Sowohl in Lektion zwei wie auch in Lektion acht dieses Kurses finden Sie eine
Formel, mit der Sie Ihrem Charakter jedes Muster einprägen können, für das
Sie sich entscheiden. Diese Formel wiederhole ich hier nochmals:

Erstens:

Überlegen Sie, welche Menschen bereits über die Charaktereigenschaften
verfügen, die Sie zum Bestandteil Ihres eigenen Charakters machen wollen.

Personen:

………………………………………………………………..

……………………………………………………………….

……………………………………………………………….

………………………………………………………………

………………………………………………………………

……………………………………………………………..

Nachdem Sie sich für bestimmte Personen entschieden haben, gehen Sie so
vor, wie in Lektion zwei im Zusammenhang mit der Autosuggestion beschrieben:

Schaffen Sie in Ihrer Vorstellung einen Besprechungstisch und versammeln
Sie diese Vorbilder jeden Abend um diesen Tisch, nachdem Sie zuerst eine
klare und prägnante Beschreibung der Eigenschaften verfasst haben, die Sie
von jedem dieser „geistigen Berater“ übernehmen wollen.

Person Eigenschaft

Person Eigenschaft

Person Eigenschaft

Person Eigenschaft

Person Eigenschaft

Person Eigenschaft

Person Eigenschaft

Dann suggerieren Sie sich die gewünschten Eigenschaften, indem Sie sie
hörbar aussprechen.
Schließen Sie dabei Ihre Augen und stellen Sie sich diese Menschen an Ihrem
Tisch sitzend vor, so wie in Lektion zwei beschrieben.

Zweitens:

Über das in Lektion acht beschriebene Prinzip der Selbstbeherrschung kontrollieren
und steuern Sie Ihre Gedanken und richten sie positiv aus. Sorgen
Sie dafür, dass der vorherrschende Gedanke ein Bild des Menschen ist, der
Sie sein wollen: der Mensch, der auf diese Weise bewusst für eine Charakterbildung
sorgt!

Schließen Sie täglich Ihre Augen mindestens ein Dutzend Mal – immer wenn
Sie ein paar Minuten erübrigen können – und lassen Sie vor Ihrem inneren
Auge die Personen erscheinen, die Sie um Ihren Beratertisch versammelt
haben. Dabei fühlen Sie sich zuversichtlich und mit einem Glauben, der keine
Beschränkung kennt, in die Situation hinein, dass Sie immer mehr zu dem
Menschen werden, der über die von Ihnen gewünschten Charaktereigenschaften
verfügt!

Drittens:

Finden Sie jeden Tag mindestens eine Person – nach Möglichkeit auch mehrere
– mit einer lobenswerten Eigenschaft und sprechen Sie dieser Person
hierfür Ihre Anerkennung aus!

Diese Anerkennung muss ernst gemeint sein und von Herzen kommen. Keine
plumpen oder unaufrichtigen Schmeicheleien! Sprechen Sie Ihr Lob so aus,
dass Sie damit die andere Person beeindrucken – dann warten Sie ab, was geschieht.

Dem anderen Menschen haben Sie damit in jedem Fall einen großen
Wert erwiesen und Sie selbst sind dem Ziel, bei anderen Menschen nach
guten Eigenschaften Ausschau zu halten, einen Schritt näher gekommen.

Die langfristige Wirkung dieser Gewohnheit der offenen und begeisterten
Bezeugung von Anerkennung wird Sie in Erstaunen versetzen. Sie werden
mehr Selbstachtung und ein ausgeprägteres Gefühl der Dankbarkeit entwickeln,
was Ihrer Persönlichkeit nachhaltig zugute kommt. Auch hier kommt
das Gesetz der Anziehung wieder zur Geltung und die Menschen, die Ihr Lob
und Ihre Anerkennung empfangen, werden in Ihnen die Eigenschaften sehen,
die Sie in ihnen sehen. Ihr Erfolg bei der Umsetzung dieser Formel wird sich
in genau dem Verhältnis einstellen, indem Sie an die Wirkung dieser Formel
glauben!

Glauben Sie nicht nur daran; gehen Sie mit absoluter Sicherheit davon aus!
Ich weiß, dass diese Formel wirkt, weil ich sie selbst mit großem Erfolg angewandt
habe und andere, die sich ihrer bedient haben, ebenfalls erstaunliche
Erfolge damit erzielt haben. Dies gibt mir das Recht, Ihnen Ihren Erfolg mit
derselben Sicherheit zu prophezeien.

Darüber hinaus können Sie mit Hilfe dieser Formel so rasch eine anziehende
Persönlichkeit aufbauen, dass Sie nicht nur sich, sondern Ihr gesamtes Umfeld
überraschen werden.

Diese Persönlichkeitsentwicklung hängt ausschließlich von Ihnen ab, eine Tatsache,
die Ihnen einen gewaltigen Vorsprung verschafft. Gleichzeitig bringt
diese Tatsache die Verantwortung mit sich, von diesem Vorrecht Gebrauch
zu machen oder es zu unterlassen.

Ich darf nun darauf eingehen, wieso Sie Ihre Affirmation laut aussprechen
sollten, damit Sie die gewünschten Charaktereigenschaften entwickeln, welche
Bestandteil Ihrer künftigen anziehenden Persönlichkeit sein werden.

Diese Vorgehensweise hat zwei wünschenswerte Folgen:

Erstens:

Sie setzt die Schwingung in Gang, über die der sich hinter Ihren Worten befindliche
Gedanke Ihr Unterbewusstsein erreicht und sich dort einprägt. Dort
fasst er gleichsam Wurzeln und wächst sich zur Triebkraft aus, die zu äußeren,
physischen Aktivitäten führt und den Gedanken in Wirklichkeit verwandelt.

Zweitens:

Sie entwickelt in Ihnen die Fähigkeit, kraftvoll und überzeugend zu sprechen,
was Ihnen mit der Zeit auch zugute kommt, wenn Sie in einem öffentlichen
Rahmen das Wort ergreifen.
Unabhängig von Ihrer beruflichen Tätigkeit sollten Sie in der Lage sein, Ihr
jeweiliges Anliegen überzeugend vorzutragen, da dies eine der wirksamsten
Möglichkeiten ist, eine anziehende Persönlichkeit zu entwickeln.

Legen Sie Gefühl und Nachdruck in Ihre Worte und entwickeln Sie eine tiefe
und angenehme Stimme. Falls Ihre Stimme dazu neigt, zu schrill zu klingen,
sollten Sie daran arbeiten, dass sie weich und freundlich klingt. Über eine
schroffe oder schrille Stimme können Sie keine anziehende Persönlichkeit
zum Ausdruck bringen. Sie müssen Ihre Stimme solange trainieren, bis sie
rhythmisch und für das Ohr angenehm wirkt.

Die freie Rede ist eine vorzügliche Methode, um Ihre Persönlichkeit zum Ausdruck
zu bringen. Aus diesem Grunde kann es Ihnen nur zum Vorteil gereichen,
einen aussagekräftigen und angenehmen Sprachstil zu entwickeln.

Mir ist keine einzige außergewöhnliche anziehende Persönlichkeit bekannt,
die sich nicht auch kraftvoll und überzeugend ausdrücken konnte. Studieren
Sie prominente Männer und Frauen und achten Sie darauf, wie überzeugend
sie sich ausdrücken.

In der Geschäftswelt, in der Industrie und in der Finanzwelt sind die bekanntesten
Führungspersönlichkeiten immer auch fähige Vortragsredner.

In der Tat kann niemand darauf hoffen, ein Vorreiter oder eine Führungspersönlichkeit
zu werden, der nicht auch gelernt hat, sich nachdrücklich und
überzeugend auszudrücken. Zwar wird der Verkäufer vielleicht nie eine öffentliche
Rede halten, wenn er sich in dieser Fähigkeit schult, wird sie ihm jedoch
sehr zugute kommen, weil er damit auch im Rahmen normaler Gespräche
überzeugender argumentieren kann.

Fassen wir nun die wesentlichen Faktoren zusammen, die für eine anziehende
Persönlichkeit eine Rolle spielen:

Fortsetzung folgt!

Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 9/4

Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 9/4

Dritter Bürger: „Meint ihr, Bürger? Ich fürchte, ein Schlimmerer kommt an
seine Stelle.“

Vierter Bürger: „Wenn dem so ist, so wird es manchem teuer zu stehen
kommen“.

Zweiter Bürger: „Ach, der arme Mann! Die Augen sind ihm feuerrot vom Weinen“

Dritter Bürger: „Anton ist der bravste Mann in Rom.“

Vierter Bürger: „Gebt acht! Er fängt von neuem an zu reden.“

Anton: Noch gestern hätte die Welt sich umsonst dem Worte Cäsars widersetzt,
nun liegt er da.
Und der Geringste neigt sich nicht vor ihm.
Oh Bürger! strebt ich, Herz und Mut in euch zur Wut und zur Empörung zu
entflammen, so tät ich Cassius und Brutus Unrecht, die ihr als ehrenwerte
Männer kennt.
Ich will nicht ihnen Unrecht tun, ich will lieber dem Toten Unrecht tun, mir
selbst und auch euch, als ehrenwerten Männern, wie ihr seid!“

(Man beachte, häufig Anton von „ehrenwerten“ Männern spricht. Geschickt
bringt er auch die Suggestion ins Spiel, dass Brutus und Cassius vielleicht
doch nicht so ehrenwert sind, wie die Bürger das annehmen. Zum ersten
Mal verwendet er jetzt solche Worte wie „Wut“ und „Empörung“ und wartete
dann erst ab, um die Reaktion der Bürger zu sehen. Achten Sie darauf, wie
sorgfältig er sich vorantastet und einen geistigen Rahmen für seine Zuhörer
schafft).

Anton: „Ich will nicht ihnen Unrecht tun, ich will lieber dem Toten Unrecht tun,
mir selbst und auch euch, als ehrenwerten Männern, wie ihr seid.“

(Er steuert auf einen Hass gegenüber Brutus und Cassius zu; dabei appelliert
er an ihre Neugier und beginnt, den Weg zum Höhepunkt vorzubahnen. Er
weiß, dass dieser Höhepunkt das Volk dazu bringen wird, auf seine Seite zu
wechseln).

Anton: „Doch seht dieses Pergament mit Cäsars Siegel.
Ich fand es bei ihm, es ist sein letzter Wille.
Vernähme nun das Volk dieses Testament,
das ich – verzeiht mir – nicht zu lesen denke,
sie gingen hin und küssten Cäsars Wunden.
Sie tauchten Tücher in sein heiliges Blut.
Ja, sie bäten um ein Haar zum Angedenken.
Und sterbend nennten sie‘s im Testament
und hinterließen es ihres Leibes Erben
zum köstlichen Vermächtnis.“

(Die menschliche Natur will immer das, was schwer zu kriegen ist oder was
ihr vorenthalten wird. Beachten Sie, wie geschickt Anton das Interesse des
Volkes erweckt hat. Es will jetzt, dass er das Testament vorliest. Anton bereitet
die Bürger darauf vor, dass sie ihm aufmerksam zuhören. Das ist der
zweite Schritt in der „Neutralisierung“ der Bewusstseine der Zuhörerschaft).

Alle: „Wir wollen‘s hören. Lest das Testament! Lest, Mark Anton!“

Anton: „Seid ruhig, liebe Freunde! Ich darf‘s nicht lesen.
Ihr müsst nicht wissen, wie euch Cäsar liebte.
Ihr seid nicht Holz, nicht Stein, ihr seid ja Menschen.
Darum, wenn ihr von Cäsars Testament erführt, setzte es euch in Flammen.
Es macht‘ euch rasend.
Ihr dürft nicht wissen, dass ihr ihn beerbt.
Denn wüsstet ihr‘s, was würde daraus entstehen?“

Bürger: „Lest das Testament! Wir wollen‘s hören, Mark Anton!
Ihr müsst es lesen, Cäsars Testament“.

Anton: „Wollt ihr euch wohl gedulden?
Wollt ihr warten?
Ich übereilte mich, indem ich‘s euch sagte.
Ich fürchte, ich trete den ehrenwerten Männern zu nah,
die Cäsar erdolchten
Ich fürchte es.“

Vierter Bürger: „Das Testament! Das Testament!“

(„erdolchen“ weckt Assoziationen von Meuchelmord. Man beachte, wie geschickt
Anton diese Suggestion in seine Rede einfließen lässt und wie rasch
sie von den Bürgern aufgenommen wird. Die Bürger wissen natürlich nicht,
dass Anton ihre Bewusstseine auf die Aufnahme dieser Suggestion vorbereitet
hat).

Vierter Bürger: „Sie waren Verräter, ehrenwerte Männer!“

Alle Bürger: „Das Testament! Das Testament“

Zweiter Bürger: „Sie waren Bösewichter, Mörder! Das Testament!
Lest das Testament!“

(Damit sprachen sie Anton aus dem Munde. Dies hätte er gleich zu Anfang
sagen können, doch er wusste, dass es eine größere Wirkung haben würde,
wenn er diesen Gedanken in die Bewusstseine der Bürger einpflanzte und sie
selbst es aussprachen).

Anton: „So zwingt ihr mich, das Testament zu lesen?
Schließt einen Kreis um Cäsars Leiche, denn ich zeige euch den,
der euch zu Erben machte.
Erlaubt ihr mir‘s?
Soll ich hinuntersteigen?“

(An dieser Stelle hätte sich Brutus nach dem Notausgang umsehen sollen).

Alle Bürger: „Ja, komm nur!“

Zweiter Bürger: „Steig herab!“

Dritter Bürger: „Das ist euch gern erlaubt“.

Anton: „Nein, drängt nicht so heran. Steht weiter weg“.

(Er wusste, dass dieser Hinweis den Wunsch auslösen würde, näher heranzukommen).

Alle Bürger: „Zurück! Platz da! Zurück!“

Anton: „Sofern ihr Tränen habt, so bereitet euch vor, sie jetzt zu vergießen.
Diesen Mantel, ihr kennt ihn alle.
Ich erinnere mich noch an das erste Mal, als ihn Cäsar trug in seinem Zelt,
an einem Sommerabend.
Es war der Tag, als er die Nevier überwand.
Hier schaut! Hier fuhr des Cassius Dolch hinein.
Seht, welchen Riss der tückische Casca machte!
Hier stieß der vielgeliebte Brutus durch.
Und als er den verfluchten Stahl hinwegriß,
schaut her, wie ihm das Blut des Cäsar folgte,
als er vor der Türe stürzte, um zu erfahren,
ob wirklich Brutus so unfreundlich klopfte.
Denn Brutus, wie ihr wisst, war Cäsars Engel.
Ihr Götter, urteilt, wie ihn Cäser liebte!
Kein Stich von allen schmerzte so wie der.
Denn als der edle Cäsar Brutus sah, warf Undank,
stärker als Verräterwaffen, ihn ganz nieder.
Da brach sein großes Herz
und in dem Mantel sein Gesicht verhüllend,
grad am Gestell der Säule des Pompeijus,
von der das Blut rann, fiel der große Cäsar.
Oh meine Bürger, welche ein Fall war das!
Da fielet ihr und ich, wir alle fielen
und über uns frohlockte die blutige Tücke.
Oh ja, nun weinet ihr, und ich merk, ihr fühlt den Drang des Mitleids,
dies sind milde Tropfen.
Wie?
Weint ihr, gute Herzen, seht ihr gleich nur unseres Cäsars Kleid verletzt?
Schaut her!
Hier ist er selbst, geschändet von Verrätern“

.(Anton gebraucht das Wort „Verräter“ nun ganz offen, weil er weiß, dass es
sich im Einklang mit dem Denken der Römer befindet).

Erster Bürger: „Welch klägliches Schauspiel!“

Zweiter Bürger: „Oh edler Cäsar!“

Dritter Bürger: „Oh jammervoller Tag!“

Vierter Bürger: „Oh Schurken und Verräter!“

Erster Bürger: „Welch blutiger Anblick!“

Zweiter Bürger: „Wir wollen Rache! Rache! Auf und sucht!
Sengt! Brennt! Schlagt! Mordet! Lasst nicht einen leben!“

(Wenn Brutus ein kluger Mann und kein Prahlhans gewesen wäre, befände er
sich jetzt bereits in weiter Ferne).

S. 370

Fortsetzung folgt!

Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 9/3

Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 9/3

Plumpe Schmeichelei bewirkt das genaue Gegenteil und führt zu einer unattraktiven
Wesensart. Sie wirkt abstoßend. Sie ist seicht und leicht durchschaubar.
Sie haben wahrscheinlich schon bemerkt, dass sich diese Lektion ausführlich
damit beschäftigt, wie überaus wichtig es ist, sich für andere Menschen
und ihre Arbeit zu interessieren!

Sie werden auch bemerken, dass die Prinzipien, auf denen die vorliegende
Lektion beruht, eng mit denen aus Lektion sechs über das Vorstellungsvermögen
zusammen hängen.

Des Weiteren hängt diese Lektion mit Lektion dreizehn zusammen, welche
das Thema der Zusammenarbeit zum Inhalt hat.

Sehen wir uns nun einige praktische Beispiele an, wie die Gesetze über

das Vorstellungsvermögen,
die Zusammenarbeit und
ein sympathisches Wesen

anhand brauchbarer Ideen ineinandergreifen und genutzt werden können.

Jeder denkende Mensch weiß, dass am Anfang aller erfolgreichen Unternehmungen
„Ideen“ stehen. Eine sehr häufig gestellte Frage lautet jedoch:

„Wie kann ich Ideen finden, um besser zu verdienen?“

Wir werden diese Frage teilweise beantworten, indem wir einige neuartige
Ideen vorstellen, die beinahe von jedermann an jedem beliebigen Ort umgesetzt
werden können.

Hier stellt Napoleon Hill eine Reihe von Geschäftsmodellen
vor, zum Beispiel die Herstellung und den Vertrieb
von Spielzeugen (da nach dem Weltkrieg in vielen
Ländern keine Nachfrage mehr nach Spielzeugen
aus der bisherigen Spielzeughochburg Deutschland
bestand) oder eine Art Druckereivermittlung auf Provisionsbasis.

Diese Beispiele sind überholt, wir lassen sie deshalb
weg.

… es gibt viele Menschen, die mehr Geld verdienen wollen, aber neunundneuzig
von hundert denken nur daran, wie sie zu mehr Geld kommen könnten,
ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, welche Gegenleistung sie dafür
zu erbringen haben.

Ein sympathisches Wesen nutzt sowohl die Vorstellungskraft als auch die
Zusammenarbeit. Sehen Sie sich einen Menschen an, der ein sympathisches
und anziehendes Wesen hat; Sie werden dann sehen, dass bei dieser Person
auch Vorstellungskraft und Zusammenarbeit gegeben sind.

Dies bringt uns zu einer der wichtigsten Lektionen über die Persönlichkeit.
Diese Lektion betrifft nicht nur die Persönlichkeit, sondern auch die Verkaufstüchtigkeit
und Überzeugungskraft, da eine anziehende Persönlichkeit und die
Kunst des Verkaufens Hand in Hand gehen – sie sind unzertrennlich!

Ich nehme Bezug auf ein Meisterwerk Shakespeares: die Trauerrede des
Mark Anton beim Begräbnis Cäsars. Vielleicht haben Sie sie gelesen, ich gebe
sie hier aber mit Interpretationen in Klammern nochmals wieder, damit Sie
diese Grabrede in einem neuen Lichte sehen.

Die Vorgeschichte:
Cäsar ist tot und Brutus, der Anstifter zum Meuchelmord, schickt sich an,
dem römischen Volk zu erklären, wieso er Cäsar aus dem Weg geräumt
hat.
Stellen Sie sich diese Szene bildhaft vor: Eine erregte Menschenmenge, die
Cäsar nicht wohlgesonnen gegenüberstand und in deren Augen Brutus eine
edle Tat begangen hatte, indem er Cäsar ermorden ließ.

Brutus steigt auf die Bühne und richtet ein paar Worte an die Menge. Er
denkt, dass er damit eine ausreichende Begründung abgegeben hat und
nimmt wieder Platz. Sein ganzes Gehabe ist das eines Mannes, der davon
ausgeht, dass ihm jedes Wort anstandslos abgenommen wird. Er strotzt voll
Hochmut.

Dann betritt Mark Anton die Bühne. Er weiß, dass ihm das Volk feindlich gegenüber
steht, weil er ein Freund Cäsars war.
Langsam und bedächtig beginnt er zu sprechen:

Anton: „Um Brutus‘ willen bin ich euch verpflichtet.“

Vierter Bürger: „Was sagt er da von Brutus?“

Dritter Bürger:
„Er sagt, um Brutus‘ willen find er sich uns insgesamt verpflichtet.“

Vierter Bürger: „Er täte wohl, dem Brutus hier nichts Übles nachzureden.“

Erster Bürger: „Der Cäsar war ein Tyrann.“

Dritter Bürger:
„Ja, das ist sicher. Es ist ein Glück für uns, dass Rom ihn los ist!“

Zweiter Bürger: „Still! Hört doch, was Antonius zu sagen hat!“ (Antons einleitender
Satz zielte darauf ab, seine Zuhörer zu „neutralisieren“).

Anton: „Ihr edlen Römer -“
(Etwa so „edel“ wie ein paar Untergrundbosse bei der Besprechung des nächsten
Raubzuges)

Alle: „Still da! Hört ihn doch an!“

Anton: „Mitbürger! Freunde! Römer! hört mich an: Begraben will ich Cäsar,
nicht ihn preisen“
(Er verbündet sich mit dem Geisteszustand seiner Zuhörer)

„Was Menschen Übles tun, das überlebt sie,
das Gute wird mit ihnen oft begraben.
So sei es auch mit Cäsar!
Der edle Brutus hat euch gesagt, dass er voll Herrschsucht war,
und war er das, so war‘s ein schweres Verbrechen
und schwer hat Cäser auch dafür gebüßt.
Hier, mit des Brutus Willen und der anderen,
– denn Brutus ist ein ehrenwerter Mann. Das sind sie alle, ehrenwert –
komm ich, um bei Cäsars Leichenzug zu reden.
Er war mein Freund, war mir gerecht und treu,
doch Brutus sagt, dass er voll Herrschsucht war.
Und Brutus ist ein ehrenwerter Mann.
Er brachte viele Gefangene heim nach Rom,
wofür das Lösegeld den Schatz gefüllt.
Sah das wohl der Herrschsucht Cäsars gleich?
Wenn Arme zu ihm schrien, so weinte Cäsar.
Die Herrschsucht sollt aus härterem Stoff bestehen.
Doch Brutus sagt, dass er voll Herrschsucht war.
Und Brutus ist ein ehrenwerter Mann.
Ihr alle saht, wie ich ihm am Lupercusfest dreimal die Königskrone bot,
die er dreimal verweigerte.
War das Herrschsucht?
Doch Brutus sagt, dass er voll Herrschsucht war.
Und er ist gewiss ein ehrenwerter Mann.
Ich will, was Brutus sprach, nicht widerlegen.
Ich spreche hier nur von dem, was ich weiß.
Ihr liebtet all ihn einst nicht ohne Grund.
Was für ein Grund verwehrt es euch, zu trauern?
Oh Urteil, du entflohst zum blöden Vieh.
Der Mensch ward unvernünftig!
Habt Geduld!
Mein Herz ist mit dem Sarge hier beim Cäsar.
Und ich muss schweigen, bis es mir zurückkommt“.

(An dieser Stelle machte Anton eine Pause, damit die Bürger seine einleitenden
Worte untereinander bereden konnten. So konnte er beobachten,
welche Wirkung seine Worte auf die Römer hinterlassen hatten – genauso
wie ein guter Verkäufer seinen potenziellen Kunden zum Sprechen ermutigt,
damit er erfährt, was in seinem Gegenüber vor sich geht).

Erster Bürger: „Mich dünkt, in seinen Reden ist viel Grund.“

Zweiter Bürger: „Wenn man die Sache recht erwägt, ist Cäsar großes Unrecht
widerfahren.“

Fortsetzung folgt!

Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 8/5

Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 8/5

Marshall Field war vermutlich der führende Kaufmann seiner Zeit und das
große Kaufhaus in Chicago, das seinen Namen trägt, ist ein Monument für
die Richtigkeit des Gesetzes der zunehmenden Rendite.
Eine Kundin erstand bei Field eine teuere Weste, trug sie aber nicht. Zwei
Jahre später schenkte sie sie ihrer Nichte zur Hochzeit. Die Nichte gab die
Weste stillschweigend wieder bei Field zurück und tauschte sie gegen eine
andere Ware um, obwohl die Weste mittlerweile zwei Jahre alt war und nicht
mehr der aktuellen Mode entsprach.
Field nahm die Weste nicht nur zurück, sondern – was noch wichtiger ist –
stellte keine weiteren Fragen!
Natürlich war das Kaufhaus weder gesetzlich noch moralisch zur Rücknahme
einer veralteten Weste verpflichtet; dies macht die Transaktion jedoch
nur noch bedeutender.
Die Weste kostete ursprünglich fünfzig Dollar. Natürlich musste sie auf den
Ausverkauftisch gelegt werden und das Kaufhaus musste sich mit dem Preis
zufrieden geben, den eine andere Kundin dafür eventuell zu zahlen bereit war.
Der intelligente Student der menschlichen Natur wird jedoch verstehen, dass
das Kaufhaus nicht nur nichts verlor, sondern sogar noch einen Gewinn bei
dieser Transaktion machte. In Dollar und Cent lässt sich dieser Gewinn nicht
ausdrücken.
Die Frau, die die Weste zurückgab, wusste, dass sie keinen Anspruch auf einen
Rabatt hatte. Als das Kaufhaus ihr etwas gab, worauf sie keinen Anspruch
hatte, gewann es damit eine Stammkundin. Doch damit nicht genug. Denn die
Frau erzählte diese Begebenheit herum und schwärmte von der „fairen Behandlung“,
die man ihr angedeihen hat lassen. Eine Reihe von Frauen redete
tagelang darüber – und das Kaufhaus erhielt zehnmal mehr Werbung als die
Weste wert war.
Der Erfolg des Kaufhauses beruhte größtenteils darauf, dass Marshall Field
das Gesetz der zunehmenden Rendite verstand. Nicht zuletzt deshalb stammt
von ihm der Spruch: „Der Kunde hat immer recht!“
Wenn Sie nur das tun, wofür Sie bezahlt werden, gibt es nichts Außergewöhnliches,
was sich über Ihre Arbeit sagen ließe. Wenn Sie aber von sich
aus mehr tun, als von Ihnen erwartet wird, zieht Ihr Verhalten die Aufmerksamkeit
aller übrigen Personen, die an einer Transaktion beteiligt sind, positiv
auf sich. Auf diese Weise schaffen Sie sich einen Ruf, der letztendlich das
Gesetz der zunehmenden Rendite auslösen wird, denn dieser Ruf wird eine
große Nachfrage nach Ihren Leistungen oder Angeboten schaffen.

…………………………………………………………..

Carol Downes war beim Automobilhersteller W. C. Durant in einer untergeordneten
Position beschäftigt. Heute ist er Mr. Durants rechte Hand und
Präsident eines seiner Autohandelsunternehmen. Er sorgte für diesen Aufstieg,
indem er sich des Gesetzes der zunehmenden Rendite bediente und
mehr und bessere Leistungen erbrachte als nur die, die von ihm erwartet
wurden.

„Als ich bei Mr. Durant anfing“, berichtete er mir „fiel mir auf, dass er immer
sehr lange im Büro blieb, nachdem die anderen bereits alle nach Hause
gegangen waren. Eines Tages blieb ich ebenfalls noch nach der üblichen
Arbeitszeit im Büro. Niemand hatte mich darum gebeten, aber ich dachte
mir, jemand sollte Mr. Durant zur Hand gehen, falls er Hilfe brauchen sollte.
Vielleicht könnte ich ihm eine Akte bringen oder mich anderweitig nützlich
zeigen. Mit der Zeit hatte sich Mr. Durant daran gewöhnt, dass ich zur Stelle
war und rief mich zu sich, wenn er etwas brauchte. Das ist so ziemlich alles,
was ich dazu sagen kann“.

„Er hatte sich daran gewöhnt, dass ich zur Stelle war!“

Lesen Sie diesen Satz nochmals und denken Sie über seine Aussage nach!
Wieso hatte sich Mr. Durant daran gewöhnt, Mr. Downes zu rufen?
Weil sich Mr. Downes vorgenommen hatte, zur Stelle zu sein. Er war für Mr.
Durant sichtbar. Er begab sich absichtlich in eine Position, in der er eine Leistung
erbringen oder einen Dienst erweisen konnte, so dass das Gesetz der
zunehmenden Rendite wieder auf ihn zurückfallen musste.
Wurde ihm das aufgetragen? Nein!
Wurde er dafür bezahlt? Ja!
Er wurde dafür bezahlt, indem er die Gelegenheit erhielt, die Aufmerksamkeit
eines Mannes auf sich zu ziehen, in dessen Macht es stand, ihn zu befördern.

Wir gelangen jetzt zum wichtigsten Teil dieser Lektion, weil Sie das Gesetz
der zunehmenden Rendite ebenso nutzen können, wie Mr. Downes dies tat
und weil Sie dieses Gesetz exakt auf dieselbe Weise anwenden können, wie er
es tat, nämlich, indem Sie zur Stelle sind und Ihre Dienste freiwillig anbieten,
wo andere dies nicht tun, weil sie dafür nicht bezahlt werden!

Stopp!
Verfallen Sie jetzt nicht in die ausgeleierte Ausrede, die den meisten jetzt in
den Sinn kommt: „Aber mein Chef ist anders, bei dem funktioniert das nicht“. Denken
Sie nicht einmal daran!
Natürlich ist er anders. Jeder ist anders – aber in vielem sind wir Menschen
auch gleich. Ein Punkt, bei dem alle Menschen gleich sind, ist, dass wir alle ein
bisschen eigennützig sind, zumindest eigennützig genug, um einen Mann wie
Carol Downes nicht zur Konkurrenz ziehen zu lassen. Und diese Eigenützigkeit
kommt Ihnen zugute, falls …
Sie sich so nützlich machen können, dass der Mensch, dem Sie Ihre Leistungen
anbieten wollen, ohne Sie nicht mehr auskommen kann!
Eine der lukrativsten Beförderungen, die mir je zuteil wurden, verdanke ich
einem Vorfall, der so unbedeutend schien, dass er kaum erwähnenswert ist.
Eines Samstag-Nachmittags kam ein Anwalt, dessen Kanzlei sich auf demselben
Stockwerk befand, wie das Büro meines Arbeitgebers, und wollte wissen,
wo er einen Stenographen finden könne, weil er an diesem Nachmittag
noch einige Schriftstücke diktieren müsse.

Ich sagte ihm, dass unsere Stenographen bereits zum Baseballspielen gegangen
seien und dass ich ebenfalls bereits weg gewesen wäre, wenn er fünf
Minuten später erschienen wäre, aber ich würde mich freuen, ihm behilflich
sein zu dürfen, da ich mir ein Baseballspiel ja auch jeden anderen Tag ansehen
könne und seine Arbeit doch dringend wäre.

Ich erledigte die Arbeit für ihn und als er fragte, wieviel er mir schulde, sagte
ich „Oh, etwa tausend Dollar, weil‘s für Sie ist. Bei jemand anders würde ich
gar nichts verlangen“. Er lächelte und bedankte sich.
Natürlich hätte ich nicht im Traum daran gedacht, dass er mir für diese
Nachmittagsarbeit tausend Dollar bezahlt hätte – aber genau das tat er!
Sechs Monate später – ich hatte diesen Vorfall bereits vergessen – kam er
nochmals vorbei und fragte, wie hoch mein Gehalt sei. Ich antworte ihm wahrheitsgemäß
und er teilte mir mit, dass er mir die tausend Dollar bezahlen
würde, die ich spaßeshalber erwähnt hatte, als ich ihm vor einem halben Jahr
aushalf. Diese tausend Dollar bezahlte er mir, indem er mir eine Arbeitsstelle
bot, bei der ich tausend Dollar im Jahr mehr verdiente als bisher!
Unbewusst hatte ich an diesem besagten Nachmittag das Gesetz der zunehmenden
Rendite in Gang gebracht, indem ich auf ein Baseballspiel verzichtete
und einen Dienst erbrachte, der dem Wunsch entstand, einen Gefallen zu
tun und dem keine finanzielle Erwägungen zugrunde lagen.
Ich war keineswegs verpflichtet, meinen Samstag-Nachmittag zu „opfern“ –
es war mir ein Vergnügen!
Und es erwies sich als ein sehr lukratives Vergnügen, weil es mir eine verantwortungsvollere
und um tausend Dollar besser bezahlte Position verschaffte.
Auch Carol Downes war nicht verpflichtet, bei der Stelle zu sein und sich
nach dem üblichen Büroschluss noch in der Nähe seines Chefs aufzuhalten.
Er nahm sich das Recht und diese Recht brachte ihm innerhalb eines Jahres
größere Aufgaben und besseren Lohn als er in einem ganzen Berufsleben
hätte erreichen können, wenn er sich dieses Recht nicht genommen hätte.
Ich habe über fünfundzwanzig Jahre lang über dieses Vorrecht nachgedacht,
mehr und bessere Leistungen zu erbringen als nur die, die von mir erwartet
wurden, und meine Gedanken haben mich zu den Schluss geführt, dass eine
einzige Stunde unverlangter Extraleistungen mehr Rendite bringen kann
als die in der übrigen Zeit des Tages erbrachten Leistungen.
Das Gesetz der zunehmenden Rendite ist keineswegs meine Erfindung. Ich
nehme auch nicht für mich in Anspruch, dass ich das Prinzip unverlangter Extraleistungen
entdeckt hätte. Ich habe diese Erfolgsvoraussetzungen lediglich
nach jahrelanger sorgfältiger Beobachtung übernommen, genauso wie Sie
sie in Ihre Lebenspraxis übernehmen können, sobald Sie ihre Bedeutung und
ihren herausragenden Stellenwert verstanden haben.
Sie könnten die Eingliederung dieser Prinzipien in Ihren Alltag zum Beispiel bereits

jetzt beginnen, indem Sie ein Experiment versuchen, das Ihnen den Blick

für Fähigkeit schärft, von deren Existenz Sie vielleicht gar nichts wussten.

S. 343

Fortsetzung folgt!

Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 8/2

Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 8/2

Der Mensch, der sich für die Arbeit entscheidet, die er liebt, kommt nicht
immer in den Genuß, dass seine engsten Freunde und Verwandten dies auch
befürworten und unterstützen.

Mich gegen negative Suggestionen aus dem Freundeskreis und aus der Verwandschaft
wehren zu müssen, hat meine Energien in den Jahren, in denen
ich das Material für diesen Kursus zusammengetragen, geordnet, klassifiziert
und erprobt habe, ziemlich strapaziert.

Diese persönlichen Einblicke sollen Ihnen vor Augen führen, dass man nur selten
– falls überhaupt – hoffen kann, sich der Arbeit zu widmen, zu der man sich
berufen fühlt, ohne auf Hindernisse der unterschiedlichsten Art zu treffen. Im
allgemeinen ist das größte Hindernis, dass eine solche Arbeit zumindest am
Anfang nicht die finanziell bestentlohnteste ist.

Als Ausgleich für diesen Nachteil wird derjenige, der sich für diesen Weg entscheidet,
jedoch meist mit zwei eindeutigen Vorteilen belohnt:

erstens: er findet in einer solchen Arbeit die größte aller Befriedigungen,
nämlich das unbezahlbare Glück und

zweitens: seine finanzielle Entlohnung ist gesehen auf die Gesamtzeit seiner
Bemühungen in der Regel größer. Der Grund hierfür ist, dass eine gerne getane
Tätigkeit üblicherweise umfangreicher und qualitativ höherwertiger ist
als eine nur für Geld verrichtete Arbeit.

Der peinlichste und unseligste Widerstand gegen mein Lebenswerk – und ich
sage dies ohne die Absicht einer Respektlosigkeit – kam von meiner Frau.
Dies mag erklären, wieso ich im Laufe dieses Kursus wiederholt darauf hingewiesen
habe, dass die Ehefrau eines Mannes ihn entweder aufbauen oder
vernichten kann, je nachdem, ob sie seine Arbeit unterstützt oder ob sie ihm
die Unterstützung verweigert.

Wenn es nach meiner Frau gegangen wäre, hätte ich eine Festanstellung annehmen
sollen, die mir ein geregeltes monatliches Einkommen sichern würde,
da ich durch die wenigen Festanstellungen, die ich innehatte, bereits bewiesen
hatte, dass ich durchaus in der Lage sei, ohne übermäßige Anstrengung
ein Jahreseinkommen von $ 6.000,– bis $ 10.000,– zu verdienen.

Ich konnte meine Frau durchaus verstehen. Immerhin hatten wir kleine Kinder,
die Kleidung und eine Ausbildung benötigten, und ein regelmäßiges Gehalt
– selbst wenn es sich in einem bescheidenen Rahmen bewegen würde
– schien somit ein gangbarer Weg zu sein.

Trotz dieser logischen Überlegungen entschied ich mich dazu, in diesem Fall
nicht auf meine Frau zu hören. Ihre Familie und auch die meine stellten sich
hinter sie und redeten eifrig auf mich ein. Andere Leute zu studieren möge
bei einem Mann ja hinnehmenbar zu sein, der genügend Zeit habe, um einem
solch „unrentablen“ Zeitvertreib nachzugehen, aber ein verheirateter Mann
mit Familie könne sich solchen Unfug doch wohl nicht leisten.

Aber ich blieb unnachgiebig. Ich hatte meine Entscheidung getroffen und war
fest entschlossen, davon nicht abzurücken.

Das Familienkollektiv konnte meine Haltung zwar nicht verstehen, aber nach
und nach löste sich der Widerstand auf. Das Wissen, dass meine Wahl zumindest
zeitweilig Unruhe in die Familie gebracht hatte und auch die Tatsache,
dass meine engsten Freunde und Verwandten nicht hinter meiner
Entscheidung standen, erschwerte meine Arbeit allerdings beträchtlich.

Glücklicherweise waren nicht alle Freunde der Meinung, dass ich eine unkluge
Wahl getroffen hätte.

Einige hielten den von mir eingeschlagenen Kurs nicht nur für richtig und
waren der Meinung, dass diese Arbeit letztendlich ein sinnvolles Ergebnis
zeitigen würde, sondern glaubten auch an meine Pläne und ermutigten mich,
mich von der Verwandschaft nicht beirren zu lassen.

Zu dieser kleinen Gruppe Getreuer gehörte auch Edwin C. Barnes, damals
Geschäftspartner von Thomas A. Edison.

Mr. Barnes interessierte sich vor beinahe zwanzig Jahren für die von mir
gewählte Lebensarbeit und seinem unerschütterlichen Glauben an die Stichhaltigkeit
der Erfolgsgesetze verdanke ich es, dass ich den Überredungsversuchen
meiner übrigen Freunde nicht erlegen bin und nicht den Weg des
geringsten Widerstands gewählt habe, der mir eine Festanstellung beschert
hätte.

Dies hätte mir zwar einigen Kummer und eine nicht abreißende Kette von
Nörgeleien und Kritik erspart, aber es hätte mir auch der Hoffnungen eines
ganzen Lebens beraubt und letztendlich hätte ich sehr wahrscheinlich das
Wichtigste überhaupt verloren – das Glück! Denn ich bin in meiner Arbeit
sehr glücklich gewesen, selbst in den Zeiten, in denen sie mir nicht nur keine
finanzielle Anerkennung, sondern sogar Schulden gebracht hat.

Diese Ausführungen erklären vielleicht – zum Teil zumindest – warum ich in
Lektion vier so nachdrücklich vor der Schuldenversklavung gewarnt habe und
ein so großer Verfechter der Gewohnheit des Sparens bin.

Edwin Barnes glaubte nicht nur an die Solidität der Erfolgsgesetze, sein eigener
finanzieller Erfolg und seine enge geschäftliche Verbindung mit dem
größten Erfinder auf Erden belegten, dass er sehr wohl kompetent war, sich
in diesem Bereich zu äußern.

Ich begann meine Forschungsarbeiten in dem Glauben, dass jeder, der mit
einer normalen Intelligenz und mit einem echten Erfolgswillen ausgestattet
sei, Erfolg erreichen könne, indem er einige – mir unbekannte – Schritte befolge.
Diese Schritte oder Vorgehensweisen sowie ihre Anwendung wollte ich
herausfinden.

Mr. Barnes war derselben Auffassung. Darüber hinaus wusste er, dass die
erstaunlichen Resultate seines Geschäftspartners, Mr. Edison, einzig und alleine
aufgrund der Anwendung einiger Prinzipien zustande kamen, die später
erprobt und zum Bestandteil dieser Philosophie gemacht wurden. Es hatte
den Anschein, als ob Gelderwerb, Seelenfriede und Lebensglück aufgrund der
Anwendung unwandelbarer Gesetze, die jeder beherrschen und umsetzen
könne, möglich seien.

Diese Ansicht teilte auch ich. Diese Ansicht ist mittlerweile bewiesen worden
und hat den Praxistest bestanden. Jeder Kursteilnehmer wird dies nach
Abschluss dieses Kurses und nach Beherrschung dieser Lektionen selbst
bestätigen können.

Bedenken Sie bitte, dass ich in all den Jahren, in denen ich meine Nachforschungen
betrieb, das in der vorliegenden Lektion behandelte Gesetz der unverlangten
Extraleistungen nicht nur anwandte, sondern sogar noch wesentlich
weiterging, indem ich Arbeiten verrichtete, für die ich seinerzeit niemals
erwarten konnte, dass ich jemals dafür bezahlt würde.

Nach jahrelangem Chaos, Gegenerschaft und Widerstand gegen diese Lebensphilosophie
entstand schließlich dieser Kursus, er wurde in die Form
eines Manuskripts gebracht und war für die Veröffentlichung fertig.
Dann geschah eine ganze Weile lang gar nichts.

Ich legte sozusagen eine schöpferische Pause ein, bevor ich mich dem nächsten
Schritt widmete, bei dem es darum ging, diesen Kursus den Leuten vorzulegen,
die ihn meiner Ansicht nach gerne annehmen würden.

„Gottes Wege sind unergründlich“.

Während meiner Anfangsjahre konnte ich mit diesem Satz nichts anfangen;
meine Ansicht hat sich jedoch grundlegend verändert.

Man bat mich, in Canton im Bundestaat Ohio einen Vortrag zu halten. Mein
Auftritt war gebührend angekündigt worden und ich hatte allen Grund zur Annahme,
dass ich vor einem großen Publikum sprechen würde. Da zur selben
Zeit zwei weitere geschäftliche Veranstaltungen stattfanden, sah ich mich einer
„Glückszahl“ gegenüber: Meine Zuhörerschaft bestand nur aus dreizehn
Männern.

Ich war immer schon der Meinung gewesen, dass ein Mann sein Bestes
geben soll, unabhängig davon, wie die Gegenleistung aussieht oder wie vielen
Personen er seinen Dienst erbringt. Also sprach ich so, als ob der Saal
bis zum Bersten voll sei. Irgendwie packte mich ein Grollgefühl, weil sich das
Schicksalsrad gegen mich gedreht hatte und wenn ich je einen mitreißenden
Vortrag gehalten habe, dann an diesem Abend.

Aber innerlich fühlte ich mich gescheitert.

Erst am nächsten Tag sollte ich erfahren, dass ich am Vorabend „Geschichte
geschrieben“ hatte. An diesem Abend wurde der Grundstein für die Erfolgsgesetzte
gelegt.

Einer der dreizehn Männer war der verstorbene Don R. Mellet, seinerzeit
Herausgeber der Canton Daily News. In der Einführungslektion haben Sie
bereits kurz mit diesem Herrn Bekanntschaft gemacht. Nachdem ich mit
meinem Vortrag fertig war, schlich ich mich durch die Hintertüre hinaus und
kehrte in mein Hotel zurück. Ich wollte den dreizehn Männern nicht am Ausgang
begegnen.

Am nächsten Tag wurde ich in Mr. Melletts Büro gebeten.

Fortsetzung folgt!

Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 7/3

Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 7/3

Truthahnbraten ist ein sehr beliebtes Gericht, aber zu viel davon kostete einen
Freund von mir, der im Druckereigewerbe tätig ist, eine Stange Geld. Es
geschah einen Tag nach Thanksgiving, dem amerikanischen Erntedankfest,
als ich in sein Büro kam, um ihn einem bekannten russischen Staatsbürger
vorzustellen, der in die Vereinigten Staaten gekommen war, um ein Buch herauszubringen.
Der Russe sprach nur wenig Englisch und konnte sich kaum
verständlich machen. Bei diesem Gespräch stellte er meinem Druckerfreund
eine Frage, die dieser als eine Erkundigung nach seinen fachlichen Qualitäten
interpretierte. In einem unglückseligen Augenblick konterte er mit der Bemerkung:

„Das Problem mit euch Bolschewikis ist, dass ihr die übrige Welt mit Misstrauen
beäugt, weil ihr selbst zu kurzsichtig seid“.

Mein russischer Freund stieß mich mit dem Ellbogen an und flüsterte:

„Der Herr scheint krank zu sein. Wir kommen ein andermal wieder, wenn er
sich besser fühlt“.

Aber – er ließ sich nie mehr blicken! Der Auftrag ging an eine andere Druckerei
und wie ich später erfahren sollte, belief sich der Auftragswert auf über
zehntausend Dollar!

Zehntausend Dollar sind viel Geld für einen Truthahn. Der Drucker hat sich
später bei mir entschuldigt und sein Verhalten damit gerechtfertigt, dass eine
Truthahn-Party zu einer Magenverstimmung geführt hätte und er deshalb die
Selbstbeherrschung verloren habe.

………………………………………..

Einer der weltgrößten Likörkonzerne hat eine einzigartige, aber sehr effiziente
Methode eingeführt, um Verkaufspersonal einzustellen, das über die Gabe
der Selbstbeherrschung verfügt. Dieses Großunternehmen hat eine sehr intelligente
Dame beschäftigt, die Kaufhäuser und andere Orte aufsucht, wo
Verkäuferinnen und Verkäufer im Einsatz sind und wählt diejenigen aus, die
ihrer Ansicht nach über Taktgefühl und Selbstbeherrschung verfügen. Um sicher
zu gehen, dass sie die betreffenden Personen richtig einschätzt, nähert
sie sich ihnen und lässt sich ihre Waren zeigen. Sie erkundigt sich nach allem
Möglichen und stellt dabei die Geduld der Angesprochenen auf die Probe.
Falls diese die Prüfung bestehen, wird ihnen eine bessere Position angeboten,
falls nicht, haben sie unwissentlich eine gute Gelegenheit verpasst, um eine
besser bezahlte Position zu erreichen.
Es steht außer Frage, dass jedermann, der keine Selbstbeherrschung aufbringen
kann, eine Gelegenheit nach der anderen verpasst, ohne dies überhaupt
zu merken. Eines Tages stand ich in einem Einzelhandelsgeschäft am
Handschuhschalter und unterhielt mich mit einem jungen Mann, der dort
beschäftigt war. Er erzählte mir, das er bereits seit vier Jahren dort arbeite,
aber aufgrund der „Kurzsichtigkeit“ des Ladens keine Aufstiegschance erhalten
habe und deshalb nach einer anderen Stellung suche. Dann kam ein
Kunde hinzu und bat darum, dass ihm einige Hüte gezeigt werden. Der junge
Mann missachtete den Kunden und erzählte sein Leid zu Ende, obgleich es
der Kunde offenbar eilig hatte. Schließlich wandte er sich ihm zu und sagt ihm:
„Wir sind hier nicht in der Hutabteilung“.

Als der Kunde wissen wollte, wo er die Hutabteilung finden könne, erwiderte
der Schlaumeier: „Fragen Sie den Abteilungsleiter, der sagt es Ihnen“.

Vier Jahre lang hatte dieser junge Mann die Chance direkt vor seiner Nase
– aber er sah sie nicht. Er hätte jeden Besucher, den er in diesem Geschäft
bediente, zu seinem Freund machen können und sich in eine Schlüsselperson
verwandeln können, weil diese Kunden gerne wiedergekommen wären, um
sich zuvorkommend und kompetent bedienen zu lassen. Durch seine kurzangebundene
und unwirsche Art erreichte er das Gegenteil.

………………………………………

Eines regnerischen Nachmittags betrat eine ältere Dame ein Kaufhaus in
Pittsburgh und schlenderte ziellos umher, so wie Leute das zu tun pflegen,
die eigentlich nichts kaufen wollen. Die meisten Verkäufer „übersahen“ sie
und beschäftigten sich weiterhin mit dem Aufräumen ihrer Warenbestände.
Einer der jungen Verkäufer bemerkte sie und sprach sie höflich an. Er erkundigte
sich, wie er ihr behilflich sein könne. Sie teilte ihm mit, dass sie nur darauf
warte, bis der Regen nachlasse und nichts Bestimmtes suche. Der junge
Mann bestätigte ihr, dass sie willkommen sei und nahm mit ihr ein Gespräch
auf, das der Dame das Gefühl gab, dass der Verkäufer auch meinte, was er
sagte. Als sie das Kaufhaus wieder verließ, begleitete er sie auf die Straße
und hielt den Regenschirm für sie auf. Sie bat um seine Karte und ging dann
ihres Weges.

Der junge Mann hatte diese Begebenheit bereits vergessen, als er eines
Tages zum Leiter des Unternehmens gerufen wurde. Dort zeigte ihm der
Kaufhauschef den Brief einer Dame, die einen Verkäufer für eine Reise nach
Schottland suchte, damit er dort Möbel für ihr Haus erstehe.

Diese Dame war die Mutter von Andrew Carnegie. Es war dieselbe Dame, die
der junge Mann vor vielen Monaten zur Straße begleitet hatte.

In diesem Brief führte Mrs. Carnegie aus, dass sie diesen jungen Mann
mit diesem Auftrag betrauen wollte. Es ging um eine beträchtliche Summe
Geldes, und dieser Vorfall brachte dem jungen Mann eine Gelegenheit, die er
wohl nie erhalten hätte, wäre er einer fremden alten Dame – die sich nicht wie
eine Kundin verhielt – gegenüber nicht überaus zuvorkommend und behilflich
gewesen.

So wie die Grundgesetze des Lebens in Alltagskleidern daherkommen und
kaum bemerkt werden, so verbergen sich auch die wirklichen Chancen häufig
hinter scheinbar nebensächlichen Begebenheiten.

Fragen Sie die nächstbesten zehn Leute, warum sie nicht mehr aus ihrem
Leben gemacht haben und mindestens neun werden Ihnen vorheulen, dass
ihnen das Leben keine Chancen gegeben hätte.

Gehen Sie einen Schritt weiter und analysieren Sie diese neun Personen genau,
indem Sie ihr Tun einen ganzen Tag lang beobachten – Sie werden dann feststellen,
dass jede dieser Personen eine Stunde um die andere eine neue Chance vertut.

Ich besuchte einmal einen Freund, der als Akquisiteur mit einer Handelsschule
zu tun hatte. Als ich ihn mich nach seinem Befinden erkundigte, sagte er
mir: „Es ist alles wie verhext. Ich mache eine Menge Besuche, aber finde nicht genügend
Teilnehmer, um anständig leben zu können. Ich denke, dass ich mit dieser Schule nicht
weiterkomme; dort ist es aussichtslos“.

Ich hatte gerade zehn Tage frei, die ich nutzen konnte, wie es mir beliebte.
Also nahm ich seine Bemerkung als Herausforderung an und sagte ihm, dass
ich seine Position innerhalb einer Woche in 250 Dollar verwandeln könne.
Soviel könne er auch danach Woche für Woche verdienen. Er sah mich verdutzt
an und frage nach, ob ich wohl einen Witz mache. Als ich ihn endlich
davon überzeugt hatte, dass es mir ernst war, wollte er wissen, wie ich dieses
„Wunder“ vollbringen wollte.

Ich fragte ihn, ob er jemals twas vom organisierten Energieeinsatz gehörte
habe. „Organisierter Energieeinsatz, was soll das denn sein?“ bellte er zurück. Ich
erklärte ihm, dass ich damit die Bündelung seiner Bemühungen in einer Art
und Weise meinte, so dass er fünf bis zehn Kursteilnehmer mit demselben
Aufwand matrikulieren würde, den er jetzt für die Anheuerung von einem –
oder keinem – Studenten aufwende. Er erklärte sich bereit, sich meine Vorgehensweise
zeigen zu lassen, also wies ich ihn an, dass er veranlassen sollte,
dass ich vor den Angestellten eines örtlichen Kaufhauses sprechen könne.
Das arrangierte er und ich hielt meine Rede. In diesem Vortrag stellte ich
einen Plan vor, in dem ich beschrieb, wie die Mitarbeiter dieses Kaufhauses
nicht nur ihr Verdienstpotenzial erhöhen könnten, sondern ihnen auch eine
Gelegenheit aufzeigte, wie sie mehr Verantwortung und bessere Positionen
erreichen könnten. Nach meiner Ansprache schrieben sich acht dieser Mitarbeiter
bei meinem Freund zu Abendkursen in der Handelsschule ein – und
das war ja auch der Hintergedanke für diese Vorstellung.

Am nächsten Abend buchte er mir eine ähnliche Vorstellung vor den Bediensten
einer Wäscherei. Diesmal schrieben sich drei Abendschüler ein,
zwei davon junge Frauen, die an den Waschmaschinen die härteste Arbeit
verrichteten.

Zwei Tage darauf sprach ich durch seine Vermittlung bei einer der örtlichen
Banken. Diesmal konnte er weitere vier Studenten gewinnen. Insgesamt hatte
sich jetzt bereits fünfzehn neue Abendschüler eingeschrieben und der
zeitliche Aufwand hatte keine sechs Stunden betragen, eingerechnet meine
Vorträge und die Einschreibungen für die Neuzugänge.

Die Provision meines Freundes betrug hierfür etwas über vierhundert Dollar!

Diese Arbeitsplätze lagen im Umkreis von fünfzehn Gehminuten, aber mein
Freund war nie auf die Idee gekommen, diese Plätze als potenzielle Akquisitionsorte
zu betrachten. Er war ebenfalls nicht auf die Idee gekommen, sich
mit einem Sprecher zusammenzutun, der ihm beim Gruppenverkauf helfen
konnte. Mittlerweile gehört die Handelsschule ihm und sein Nettoeinkommen
belief sich letztes Jahr auf über zehntausend Dollar.

„Keine Chancen?“ Vielleicht kommen sie zu Ihnen und Sie übersehen sie? Vielleicht
erkennen Sie sie künftig, wenn Sie aufgrund dieses Kurses darauf vorbereitet
sind. Einheit sechs dieses Kurses befasste sich mit der Vorstellungskraft.
Das war der ausschlaggebende Faktor bei der soeben geschilderten
Transaktion.

S. 306

Fortsetzung folgt!