Fluchtburg Finca Bayano: Stefan Mudry im Gespräch

Fluchtburg Finca Bayano: Stefan Mudry im Gespräch
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Fluchtburg Finca Bayano: Stefan Mudry im Gespräch
Fluchtburg Finca Bayano: Stefan Mudry im Gespräch
Veröffentlicht von: N8Waechteram: 26. November 2017in: Welt, N8Waechter.info, Systemkrise27 Kommentare
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Die Zeichen stehen auf Sturm, wie selbst US-Präsident Donald Trump höchstpersönlich Anfang Oktober zu verstehen gab, und von so manchem wird das Auswandern ins Ausland, die Flucht vor den uns möglicherweise allen zu erwartenden Umständen hierzulande, als eine Form der Sicherung seines Vermögens und Sicherstellung der Familienheils ins Auge gefasst. Die Frage ist, wohin soll man gehen und was ist zu erwarten, wenn man sich für eine Auswanderung entschieden hat?

Seit Beginn des Nachtwächters wird hier auf die Finca Bayano in Panama aufmerksam gemacht. Dieses kleine mittelamerikanische Land, mit seinen rund 4 Millionen Einwohnern, gilt allgemein als weitestgehend ruhig und sicher, zudem sind insbesondere Deutsche dort in der Regel gern gesehen.

Doch wie mögen die Umstände sich darstellen, wenn die systemischen Strukturen gefallen sind und die Karten neu gemischt werden? Stefan Mudry, Begründer der Finca Bayano, hat sich die Zeit genommen, einige Fragen zu beantworten.

»Stefan, Du gehst davon aus, dass Panama im Falle eines Falles sicherer ist als Europa. Gibt es keine Bedenken, dass die Panameños möglicherweise über Euch herfallen, sollte es eines Tages zu weltweiten Verwerfungen kommen? Wie steht es um Eure Sicherheit in Panama?«

»Schon lange mache ich mir Gedanken über die Zeit nach dem Tag X und was danach passieren wird. Dass ich als einziger Arbeitgeber Angestellte aus unserem Nachbardorf Garnadera beschäftige, ist zweifellos ein Bonus, aber es ist noch kein Grund anzunehmen, dass wir nach einem Crash hier in Sicherheit sein werden. Schließlich ist bekannt, wozu Menschen fähig sind, wenn es ums Überleben geht.

Abgesehen davon brauchen die Panameños keine Fremden, um Bananen zu pflanzen; das können sie auch alleine. Die Frage nach der Existenzberechtigung auf der Finca Bayano ist daher folgerichtig und die Antwort ist einfach:

Abgesehen von der Produktion von Gütern für unseren Eigenbedarf, müssen wir uns mit der Realisierung von Projekten befassen, die auch im Interesse der einheimischen Bevölkerung sind und ohne unsere Hilfe nicht realisiert werden könnten oder mit uns einfacher zu realisieren sind. Auf diese Weise wird unsere Anwesenheit nach dem Tag X ist auch zu ihrem Vorteil.

Mangels Information können sie sich nicht vorstellen, was ein Crash bedeutet und wären sie informiert, würden ihnen die Mittel fehlen, sich darauf vorzubereiten. Genau an dieser Stelle müssen wir ansetzen, denn diesbezüglich haben wir einen entscheidenden Vorteil: Wir wissen, was auf uns zukommt und wir verfügen über Mittel, um uns auf der Finca Bayano vorzubereiten.«

»Du gibst den Leuten Arbeit, was verdienen sie bei Dir und wie stellst Du Dir das Zusammenleben nach einem möglichen Crash vor?«

»Heute ist die Bezahlung meiner Arbeiter ein positiver Beitrag für das Dorf – sie verdienen etwa 450 Dollar pro Monat. Das klingt nach wenig, wer aber gut wirtschaftet, kann die Hälfte seines Einkommens sparen, vielen Europäern ist dies nicht mehr möglich.

Nach dem Crash gibt es möglicherweise kein Geld mehr, womit wir einen positiven Beitrag leisten könnten. Dann wird vielleicht mit Naturalien bezahlt oder es wird getauscht. Gelingt es uns, von unserem Wissen zu profitieren und entsprechende Vorbereitungen vor dem Tag X abzuschließen, können wir der Zeit danach entspannter entgegensehen.«

»Wie sieht es in der unmittelbaren Umgebung aus?»

»Unsere Nachbarn wohnen in ihren eigenen Häusern, haben ihren eigenen Garten mit Hühnern, die Grundversorgung im Gesundheitswesen ist kostenlos, Strom ist billig, Wasser umsonst und es gibt fast keine Autos. Wer nicht die Möglichkeit hat, in der Stadt zu arbeiten oder bevorzugt, auf dem Land zu bleiben, lebt sehr bescheiden.

Die ärmsten Panameños leben so, wie sich moderne Betrachter die Zeit nach dem “Game Over“ vorstellen: sie haben Lehmhütten ohne fließendes Wasser und ohne Strom, sie laufen barfuß und gehen selten zum Arzt, sie essen kaum Fleisch und haben kein Übergewicht. Sie besitzen ein kleines Stück Land, auf welchem sie fast alles produzieren, was sie brauchen. Daher ist ihre Fallhöhe nach dem Tag X wesentlich geringer, als die der Stadtbewohner, denn der Lebensstandard der Ärmsten kann nicht viel weiter fallen.

Gewisserweise ist es für uns ein Vorsprung, diese Szenen bereits heute beobachten zu können. Es ist erfreulich zu sehen, dass diese Menschen absolut friedlich sind, weil die natürlichen Voraussetzungen optimal sind: Das Klima erlaubt die ganzjährige Produktion von Nahrung und das Land ist dünn besiedelt. Daher gibt es keinen Grund für Auseinandersetzungen, die in erster Linie im Zusammenhang mit dem modernen Leben entstehen.

Herrscht in Panama City ein raues Klima in Bezug auf Kriminalität, so gibt es in unserer Gegend so gut wie keine Probleme. Es kommt schon mal vor, dass ein Huhn in einem fremden Kochtopf landet, schwere Verbechen sind in unserer Gegend jedoch kein Thema.

Wie es nach dem Tag X mit dem Transportwesen, Strom und anderen Errungenschaften der modernen Gesellschaft aussehen wird, bleibt abzuwarten. Möglicherweise werden Polizei und administrative Kräfte umstrukturiert oder nur eingeschränkt funktionieren. Insbesondere aus diesem Grund ist Harmonie mit der lokalen Bevölkerung die Grundvoraussetzung für unsere Zukunft.«

»Das ist mehr als naheliegend, doch womit rechtfertigst Du Eure Anwesenheit in Panama?«

»Da können wir in vielerlei Hinsicht tätig werden. In erster Linie geht es natürlich um den Anbau von Nahrungsmitteln. Weil nach einem Crash möglicherweise keine Importe mehr möglich sind, ist die Herstellung von landwirtschaftlichen Werkzeugen noch wichtiger, denn ohne sie ist die Produktion von Lebensmitteln undenkbar.

Ferner können wir mit zur Verfügung stehenden Maschinen und Werkzeugen auf der Basis unserer Kenntnisse Bekleidung und Baumaterialien herstellen. Je positiver sich der Einfluss der Finca Bayano auf die Lebensbedingungen der einheimischen Bevölkerung auswirkt, umso mehr verbessern wir unsere eigene Situation.«

»Wie steht es generell um die Lebensmittelversorgung in Panama und wie sehen Deine Planungen für die Finca in Sachen Autarkie aus?«

»Reis wird in Panama subventioniert und mit Hilfe von Chemikalien werden ausreichende Mengen von Lebensmitteln angebaut. Nach einem Crash werden Importe aber wahrscheinlich nicht mehr möglich sein und sollten chemische Düngemittel nicht mehr zur Verfügung stehen, könnte es auch in Panama bei der Produktion von Lebensmitteln zu Engpässen kommen. Eine Hungersnot ist jedoch nicht zu erwarten.

Spätestens, wenn es in Europa zu größeren Verwerfungen kommt, sollten wir die Finca Bayano soweit entwickelt haben, dass wir imstande sind, Lebensmittel an Einheimische zu verkaufen oder mit ihnen zu tauschen. In erster Linie denke ich dabei an Aquaponics-Anlagen, mit welchen Fisch und Gemüse mit verhältnismäßig geringen Wassermengen produziert werden können.

Eine ausgewogene Diät wird insbesondere in schlechten Zeiten eine wichtige Rolle spielen; Speiseöl möchte ich diesbezüglich hervorheben. Ab 2018 sollten wir im Stande sein, Öl aus Sonnenblumen und Erdnüssen herzustellen.

Zwar gibt es in Panama ausreichende Mengen von Agrarflächen, aber es wird Jahre dauern, bis sie sich von der chemischen Düngung erholt haben. Daher ist die schnelle Regenerierung der Böden nach dem Tag X eine der größten Herausforderungen.

Lebensmittelproduzenten, die den Bezug zur organischen Lebensmittelherstellung verloren haben, weil sie heutzutage nur mit Chemikalien konkurrenzfähig sind, müssen sich nach dem Tag X direkt umstellen und auf die wesentlich aufwendigeren Produktionsmethoden ihrer Großeltern zurückgreifen.

Zu diesem Zeitpunkt können wir einerseits unsere Erfahrungen mit der Verbesserung der Böden weitergeben und andererseits mit vielen tausenden Ablegern falscher Sonnenblumen (Heliopsis helianthoides) und Schilfgräser helfen, ausgelaugte Böden für den organischen Anbau wiederzubeleben. Beide Pflanzen gelten bei den Panameños als Unkraut und werden bekämpft. Mein Ziel hingegen ist es, die Menge dieser Mulchpflanzen zu verdoppeln, um zukünftig ausreichend Dünger in direkter Nähe aller Nutzpflanzen zur Verfügung zu haben. Mehr als 100.000 Mulchpflanzen gedeihen bereits auf der Finca Bayano.

Spätestens wenn weltweite Verwerfungen zu erwarten sind, müssen wir diesbezüglich die Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen suchen. Gelingt es uns rechtzeitig, die Verwaltung von unserer Methode der Regenerierung der Böden zu überzeugen, sind wir auf der sicheren Seite.

So rechtfertigen wir nicht nur unsere Existenz, sondern es besteht die berechtigte Hoffnung, dass wir noch fahren, wenn andere keinen Sprit mehr bekommen. Spätestens dann werden wir davon profitieren, die Finca Bayano seit Jahren organisch betrieben zu haben.«

»Die landwirtschaftlichen Nutzflächen werden doch auch für die Tierzucht benötigt. Wie sieht es diesbezüglich aus?«

»Bei der Fleischproduktion sind alle kommerziellen Nahrungsmittelproduzenten auf den Einsatz von Chemikalien angewiesen, denn nur auf diese Weise können sie sich auf dem Markt behaupten. Ein Kilo kommerzielles Huhn kostet etwas mehr zwei Dollar, wohingegen auf dem Land für die gleiche Menge halbwegs organisch produziertes Fleisch mindestens das Doppelte bezahlt werden muss.

Dennoch werden Hühner auch für vier Dollar das Kilo kaum verkauft, weil bei diesem Preis nichts zu verdienen ist. Ein echtes Bio-Huhn müsste schätzungsweise acht Dollar pro Kilo kosten – also das Vierfache eines normalen Huhns. Diesen Preis können und wollen Konsumenten jedoch nicht bezahlen. Einerseits fehlt ihnen dazu das Geld und andererseits gibt es noch zu wenige Verbraucher, die verstehen, woher ihre Allergien kommen.

“Bio“ ist gerade erst im Kommen und im Grunde nur in Panama City ein Thema. In den kommenden Jahren können wir mit unseren Produkten wesentlich dazu beitragen, das Bio-Angebot zu verbessern. Ferner können wir uns mit der Zucht der wichtigen Tiere befassen.

Darüberhinaus werden Lederwaren zu einem großen Teil importiert. Zwar werden in Panama jede Menge Kühe geschlachtet, aber das Leder wird lediglich zur Herstellung von Sätteln benutzt. Ein großer Teil der Häute, woraus hochwertige Lederwaren gemacht werden könnten, wird exportiert, wohingegen minderwertige Produkte importiert werden; China lässt grüßen.

Nach dem Tag X wird sich das ändern und es bleibt zu hoffen, dass wir uns rechtzeitig darauf einstellen können. Einerseits ist es zu früh, Maschinen für die Herstellung von Schuhen oder anderen Lederwaren zu importieren, denn unsere Produkte wären gegenüber chinesischer Billigware nicht konkurrenzfähig. Warten wir aber zu lange, wird es keine Maschinen mehr geben.«

»Klingt nach einer Zwickmühle. Den richtigen Zeitpunkt abzupassen, ist wohl hauptsächlich Glückssache. Aber ohne die richtigen Maschinen können doch auch keine Werkzeuge hergestellt werden?«

»Richtig, genau genommen sind Werkzeuge noch wichtiger als Tiere und Pflanzen, weil damit das Land kultiviert wird. Ein Leben ohne Machete ist nach dem Crash absolut undenkbar. Daher sollten wir im Stande sein, Werkzeuge aus Altmetallen herzustellen.

In Afrika wurde ich Zeuge, wie aus Motorhauben Kochtöpfe gemacht wurden. Das ist keine wirkliche Herausforderung, denn das Blech ist dünn, aber dennoch bedarf es gewisser Mindestvoraussetzungen wie spezieller Werkzeuge und einer Portion Phantasie, Altmetalle zu verarbeiten.

Vorübergehend wird es genügend Material geben, um Macheten, Mistgabeln und andere Werkzeuge zu schmieden. Darauf müssen wir uns jedoch vorbereiten, denn mit einem Lagerfeuer einen Löffel aus einer Kurbelwelle zu schmieden, ist ohne entsprechende Kenntnisse unmöglich.«

»Was könntet Ihr sonst noch leisten, mit den auf der Finca zur Verfügung stehenden Mitteln?«

»Wir könnten beispielsweise Heilpflanzen kultivieren, denn nach dem Tag X wird es wahrscheinlich zu Engpässen im Bereich konventioneller Medikamente kommen. Und wir können mit Backenbrechern Steinsplit herstellen, um Wege zu bauen. Ferner besteht die Möglichkeit, im Bereich der Wasserversorgung Brunnen zu graben, als auch Wasserpumpen und Staudämme zu bauen und vieles mehr.«

»Einen Aspekt in Sachen Sicherheit möchte ich gerne noch geklärt wissen. Wie sieht es mit der Verteidigung seines Hab und Gutes aus?«

»Ausländer mit einer Aufenthaltserlaubnis können in Panama einen Waffenschein beantragen. Mit der Erteilung ist es erlaubt, Feuerwaffen zu besitzen und zu tragen. Ich empfehle, einen Waffenschein direkt nach der Erteilung der Aufenthaltserlaubnis zu beantragen. Die Kosten belaufen sich auf 600 Dollar.

Sich verteidigen zu können, ist generell sinnvoll. Sich während schlechter Zeiten verteidigen zu können, ist umso sinnvoller. Dafür sollte eine Mindestausstattung zur Verfügung stehen, die zuerst einmal als Abschreckung dient, denn wir brauchen keine Waffen um anzugreifen, sondern um zu verhindern, dass wir angegriffen werden.

Ging auch ich früher davon aus, dass es nicht erstrebenswert ist, Waffen zu besitzen, so habe ich diese Meinung grundlegend revidiert. Schließlich sind die guten Zeiten vorbei und wer keine Feuerwaffen besitzt, wenn das Chaos ausbricht, hat entsprechend schlechtere Karten.

Wer verstanden hat, dass selbst die Sicherheit der letzten Jahrzehnte mit der Verschuldung finanziert wurde, versteht auch, dass es diese Sicherheit nicht mehr geben kann, sobald der Staat bankrott ist.«

»Vielen Dank für diese Einsichten, Stefan.«

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