Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 6/6

Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 6/6

Der schlagendste Beweis dafür, dass diese Analyse den Nagel auf den Kopf
trifft ist die Tatsache, dass der Brief von jedem Angeschriebenen beantwortet
wurde, obwohl es sich hierbei um Männer handelte, die man gemeinhin
als Geschäftsmänner bezeichnet, das heißt Leute, die im allgemeinen zu beschäftigt
sind, um solche Briefe zu beantworten.
Der Brief brachte nicht nur die gewünschte Reaktion, sondern mit einer einzigen
Ausnahme – Theodore Roosevelt, der über einen Sekretär antworten
ließ – antworteten die angeschriebenen Männer alle persönlich.

John Wanamaker und Frank A. Vanderlip schrieben mir zwei der schönsten
Briefe, die ich je gelesen habe, jeder für sich ein Meisterwerk.
Andrew Carnegie schrieb mir ebenfalls einige Zeilen, die jedem, der persönliche
Dienste erbringen will, wertvolle Ratschläge vermittelte.
William Jennings Bryan und der verstorbene Lord Northcliffe antworteten
ebenfalls auf vorzügliche Weise.

Keine dieser angeschriebenen Personen wollte mir lediglich einen Gefallen erweisen,
denn mit Ausnahme von vier Herren war ich für sie ein Unbekannter.
Sie wollen nicht mir eine Freude machen, sondern sich selbst – sie schrieben
um ihretwillen, nicht um meintwillen. Die Formulierungen in diesem Brief mögen
ihren Anteil gehabt haben, ich darf jedoch auch hinzufügen, dass diese
Herren – und viele weitere – allesamt gerne einen Dienst erweisen, wenn sie
auf die richtige Weise angesprochen werden.

Das menschliche Bewusstsein ist ein wundersamer Mechanismus!

Eines seiner herausragendsten Merkmale besteht darin, dass sämtliche Eindrücke,
die zu ihm gelangen – sei es über den Weg äußerer Suggestionen
oder über die Autosuggestion – in Gruppen aufgezeichnet werden, die miteinander
harmonieren. Die negativen Suggestionen werden allesamt in einem
Bereich des Gehirns abgelegt, während die positiven Eindrücke in einem
anderen Bereich gespeichert werden. Wenn einer dieser Eindrücke (oder
vergangenen Erfahrungen) über das Erinnerungsvermögen wieder in das Tagesbewusstsein
geholt wird, besteht die Tendenz, dass beim Aufruf dieses
Eindrucks auch ähnlich geartete Eindrücke mit aufgerufen werden, vergleichbar
mit dem Anheben eines Kettenglieds, bei dem Sie gleichzeitig auch weitere
Glieder mit hochheben.

So reicht zum Beispiel alles, das ein Gefühl des Zweifels auslöst, aus, um im
Gefolge alle Erfahrungen ins Gedächtnis zu rufen, die den Menschen zum
Zweifeln brachten. Falls ein Mann von einem Fremden einen Scheck erhält,
fallen ihm sofort ungedeckte Schecks ein, selbst dann, wer er selbst damit
keine negativen Erfahrungen hatte, sondern ein Freund von ihm. Über das Gesetz
der Assoziation werden alle ähnlich gelagerten Gefühle, Erfahrungen und
Sinneseindrücke, die sein Bewusstsein erreichen, als Gruppe abgespeichert,
so dass der Aufruf eines einziges Erlebnisses bereits genügt, um sämtliche
damit verbundenen Eindrücke wieder ins Tagesbewusstsein zu befördern.

Wird im Bewusstsein eines Menschen ein Gefühl des Misstrauens ausgelöst,
so entsteht die Tendenz, dass jede Zweifel auslösende Erfahrung, die
dieser Mensch bisher hatte, an die Oberfläche gelangt. Aus diesem Grunde
bemühen sich erfolgreiche Verkäufer darum, keine Themen anzusprechen,
die beim Käufer eine Kette von Zweifelseindrücken auslösen könnten, auch
wenn sie mit dem Verkaufsgegenstand gar nichts zu tun haben.

Der erfolgreiche Verkäufer, Vertreter oder Handlungsreisende lernt sehr
bald, dass das „Niedermachen“ eines Mitbewerbers oder eines Konkurrenzprodukts
im Bewusstsein des potenziellen Käufers negative Gefühle auslöst,
die aus bisherigen Erfahrungen herrühren, und es dem Verkäufer unmöglich
machen, das Bewusstsein des Interessenten zu neutralisieren.

Dieses Prinzip trifft auf jeden Sinneseindruck zu, der im menschlichen Bewusstsein
angesiedelt ist. Nehmen wir als Beispiel das Gefühl der Angst. Sobald
wir auch nur einer einzigen Gefühlsregung, die mit der Angst zu tun hat,
erlauben, sich zum Tagesbewusstsein vorzudrängen, ruft sie ihre unseligen
Verwandten mit herbei. Solange sich die Angst im Tagesbewusstsein aufhält,
kann sich das Gefühl des Mutes keinen Zutritt verschaffen. Die Herrschaft
gehört entweder dem einen oder dem anderen.

Sie sehen daran, dass die aus der Vergangenheit herrührenden Gefühle, Gedanken
und Regungen, die um die Aufmerksamkeit des Tagesbewusstseins
buhlen, von einer regelrechten Armee hilfsbereiter gleichrangiger Soldaten
unterstützt werden, die diese Anwandlungen nachhaltig unterstützen.

Sorgen Sie dafür, dass Sie mit voller Absicht über das Prinzip der Autosuggestion
den Ehrgeiz in Ihr Bewusstsein pflanzen, mit Hilfe eines zentralen
Ziels zu Erfolg zu gelangen und achten Sie darauf, wie rasch all Ihre brach
liegenden und unentwickelten Fähigkeiten angeregt werden und Sie zur Tat
drängen.

Sie brauchen nur einem Buben über das Prinzip der Suggestion den Ehrgeiz
einpflanzen, ein erfolgreicher Rechtsanwalt, Arzt, Ingenieur, Geschäftsmann
oder Finanzberater zu werden und wenn Sie diese Suggestion über die Wiederholung
tief genug verankern und dort behalten, wird dieser Bub beginnen,
sich auf die Verwirklichung dieses Ehrgeizes zuzubewegen.

Um eine Suggestion „tief“ zu verankern, muss sie großzügig mit Begeisterung
gewürzt werden. Denn die Begeisterung ist der Dünger, der für ein
rasches Wachstum und für Dauerhaftigkeit sorgt.

Als dieser gütige ältere Herr mir die Suggestion einpflanzte, dass ich ein „heller
Junge“ sei und dass ich meinen Weg in der Welt machen könne, wenn ich
mich um die entsprechende Bildung sorgte, war es nicht so sehr das, was er
sagte, sondern wie er es sagte, das auf mich einen tiefen und dauernhaften
Eindruck hinterlassen hat. Die Art, wie er mich an den Schultern packte und
mir zuversichtlich in die Augen blickte, grub sich so tief in mein Unterbewusstsein
ein, dass ich keine Ruhe mehr gab, bis ich die entsprechenden Schritte
eingeleitet hatte, die zur Erfüllung dieser Suggestion führten.

Dies ist ein Punkt, den ich mit allem Nachdruck herausstreichen möchte:

Es geht nicht so sehr darum, was Sie sagen; ein dauerhafter Eindruck entsteht
durch den Ton Ihrer Stimme und die Art, in der Sie es sagen!

Daraus ergibt sich zwangsläufig, dass das betreffende Anliegen auf Ehrlichkeit
und Ernsthaftigkeit beruhen muss, falls es einen dauerhaften Eindruck
hinterlassen soll.

Wenn Sie andere von etwas überzeugen wollen, müssen Sie zunächst selbst
davon überzeugt sein!

Vor nicht langer Zeit wurde ich von einem Vertreter der mexikanischen Regierung
angesprochen, der meine Dienste als Propagandatexter für die damals
im Amt befindliche Administration erbat. Er richtete sich etwa mit folgenden
Worten an mich:

„Da Sie eine Reputation als Exponent der Philosophie der Goldenen
Regel genießen und in den gesamten Vereinigten Staaten als unabhängiger
Schriftsteller bekannt sind, der nicht an eine politische Fraktion
gebunden ist, dürfen wir Sie einladen, nach Mexiko zu kommen,
die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse unseres Landes zu
studieren und dann wieder in die Vereinigten Staaten zurück zu reisen,
um in den Zeitungen eine Reihe von Artikeln zu verfassen, die dem
amerikanischen Volk die unverzügliche Anerkennung Mexikos durch die
Regierung der Vereinigten Staaten nahelegt …“

Für diese Arbeit bot man mir mehr Geld als ich wahrscheinlich in meinem
ganzen Leben verdienen werde. Dennoch lehnte ich diesen Auftag ab. Der
Grund wird nur demjenigen einleuchten, der das Prinzip versteht, wonach
andere nur von dem überzeugt werden können, wovor man selbst überzeugt
ist.

Es wäre mir unmöglich, den Fall Mexiko überzeugend darzustellen, schlichtweg
deshalb, weil ich nicht hinter der Sache stünde. Aus diesem Grunde
könnte ich keine Begeisterung einbringen und müsste mein Talent prostituieren.

Wer mit dem Prinzip der Autosuggestion bereits eingehend vertraut ist, wird
keine weiteren Ausführungen mehr zu diesem Thema benötigen; wer dies
nicht ist, wird es auch trotz langschweifender Erklärungen nicht verstehen.

Niemand kann es sich erlauben, durch Wort oder Tat etwas zum Ausdruck
zu bringen, hinter dem er nicht steht. Wenn er es dennoch tut,
zahlt er einen Preis dafür. Dieser Preis besteht in der Einbuße seiner
Überzeugungskraft.

Die vorhergehende Aussage ist von eminenter Wichtigkeit, lesen Sie sich ruhig
nochmals Wort für Wort durch! Denn das Nichtverständnis des dahinterstehenden
Prinzip ist der Fels, an dem das zentrale Ziel allzu vieler bereits
für immer zerschellt ist.

Ich glaube nicht, dass ich es mir nicht leisten kann, jemand etwas vorzugaukeln
– ich weiß, dass ich es mir nicht leisten kann. Es würde meine Aussagen
nichtig machen. Nur wenn ich mit dem Feuer der Begeisterung schreibe,
kann ich einen positiven Einfluss auf andere hinterlassen und nur wenn ich
aus der Inbrunst meines Herzen spreche und an meine Botschaft glaube,
wird meine Zuhörerschaft die Botschaft aufgreifen.

Lesen Sie den obigen Absatz deshalb nochmals. Ja, lernen Sie ihn auswendig!
Schreiben Sie ihn auf, damit er ihnen zur Richtschnur werde, die ebenso
unabänderlich zu befolgen ist wie das Gesetz der Schwerkraft. Denn die Missachtung
dieses Prinzips kann Ihr Lebenswerk nur vereiteln!

Fortsetzung folgt!