Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 9/6

Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 9/6

Sie können auch ein unnatürliches Lächeln einüben und sich einen festen Händedruck
angewöhnen, wenn diesen äußeren Attributen einer anziehenden
Persönlichkeit jedoch der wesentliche Faktor der ernstgemeinten Absicht abgeht,
werden diese Äußerlichkeiten nur das Gegenteil bewirken und andere
Menschen abstoßen.

Wie lässt sich nun ein Charakter bilden?

Der erste Schritt besteht in einer festen Selbstdisziplin:

Sowohl in Lektion zwei wie auch in Lektion acht dieses Kurses finden Sie eine
Formel, mit der Sie Ihrem Charakter jedes Muster einprägen können, für das
Sie sich entscheiden. Diese Formel wiederhole ich hier nochmals:

Erstens:

Überlegen Sie, welche Menschen bereits über die Charaktereigenschaften
verfügen, die Sie zum Bestandteil Ihres eigenen Charakters machen wollen.

Personen:

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Nachdem Sie sich für bestimmte Personen entschieden haben, gehen Sie so
vor, wie in Lektion zwei im Zusammenhang mit der Autosuggestion beschrieben:

Schaffen Sie in Ihrer Vorstellung einen Besprechungstisch und versammeln
Sie diese Vorbilder jeden Abend um diesen Tisch, nachdem Sie zuerst eine
klare und prägnante Beschreibung der Eigenschaften verfasst haben, die Sie
von jedem dieser „geistigen Berater“ übernehmen wollen.

Person Eigenschaft

Person Eigenschaft

Person Eigenschaft

Person Eigenschaft

Person Eigenschaft

Person Eigenschaft

Person Eigenschaft

Dann suggerieren Sie sich die gewünschten Eigenschaften, indem Sie sie
hörbar aussprechen.
Schließen Sie dabei Ihre Augen und stellen Sie sich diese Menschen an Ihrem
Tisch sitzend vor, so wie in Lektion zwei beschrieben.

Zweitens:

Über das in Lektion acht beschriebene Prinzip der Selbstbeherrschung kontrollieren
und steuern Sie Ihre Gedanken und richten sie positiv aus. Sorgen
Sie dafür, dass der vorherrschende Gedanke ein Bild des Menschen ist, der
Sie sein wollen: der Mensch, der auf diese Weise bewusst für eine Charakterbildung
sorgt!

Schließen Sie täglich Ihre Augen mindestens ein Dutzend Mal – immer wenn
Sie ein paar Minuten erübrigen können – und lassen Sie vor Ihrem inneren
Auge die Personen erscheinen, die Sie um Ihren Beratertisch versammelt
haben. Dabei fühlen Sie sich zuversichtlich und mit einem Glauben, der keine
Beschränkung kennt, in die Situation hinein, dass Sie immer mehr zu dem
Menschen werden, der über die von Ihnen gewünschten Charaktereigenschaften
verfügt!

Drittens:

Finden Sie jeden Tag mindestens eine Person – nach Möglichkeit auch mehrere
– mit einer lobenswerten Eigenschaft und sprechen Sie dieser Person
hierfür Ihre Anerkennung aus!

Diese Anerkennung muss ernst gemeint sein und von Herzen kommen. Keine
plumpen oder unaufrichtigen Schmeicheleien! Sprechen Sie Ihr Lob so aus,
dass Sie damit die andere Person beeindrucken – dann warten Sie ab, was geschieht.

Dem anderen Menschen haben Sie damit in jedem Fall einen großen
Wert erwiesen und Sie selbst sind dem Ziel, bei anderen Menschen nach
guten Eigenschaften Ausschau zu halten, einen Schritt näher gekommen.

Die langfristige Wirkung dieser Gewohnheit der offenen und begeisterten
Bezeugung von Anerkennung wird Sie in Erstaunen versetzen. Sie werden
mehr Selbstachtung und ein ausgeprägteres Gefühl der Dankbarkeit entwickeln,
was Ihrer Persönlichkeit nachhaltig zugute kommt. Auch hier kommt
das Gesetz der Anziehung wieder zur Geltung und die Menschen, die Ihr Lob
und Ihre Anerkennung empfangen, werden in Ihnen die Eigenschaften sehen,
die Sie in ihnen sehen. Ihr Erfolg bei der Umsetzung dieser Formel wird sich
in genau dem Verhältnis einstellen, indem Sie an die Wirkung dieser Formel
glauben!

Glauben Sie nicht nur daran; gehen Sie mit absoluter Sicherheit davon aus!
Ich weiß, dass diese Formel wirkt, weil ich sie selbst mit großem Erfolg angewandt
habe und andere, die sich ihrer bedient haben, ebenfalls erstaunliche
Erfolge damit erzielt haben. Dies gibt mir das Recht, Ihnen Ihren Erfolg mit
derselben Sicherheit zu prophezeien.

Darüber hinaus können Sie mit Hilfe dieser Formel so rasch eine anziehende
Persönlichkeit aufbauen, dass Sie nicht nur sich, sondern Ihr gesamtes Umfeld
überraschen werden.

Diese Persönlichkeitsentwicklung hängt ausschließlich von Ihnen ab, eine Tatsache,
die Ihnen einen gewaltigen Vorsprung verschafft. Gleichzeitig bringt
diese Tatsache die Verantwortung mit sich, von diesem Vorrecht Gebrauch
zu machen oder es zu unterlassen.

Ich darf nun darauf eingehen, wieso Sie Ihre Affirmation laut aussprechen
sollten, damit Sie die gewünschten Charaktereigenschaften entwickeln, welche
Bestandteil Ihrer künftigen anziehenden Persönlichkeit sein werden.

Diese Vorgehensweise hat zwei wünschenswerte Folgen:

Erstens:

Sie setzt die Schwingung in Gang, über die der sich hinter Ihren Worten befindliche
Gedanke Ihr Unterbewusstsein erreicht und sich dort einprägt. Dort
fasst er gleichsam Wurzeln und wächst sich zur Triebkraft aus, die zu äußeren,
physischen Aktivitäten führt und den Gedanken in Wirklichkeit verwandelt.

Zweitens:

Sie entwickelt in Ihnen die Fähigkeit, kraftvoll und überzeugend zu sprechen,
was Ihnen mit der Zeit auch zugute kommt, wenn Sie in einem öffentlichen
Rahmen das Wort ergreifen.
Unabhängig von Ihrer beruflichen Tätigkeit sollten Sie in der Lage sein, Ihr
jeweiliges Anliegen überzeugend vorzutragen, da dies eine der wirksamsten
Möglichkeiten ist, eine anziehende Persönlichkeit zu entwickeln.

Legen Sie Gefühl und Nachdruck in Ihre Worte und entwickeln Sie eine tiefe
und angenehme Stimme. Falls Ihre Stimme dazu neigt, zu schrill zu klingen,
sollten Sie daran arbeiten, dass sie weich und freundlich klingt. Über eine
schroffe oder schrille Stimme können Sie keine anziehende Persönlichkeit
zum Ausdruck bringen. Sie müssen Ihre Stimme solange trainieren, bis sie
rhythmisch und für das Ohr angenehm wirkt.

Die freie Rede ist eine vorzügliche Methode, um Ihre Persönlichkeit zum Ausdruck
zu bringen. Aus diesem Grunde kann es Ihnen nur zum Vorteil gereichen,
einen aussagekräftigen und angenehmen Sprachstil zu entwickeln.

Mir ist keine einzige außergewöhnliche anziehende Persönlichkeit bekannt,
die sich nicht auch kraftvoll und überzeugend ausdrücken konnte. Studieren
Sie prominente Männer und Frauen und achten Sie darauf, wie überzeugend
sie sich ausdrücken.

In der Geschäftswelt, in der Industrie und in der Finanzwelt sind die bekanntesten
Führungspersönlichkeiten immer auch fähige Vortragsredner.

In der Tat kann niemand darauf hoffen, ein Vorreiter oder eine Führungspersönlichkeit
zu werden, der nicht auch gelernt hat, sich nachdrücklich und
überzeugend auszudrücken. Zwar wird der Verkäufer vielleicht nie eine öffentliche
Rede halten, wenn er sich in dieser Fähigkeit schult, wird sie ihm jedoch
sehr zugute kommen, weil er damit auch im Rahmen normaler Gespräche
überzeugender argumentieren kann.

Fassen wir nun die wesentlichen Faktoren zusammen, die für eine anziehende
Persönlichkeit eine Rolle spielen:

Fortsetzung folgt!

Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 9/4

Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 9/4

Dritter Bürger: „Meint ihr, Bürger? Ich fürchte, ein Schlimmerer kommt an
seine Stelle.“

Vierter Bürger: „Wenn dem so ist, so wird es manchem teuer zu stehen
kommen“.

Zweiter Bürger: „Ach, der arme Mann! Die Augen sind ihm feuerrot vom Weinen“

Dritter Bürger: „Anton ist der bravste Mann in Rom.“

Vierter Bürger: „Gebt acht! Er fängt von neuem an zu reden.“

Anton: Noch gestern hätte die Welt sich umsonst dem Worte Cäsars widersetzt,
nun liegt er da.
Und der Geringste neigt sich nicht vor ihm.
Oh Bürger! strebt ich, Herz und Mut in euch zur Wut und zur Empörung zu
entflammen, so tät ich Cassius und Brutus Unrecht, die ihr als ehrenwerte
Männer kennt.
Ich will nicht ihnen Unrecht tun, ich will lieber dem Toten Unrecht tun, mir
selbst und auch euch, als ehrenwerten Männern, wie ihr seid!“

(Man beachte, häufig Anton von „ehrenwerten“ Männern spricht. Geschickt
bringt er auch die Suggestion ins Spiel, dass Brutus und Cassius vielleicht
doch nicht so ehrenwert sind, wie die Bürger das annehmen. Zum ersten
Mal verwendet er jetzt solche Worte wie „Wut“ und „Empörung“ und wartete
dann erst ab, um die Reaktion der Bürger zu sehen. Achten Sie darauf, wie
sorgfältig er sich vorantastet und einen geistigen Rahmen für seine Zuhörer
schafft).

Anton: „Ich will nicht ihnen Unrecht tun, ich will lieber dem Toten Unrecht tun,
mir selbst und auch euch, als ehrenwerten Männern, wie ihr seid.“

(Er steuert auf einen Hass gegenüber Brutus und Cassius zu; dabei appelliert
er an ihre Neugier und beginnt, den Weg zum Höhepunkt vorzubahnen. Er
weiß, dass dieser Höhepunkt das Volk dazu bringen wird, auf seine Seite zu
wechseln).

Anton: „Doch seht dieses Pergament mit Cäsars Siegel.
Ich fand es bei ihm, es ist sein letzter Wille.
Vernähme nun das Volk dieses Testament,
das ich – verzeiht mir – nicht zu lesen denke,
sie gingen hin und küssten Cäsars Wunden.
Sie tauchten Tücher in sein heiliges Blut.
Ja, sie bäten um ein Haar zum Angedenken.
Und sterbend nennten sie‘s im Testament
und hinterließen es ihres Leibes Erben
zum köstlichen Vermächtnis.“

(Die menschliche Natur will immer das, was schwer zu kriegen ist oder was
ihr vorenthalten wird. Beachten Sie, wie geschickt Anton das Interesse des
Volkes erweckt hat. Es will jetzt, dass er das Testament vorliest. Anton bereitet
die Bürger darauf vor, dass sie ihm aufmerksam zuhören. Das ist der
zweite Schritt in der „Neutralisierung“ der Bewusstseine der Zuhörerschaft).

Alle: „Wir wollen‘s hören. Lest das Testament! Lest, Mark Anton!“

Anton: „Seid ruhig, liebe Freunde! Ich darf‘s nicht lesen.
Ihr müsst nicht wissen, wie euch Cäsar liebte.
Ihr seid nicht Holz, nicht Stein, ihr seid ja Menschen.
Darum, wenn ihr von Cäsars Testament erführt, setzte es euch in Flammen.
Es macht‘ euch rasend.
Ihr dürft nicht wissen, dass ihr ihn beerbt.
Denn wüsstet ihr‘s, was würde daraus entstehen?“

Bürger: „Lest das Testament! Wir wollen‘s hören, Mark Anton!
Ihr müsst es lesen, Cäsars Testament“.

Anton: „Wollt ihr euch wohl gedulden?
Wollt ihr warten?
Ich übereilte mich, indem ich‘s euch sagte.
Ich fürchte, ich trete den ehrenwerten Männern zu nah,
die Cäsar erdolchten
Ich fürchte es.“

Vierter Bürger: „Das Testament! Das Testament!“

(„erdolchen“ weckt Assoziationen von Meuchelmord. Man beachte, wie geschickt
Anton diese Suggestion in seine Rede einfließen lässt und wie rasch
sie von den Bürgern aufgenommen wird. Die Bürger wissen natürlich nicht,
dass Anton ihre Bewusstseine auf die Aufnahme dieser Suggestion vorbereitet
hat).

Vierter Bürger: „Sie waren Verräter, ehrenwerte Männer!“

Alle Bürger: „Das Testament! Das Testament“

Zweiter Bürger: „Sie waren Bösewichter, Mörder! Das Testament!
Lest das Testament!“

(Damit sprachen sie Anton aus dem Munde. Dies hätte er gleich zu Anfang
sagen können, doch er wusste, dass es eine größere Wirkung haben würde,
wenn er diesen Gedanken in die Bewusstseine der Bürger einpflanzte und sie
selbst es aussprachen).

Anton: „So zwingt ihr mich, das Testament zu lesen?
Schließt einen Kreis um Cäsars Leiche, denn ich zeige euch den,
der euch zu Erben machte.
Erlaubt ihr mir‘s?
Soll ich hinuntersteigen?“

(An dieser Stelle hätte sich Brutus nach dem Notausgang umsehen sollen).

Alle Bürger: „Ja, komm nur!“

Zweiter Bürger: „Steig herab!“

Dritter Bürger: „Das ist euch gern erlaubt“.

Anton: „Nein, drängt nicht so heran. Steht weiter weg“.

(Er wusste, dass dieser Hinweis den Wunsch auslösen würde, näher heranzukommen).

Alle Bürger: „Zurück! Platz da! Zurück!“

Anton: „Sofern ihr Tränen habt, so bereitet euch vor, sie jetzt zu vergießen.
Diesen Mantel, ihr kennt ihn alle.
Ich erinnere mich noch an das erste Mal, als ihn Cäsar trug in seinem Zelt,
an einem Sommerabend.
Es war der Tag, als er die Nevier überwand.
Hier schaut! Hier fuhr des Cassius Dolch hinein.
Seht, welchen Riss der tückische Casca machte!
Hier stieß der vielgeliebte Brutus durch.
Und als er den verfluchten Stahl hinwegriß,
schaut her, wie ihm das Blut des Cäsar folgte,
als er vor der Türe stürzte, um zu erfahren,
ob wirklich Brutus so unfreundlich klopfte.
Denn Brutus, wie ihr wisst, war Cäsars Engel.
Ihr Götter, urteilt, wie ihn Cäser liebte!
Kein Stich von allen schmerzte so wie der.
Denn als der edle Cäsar Brutus sah, warf Undank,
stärker als Verräterwaffen, ihn ganz nieder.
Da brach sein großes Herz
und in dem Mantel sein Gesicht verhüllend,
grad am Gestell der Säule des Pompeijus,
von der das Blut rann, fiel der große Cäsar.
Oh meine Bürger, welche ein Fall war das!
Da fielet ihr und ich, wir alle fielen
und über uns frohlockte die blutige Tücke.
Oh ja, nun weinet ihr, und ich merk, ihr fühlt den Drang des Mitleids,
dies sind milde Tropfen.
Wie?
Weint ihr, gute Herzen, seht ihr gleich nur unseres Cäsars Kleid verletzt?
Schaut her!
Hier ist er selbst, geschändet von Verrätern“

.(Anton gebraucht das Wort „Verräter“ nun ganz offen, weil er weiß, dass es
sich im Einklang mit dem Denken der Römer befindet).

Erster Bürger: „Welch klägliches Schauspiel!“

Zweiter Bürger: „Oh edler Cäsar!“

Dritter Bürger: „Oh jammervoller Tag!“

Vierter Bürger: „Oh Schurken und Verräter!“

Erster Bürger: „Welch blutiger Anblick!“

Zweiter Bürger: „Wir wollen Rache! Rache! Auf und sucht!
Sengt! Brennt! Schlagt! Mordet! Lasst nicht einen leben!“

(Wenn Brutus ein kluger Mann und kein Prahlhans gewesen wäre, befände er
sich jetzt bereits in weiter Ferne).

S. 370

Fortsetzung folgt!

Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 8/5

Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 8/5

Marshall Field war vermutlich der führende Kaufmann seiner Zeit und das
große Kaufhaus in Chicago, das seinen Namen trägt, ist ein Monument für
die Richtigkeit des Gesetzes der zunehmenden Rendite.
Eine Kundin erstand bei Field eine teuere Weste, trug sie aber nicht. Zwei
Jahre später schenkte sie sie ihrer Nichte zur Hochzeit. Die Nichte gab die
Weste stillschweigend wieder bei Field zurück und tauschte sie gegen eine
andere Ware um, obwohl die Weste mittlerweile zwei Jahre alt war und nicht
mehr der aktuellen Mode entsprach.
Field nahm die Weste nicht nur zurück, sondern – was noch wichtiger ist –
stellte keine weiteren Fragen!
Natürlich war das Kaufhaus weder gesetzlich noch moralisch zur Rücknahme
einer veralteten Weste verpflichtet; dies macht die Transaktion jedoch
nur noch bedeutender.
Die Weste kostete ursprünglich fünfzig Dollar. Natürlich musste sie auf den
Ausverkauftisch gelegt werden und das Kaufhaus musste sich mit dem Preis
zufrieden geben, den eine andere Kundin dafür eventuell zu zahlen bereit war.
Der intelligente Student der menschlichen Natur wird jedoch verstehen, dass
das Kaufhaus nicht nur nichts verlor, sondern sogar noch einen Gewinn bei
dieser Transaktion machte. In Dollar und Cent lässt sich dieser Gewinn nicht
ausdrücken.
Die Frau, die die Weste zurückgab, wusste, dass sie keinen Anspruch auf einen
Rabatt hatte. Als das Kaufhaus ihr etwas gab, worauf sie keinen Anspruch
hatte, gewann es damit eine Stammkundin. Doch damit nicht genug. Denn die
Frau erzählte diese Begebenheit herum und schwärmte von der „fairen Behandlung“,
die man ihr angedeihen hat lassen. Eine Reihe von Frauen redete
tagelang darüber – und das Kaufhaus erhielt zehnmal mehr Werbung als die
Weste wert war.
Der Erfolg des Kaufhauses beruhte größtenteils darauf, dass Marshall Field
das Gesetz der zunehmenden Rendite verstand. Nicht zuletzt deshalb stammt
von ihm der Spruch: „Der Kunde hat immer recht!“
Wenn Sie nur das tun, wofür Sie bezahlt werden, gibt es nichts Außergewöhnliches,
was sich über Ihre Arbeit sagen ließe. Wenn Sie aber von sich
aus mehr tun, als von Ihnen erwartet wird, zieht Ihr Verhalten die Aufmerksamkeit
aller übrigen Personen, die an einer Transaktion beteiligt sind, positiv
auf sich. Auf diese Weise schaffen Sie sich einen Ruf, der letztendlich das
Gesetz der zunehmenden Rendite auslösen wird, denn dieser Ruf wird eine
große Nachfrage nach Ihren Leistungen oder Angeboten schaffen.

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Carol Downes war beim Automobilhersteller W. C. Durant in einer untergeordneten
Position beschäftigt. Heute ist er Mr. Durants rechte Hand und
Präsident eines seiner Autohandelsunternehmen. Er sorgte für diesen Aufstieg,
indem er sich des Gesetzes der zunehmenden Rendite bediente und
mehr und bessere Leistungen erbrachte als nur die, die von ihm erwartet
wurden.

„Als ich bei Mr. Durant anfing“, berichtete er mir „fiel mir auf, dass er immer
sehr lange im Büro blieb, nachdem die anderen bereits alle nach Hause
gegangen waren. Eines Tages blieb ich ebenfalls noch nach der üblichen
Arbeitszeit im Büro. Niemand hatte mich darum gebeten, aber ich dachte
mir, jemand sollte Mr. Durant zur Hand gehen, falls er Hilfe brauchen sollte.
Vielleicht könnte ich ihm eine Akte bringen oder mich anderweitig nützlich
zeigen. Mit der Zeit hatte sich Mr. Durant daran gewöhnt, dass ich zur Stelle
war und rief mich zu sich, wenn er etwas brauchte. Das ist so ziemlich alles,
was ich dazu sagen kann“.

„Er hatte sich daran gewöhnt, dass ich zur Stelle war!“

Lesen Sie diesen Satz nochmals und denken Sie über seine Aussage nach!
Wieso hatte sich Mr. Durant daran gewöhnt, Mr. Downes zu rufen?
Weil sich Mr. Downes vorgenommen hatte, zur Stelle zu sein. Er war für Mr.
Durant sichtbar. Er begab sich absichtlich in eine Position, in der er eine Leistung
erbringen oder einen Dienst erweisen konnte, so dass das Gesetz der
zunehmenden Rendite wieder auf ihn zurückfallen musste.
Wurde ihm das aufgetragen? Nein!
Wurde er dafür bezahlt? Ja!
Er wurde dafür bezahlt, indem er die Gelegenheit erhielt, die Aufmerksamkeit
eines Mannes auf sich zu ziehen, in dessen Macht es stand, ihn zu befördern.

Wir gelangen jetzt zum wichtigsten Teil dieser Lektion, weil Sie das Gesetz
der zunehmenden Rendite ebenso nutzen können, wie Mr. Downes dies tat
und weil Sie dieses Gesetz exakt auf dieselbe Weise anwenden können, wie er
es tat, nämlich, indem Sie zur Stelle sind und Ihre Dienste freiwillig anbieten,
wo andere dies nicht tun, weil sie dafür nicht bezahlt werden!

Stopp!
Verfallen Sie jetzt nicht in die ausgeleierte Ausrede, die den meisten jetzt in
den Sinn kommt: „Aber mein Chef ist anders, bei dem funktioniert das nicht“. Denken
Sie nicht einmal daran!
Natürlich ist er anders. Jeder ist anders – aber in vielem sind wir Menschen
auch gleich. Ein Punkt, bei dem alle Menschen gleich sind, ist, dass wir alle ein
bisschen eigennützig sind, zumindest eigennützig genug, um einen Mann wie
Carol Downes nicht zur Konkurrenz ziehen zu lassen. Und diese Eigenützigkeit
kommt Ihnen zugute, falls …
Sie sich so nützlich machen können, dass der Mensch, dem Sie Ihre Leistungen
anbieten wollen, ohne Sie nicht mehr auskommen kann!
Eine der lukrativsten Beförderungen, die mir je zuteil wurden, verdanke ich
einem Vorfall, der so unbedeutend schien, dass er kaum erwähnenswert ist.
Eines Samstag-Nachmittags kam ein Anwalt, dessen Kanzlei sich auf demselben
Stockwerk befand, wie das Büro meines Arbeitgebers, und wollte wissen,
wo er einen Stenographen finden könne, weil er an diesem Nachmittag
noch einige Schriftstücke diktieren müsse.

Ich sagte ihm, dass unsere Stenographen bereits zum Baseballspielen gegangen
seien und dass ich ebenfalls bereits weg gewesen wäre, wenn er fünf
Minuten später erschienen wäre, aber ich würde mich freuen, ihm behilflich
sein zu dürfen, da ich mir ein Baseballspiel ja auch jeden anderen Tag ansehen
könne und seine Arbeit doch dringend wäre.

Ich erledigte die Arbeit für ihn und als er fragte, wieviel er mir schulde, sagte
ich „Oh, etwa tausend Dollar, weil‘s für Sie ist. Bei jemand anders würde ich
gar nichts verlangen“. Er lächelte und bedankte sich.
Natürlich hätte ich nicht im Traum daran gedacht, dass er mir für diese
Nachmittagsarbeit tausend Dollar bezahlt hätte – aber genau das tat er!
Sechs Monate später – ich hatte diesen Vorfall bereits vergessen – kam er
nochmals vorbei und fragte, wie hoch mein Gehalt sei. Ich antworte ihm wahrheitsgemäß
und er teilte mir mit, dass er mir die tausend Dollar bezahlen
würde, die ich spaßeshalber erwähnt hatte, als ich ihm vor einem halben Jahr
aushalf. Diese tausend Dollar bezahlte er mir, indem er mir eine Arbeitsstelle
bot, bei der ich tausend Dollar im Jahr mehr verdiente als bisher!
Unbewusst hatte ich an diesem besagten Nachmittag das Gesetz der zunehmenden
Rendite in Gang gebracht, indem ich auf ein Baseballspiel verzichtete
und einen Dienst erbrachte, der dem Wunsch entstand, einen Gefallen zu
tun und dem keine finanzielle Erwägungen zugrunde lagen.
Ich war keineswegs verpflichtet, meinen Samstag-Nachmittag zu „opfern“ –
es war mir ein Vergnügen!
Und es erwies sich als ein sehr lukratives Vergnügen, weil es mir eine verantwortungsvollere
und um tausend Dollar besser bezahlte Position verschaffte.
Auch Carol Downes war nicht verpflichtet, bei der Stelle zu sein und sich
nach dem üblichen Büroschluss noch in der Nähe seines Chefs aufzuhalten.
Er nahm sich das Recht und diese Recht brachte ihm innerhalb eines Jahres
größere Aufgaben und besseren Lohn als er in einem ganzen Berufsleben
hätte erreichen können, wenn er sich dieses Recht nicht genommen hätte.
Ich habe über fünfundzwanzig Jahre lang über dieses Vorrecht nachgedacht,
mehr und bessere Leistungen zu erbringen als nur die, die von mir erwartet
wurden, und meine Gedanken haben mich zu den Schluss geführt, dass eine
einzige Stunde unverlangter Extraleistungen mehr Rendite bringen kann
als die in der übrigen Zeit des Tages erbrachten Leistungen.
Das Gesetz der zunehmenden Rendite ist keineswegs meine Erfindung. Ich
nehme auch nicht für mich in Anspruch, dass ich das Prinzip unverlangter Extraleistungen
entdeckt hätte. Ich habe diese Erfolgsvoraussetzungen lediglich
nach jahrelanger sorgfältiger Beobachtung übernommen, genauso wie Sie
sie in Ihre Lebenspraxis übernehmen können, sobald Sie ihre Bedeutung und
ihren herausragenden Stellenwert verstanden haben.
Sie könnten die Eingliederung dieser Prinzipien in Ihren Alltag zum Beispiel bereits

jetzt beginnen, indem Sie ein Experiment versuchen, das Ihnen den Blick

für Fähigkeit schärft, von deren Existenz Sie vielleicht gar nichts wussten.

S. 343

Fortsetzung folgt!