Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 5/9

Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 5/9

Ein guten Tag, mein Herr. Ich freue mich, dass ich Sie kennen lernen durfte“.
Dann verbeugte er sich und ohne dem Leiter der Trambahngesellschaft die
Chance zu geben, ja oder nein zu sagen, entfernte er sich wieder.
Der Millionär hatte praktisch keine Chance, sich überhaupt zu äußern. Dr.
Harper führte die ganze Zeit über das Wort. Er ging nur deshalb in das Büro,
um den Samen zu setzen und ging davon aus, dass dieser keimen und zur
rechten Zeit aufgehen würde.
Seine Vermutung war nicht unbegründet. Er war kaum wieder in der Universität,
als das Telefon klingelte. Der Anrufer war der Leiter der Trambahngesellschaft.
Er bat um einen Termin mit Dr. Harper, was ihm selbstverständlich
gewährt wurde, und die beiden Herren trafen sich am darauffolgenden Morgen
in Dr. Harpers Büro. Eine Stunde später wurde ihm der Scheck über eine
Million Dollar ausgestellt.
Obwohl Dr. Harper ein kleiner und eher unscheinbarer Mann war, sagt man
ihm nach, dass er „etwas an sich hatte, um alles zu erreichen, was er sich
vorgenommen hatte“.
Was war dieses „Etwas“?
Es war nichts anderes als dass er die Macht des Vorstellungsvermögens
verstanden hatte. Nehmen wir einmal an, er wäre bei der Vorzimmerdame
vorstellig geworden und hätte um einen Termin gebeten. Zwischen diesem ersten
Besuch bei der Trambahngesellschaft und dem tatsächlichen Gespräch
mit dem Leiter wäre genügend Zeit verstrichen, damit dieser den wahren Beweggrund
herausfinden und sich auch eine logische Ausrede für eine Absage
hätte einfallen lassen können.
Nehmen wir weiterhin an, dass er sein Gespräch etwa wie folgt begonnen
hätte:
„Die Universität benötigt dringend Finanzmittel und ich bin hier, um Ihre Unterstützung
zu erbitten. Sie haben sehr viel Geld verdient und schulden der Gemeinschaft, in der Sie
leben, einen gewissen Anteil. Wenn Sie mir eine Million Dollar geben, bringen wir Ihren
Namen an der neuen Halle an, die wir bauen wollen“.

Wie hätte wohl das Ergebnis ausgesehen?
Zunächst hätte es kein Motiv gegeben, das für den Straßenbahnleiter attraktiv
genug gewesen wäre. Auch wenn es der Wahrheit entsprochen haben
mag, dass er der Gesellschaft etwas schuldete, würde er dies dennoch nicht
zugegeben haben. Zum anderen hätte er sich in der Offensive befunden und
diese Position ausgekostet.
Aber Dr. Harper ließ sich auf eine solche Situation nicht ein.
Er brachte den Straßenbahnleiter zunächst in die Defensive, indem er ihm
mitteilte, dass Harper nicht garantieren könne, dass sein Gremium das Geld
akzeptieren und dass es die Halle nach dem Spender benennen würde.

Danach verstärkte er den Wunsch des Straßenbahnleiters, dass diese Halle
nach ihm benannt würde, indem er seinen Feind und Wettbewerber als
möglichen Günstling ins Spiel brachte. Und Dr. Harper wusste auch, dass
eine der größten Schwächen des Menschen darin besteht, dass er seinen
Namen verewigt haben möchte.
All das verlangte die praktische Umsetzung des Gesetzes der Vorstellungskraft.
Dr. Harper war ein Verkäufer ersten Ranges. Wenn er jemanden um Geld
bat, ebnete er immer den Weg zum Erfolg, indem er dem Angesprochenen
einen guten Grund nannte, warum dieser Geld spenden sollte. Ein solcher
Grund musste den Vorteil herausstreichen, den der Spender daraus haben
würde. Oft war dies ein geschäftlicher Vorteil. Ein anderes Mal die Tatsache,
dass der Name des Spenders weiterleben würde. Aber immer ging Dr. Harper
bei seiner Geldsuche nach einem Plan vor, den er sorgfältig ausgearbeitet
hatte und den er mit Hilfe seiner Vorstellungskraft ausgeschmückt und
geglättet hatte.
Während sich die hier vorgestellte Erfolgsphilosophie noch in den „Kinderschuhen“
befand – lange, bevor sie in die Form eines systematischen Kurses
gekleidet worden war – hielt der Verfasser einmal in einer Kleinstadt in Illinonois
einen Vortrag über dieses Thema.
Im Publikum befand sich ein junger Lebensversicherungsvertreter, der erst
vor kurzem zu dieser Branche gestoßen war. Nachdem er meine Ausführungen
über die Vorstellungskraft gehört hatte, fing er an, diese Information
auf sein Problem zu übertragen, das er mit dem Verkauf von Versicherungspolicen
hatte. In diesem Vortrag sprach ich auch den Nutzen der vereinigten
Bemühungen an und dass Personen durch kooperative Anstrengungen
mehr Erfolge erreichen könnten.
Der junge Mann wurde daraufhin sofort aktiv und arbeite einen Plan aus,
der es ihm ermöglichte, die Kooperation einer Gruppe von Geschäftsleuten
zu erhalten, die in keiner Weise etwas mit der Versicherungsbranche zu tun
hatten.
Er suchte den wichtigsten Krämer in seiner Heimatstadt auf und traf mit
diesem eine Abmachung, dass er jedem Kunden, der pro Monat mindestens
für fünfzig Dollar Obst und Gemüse kaufte, eine Police über tausend Dollar
geben würde. Dann sorgte er dafür, dass die Leute von seiner Abmachung
erfuhren und brachte dem Krämer viele neue Kunden. Der Krämer hatte
neben seinem Laden ein großes und sauber geschriebenes Plakat angebracht,
auf dem seine Kunden über das Angebot der kostenlosen Versicherungspolice
informiert wurden. Auf diese Weise half er sich selbst, indem er
allen seinen Kundinnen und Kunden einen Anreiz bot, um sämtliche Käufe
bei ihm zu tätigen.
Als nächstes suchte dieser junge Versicherungsvertreter den Tankstellenpächter
auf und traf auch mit ihm die Abmachung, dass er allen Kunden, die
dort tankten oder Öl und andere Zubehörstoffe bei ihm kauften, versichern
würde.

Dann traf er mit dem führenden Speiselokal in der Stadt eine ähnliche Vereinbarung.
Diese Abmachung erwies sich für den Restaurantbesitzer im übrigen
als sehr rentabel, da er sofort eine Werbekampagne startete, in der er bekannt
gab, dass seine Speisen so rein, gesund und gut seien, dass jeder, der
sie zu sich nehme, länger lebe, weshalb er das Leben jedes Stammgastes mit
$ 1.000,— versichern würde.
Der Versicherungsvertreter suchte dann den örtlichen Bauunternehmer und
Immobilienmakler auf, um das Leben jeder Person, die von ihm ein Grundstück
oder eine Liegenschaft erwarb, so hoch zu versichern, dass der Restwert abgedeckt
war, sollte der Käufer vor Ablauf der Rückzahlungsfrist versterben.
Der betreffende junge Mann ist nun der Generalagent für eine der größten
amerikanischen Lebensversicherungsgesellschaften mit Hauptsitz in einer
der größten Städte in Ohio und sein Jahreseinkommen beträgt jetzt mehr als
$ 25.000,–.
Der Wendepunkt in seinem Leben kam, als er erdeckte, wie er das Gesetz
der Vorstellungskraft praktisch nutzen könne.
Auf seinen Plan gibt es kein Patent. Er kann ohne weiteres kopiert werden!
Wenn ich derzeit in der Versicherungsbranche tätig wäre, würde ich das
wohl tun und mich mit einer Gruppe von Automobilhändlern in verschiedenen
Städten verbünden. Auf diese Weise könnten sie mehr Autos absetzen und
gleichzeitig große Mengen an Versicherungspolicen verkaufen.
Sobald jemand gelernt hat, sich der schöpferischen Vorstellungskraft auf
praktische Weise zu bedienen, ist finanzieller Erfolg einfach. Ein Mensch, der
im ausreichenden Maße über Eigeninitiative und Führungsqualitäten verfügt,
und der die notwendige Vorstellungskraft mitbringt, kann das Vermögen der
Fünf- und Zehn-Cent-Läden verdoppeln, indem er für dieselbe Produktpalette,
wie sie jetzt in diesen Läden vertrieben wird, ein Marketingsystem entwickelt
und Verkaufsmaschinen einsetzt. Das wird ihm Personalkosten sparen und
seine Betriebskosten senken. Ein solches System kann ein „Renner“ werden!
Die Idee liegt Ihnen nun vor. An Ihnen liegt es, ob Sie sie aufgreifen wollen.

Fortsetzung folgt!

Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 5/8

Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 5/8

Es ist allgemein bekannt, dass ein verwöhnter Sprössling nur dann zu Sinnen
gebracht werden kann, wenn er gezwungen wird, sich um sich selbst zu kümmern.
Das fordert seine Vorstellungskraft und seine Entscheidungsfähigkeit

heraus; solange er keine Notwendigkeit dafür sieht, lässt er beide brach liegen.

P. W. Welshimer ist seit einem Vierteljahrhundert Pastor in einer Kirche in
Canton im Bundesstaat Ohio. In der Regel behalten Pastoren nicht so lange
den Vorsitz über eine Kirchengemeinde, und auch Reverend Welshimer würde
diese Ausnahmestellung nicht genießen, wenn er nicht seine Vorstellungskraft

mit seinen Aufgaben als Geistlicher kombiniert hätte.

Die Regelzeit für einen Pastor beträgt drei Jahre.
Die Gemeinde, der Reverend Welshimer vorsteht, hat eine Sonntagsschule

mit 5000 Mitgliedern; sie ist die größte ihrer Art.

Kein Pastor hätte mit der vollen Zustimmung der Gemeindemitglieder ein
Vierteljahrhundert lang in dieser Stellung verbleiben und eine Sonntagsschule
dieser Größenordnung aufbauen können, wenn er nicht die Gesetze der
Eigeninitiative und Führungsqualitäten, ein zentrales Ziel, Selbstbewusstsein

und Vorstellungskraft angewandt hätte.

Für den Verfasser dieses Kurses war Reverend Welshimer natürlich ein interessantes
Studienbeispiel und deshalb ist er dieser Sache nachgegangen, damit

die Teilnehmer dieses Kurses in den Nutzen der Erkenntnisse gelangen.

Es ist wohlbekannt, dass sich in Kirchengemeinden häufig Splittergruppen
herausbilden und es zu Eifersüchteleien kommt, die Diskrepanzen, die dies
mit sich zieht, erfordern dann eine Abberufung des bisherigen Oberhaupts.
Reverend Welshimer hat dieses weit verbreitete Hindernis durch sein Vorstellungsvermögen
umschifft. Sobald ein neues Mitglied zur Kirche stößt,
überträgt er ihm sofort eine klare Aufgabe, die zum Temperament, zur Vorbildung
und zu den Qualifikationen dieses Neulings passt. Auf diese Weise ist
das neue Kirchenmitglied so mit Gemeindeaufgaben beschäftigt, dass ihm

für Streiterein keine Zeit mehr bleibt.

Das ist nicht die schlechteste Vorgehensweise und sie lässt sich durchaus
auch auf andere gesellschaftliche Bereiche übertragen. Das alte Sprichwort,
wonach „Müssigang aller Laster Anfang“ ist, ist mehr als ein hübscher
Spruch, es enthält auch eine tiefe Wahrheit.
Der Mensch, der mit einer Aufgabe beschäftigt ist, die er gerne erledigt, wird
sich nicht als zersetzende Kraft erweisen. Falls ein Mitglied der Sonntagsschule
zweimal hintereinander nicht erscheint, wird es von einem Kirchenkomitee
aufgesucht, um den Grund für das Ausbleiben festzustellen. Praktisch
jedes Mitglied ist in irgendeinem „Komitee“. Auf diese Weise überträgt Reverend
Welshimer den Mitgliedern selbst die Verantwortung für das Funktionieren
der Schule und sorgt dafür, dass das Interesse wach bleibt. Er ist ein
Organisationstalent der höchsten Stufe. Seine Arbeit hat ihm die Aufmerksamkeit
von Geschäftsleuten im ganzen Land eingebracht und er kann sich
vor Angeboten nicht retten, bei Banken, in Stahlfabriken oder in Geschäftsbetrieben
leitende Positionen zu übernehmen. Er ist als Führungspersönlichkeit
anerkannt.

Im Keller von Reverend Welshimers Kirche gibt es eine tadellos eingerichtete
Druckerei, in der er einmal wöchentlich ein sehr beliebtes Kirchenblatt drucken
lässt, das an alle Mitglieder geht. Die Herstellung und Verteilung dieses
Blattes ist eine weitere Beschäftigungsquelle, das die Kirchenmitglieder davon
abhält, Unfug zu treiben und Unruhe zu stiften, da praktisch jedes Mitglied
aktiv daran mitwirkt.
Das Blatt widmet sich ausschließlich internen Angelegenheiten sowie Themen,
die mit einzelnen Mitgliedern zu tun haben. Es wird von jedem Mitglied
Zeile für Zeile gelesen, da man ja nie wissen kann, ob nicht der eigene Name
in diesem Blatt erscheint.
Die Kirche verfügt auch über einen gut ausgebildeten Chor und ein Orchester.
Hier sorgt Reverend Welshimer sowohl für Unterhaltung als auch dafür,
dass die temperamentvolleren Kirchenmitglieder, die über eine künstlerische
Ader verfügen, beschäftigt sind, damit keine Zwietracht gesät wird und jeder
das tun kann, was ihm am meisten zusagt.
Der vormalige Präsident der Universität von Chicago, der mittlerweile verstorbene
Dr. Harper, war zu seiner Zeit einer der effizientesten Hochschulpräsidenten.
Er hatte ein „Händchen“ für das Sammeln von Finanzmitteln in
großen Beträgen. So konnte er John D. Rockefeller zum Beispiel dazu bringen,

Millionen von Dollar für die Universität „locker zu machen“.

Für den Kursteilnehmer mag Dr. Harpers Technik interessant sein, denn er
war eine Führungspersönlichkeit ersten Grades. Ich habe aus seinem eigenen
Munde erfahren, dass diese Eigenschaft keineswegs ein Zufall war, sondern

vielmehr das Ergebnis einer sorgfältig geplanten Vorgehensweise.

Die folgende Begebenheit mag Ihnen veranschaulichen, wie Dr. Harper seine

Vorstellungskraft nutzte, um derartig große Beträge zu erhalten:

Für die Errichtung eines neues Gebäudes benötigte er eine zusätzliche Million
Dollar. Er erstellte eine Liste der wohlhabendsten Männer Chicagos und
überlegte sich, wen er ansprechen könnte. Dann entschloss er sich für zwei

Millionäre, die jedoch bitter verfeindet waren.

Einer dieser Männer war der damalige Leiter des Trambahnsystems von Chicago.
Harper wählte eine Mittagszeit, wenn die Büromitarbeiter und die Sekretärin
dieses Manns wahrscheinlich zum Essen außer Haus waren. Harper
erschien wie zufällig im Büro und ging durch das verwaiste Vorzimmer direkt

zum „Allerheiligsten“ hindurch, wo er den Mann unankündigt überraschte.

„Mein Name ist Harper“, sagte er, „ ich bin der Präsident der Universität von
Chicago. Entschuldigen Sie bitte mein Eindringen, aber es war niemand im
Vorzimmer (was kein Zufall war) und so nahm ich mir die Freiheit, einfach
durchzugehen.
Ich habe oft an Sie und Ihre Trambahnanlagen gedacht. Sie haben ein fantastisches
System aufgebaut und ich verstehe, dass das für Sie auch ein einträgliches
Geschäft war. Allerdings denke ich nie an Sie, ohne dass mir nicht
auch in den Sinn kommt, dass Sie eines Tages in dieses große unbekannte
jenseitige Reich reisen werden, und danach nichts mehr auf Ihren Namen
hindeuten wird. Andere werden dann Ihr Geld verwalten und wie Sie wissen,
Seite 245
http://www.ulrich-kloetzli.info
verliert das Geld seine Identität ziemlich rasch, sobald es einmal in anderer
Leute Hände ist.
Ich habe oft daran gedacht, Ihnen die Gelegenheit zu bieten, Ihren Namen zu
verewigen, indem ich Ihnen gestatte, auf dem Universitätsgelände eine neue
Halle zu errichten und sie nach Ihnen zu benennen. Ich hätte Ihnen diese
Gelegenheit auch schon lange geboten, wenn es nicht ein anderes Mitglied
des Gremiums (seinen Erzfeind) gäbe, das diese Ehre für sich beansprucht.
Persönlich war ich immer mehr Ihnen zugeneigt und bin das auch jetzt noch;
wenn Sie also einverstanden sind, werde ich versuchen, die Andersdenkenden

in diesem Sinne zu beeinflussen.

Wir können keine
Disteln säen und
Klee erwarten.
So funktioniert die
Natur nicht!
Die Natur funktioniert
nach Ursache
und Wirkung!

Ich bin heute nicht hier, um von Ihnen eine Entscheidung zu erbitten, aber
da ich gerade in der Nähe war, dachte ich, ich sollte Sie auf diese Umstände
aufmerksam machen.
Überlegen Sie sich die Sache einfach. Wenn Sie mit mir nochmals Rücksprache
nehmen wollen, dürfen Sie mich gerne zu jeder Ihnen gelegenen Zeit
anrufen.

Fortsetzung folgt!

Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 5/7

Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 5/7

Dr. Fank Crane war ein Prediger, der sich mit Ach und Krach über Wasser
halten konnte, bis ihn sein Hungerlohn endlich dazu trieb, sich der Vorstellungskraft
zu bedienen. Jetzt verdient er über hunderttausend Dollar im Jahr
und arbeitet pro Tag nur eine einzige Stunde – er schreibt Essays.

Auch Bud Fisher arbeitete einst für einen
Hungerlohn. Jetzt verdient er
fünfundsiebzigtausend Dollar im Jahr,
indem er die Leute mit
seinen Cartoons mit Mutt und Jeff zum
Lachen bringt.
Seine Zeichnungen sind nicht besonders
künstlerisch wertvoll – Was er verkauft,
ist seine Vorstellungsgabe!

Woolworth war ein unterbezahlter Lehrling in einem Einzelhandelsgeschäft,
unterbezahlt wahrscheinlich deshalb, weil es ihm damals noch an Vorstellungsvermögen
mangelte. Kurz vor seinem Tode erbaute er das höchste
Gebäude der Welt und übersäte die Vereinigten Staaten mit Billigläden. Zu
verdanken ist dies seiner Vorstellungsgabe.

Wenn Sie sich diese Beispiele näher betrachten, werden Sie feststellen, dass
bei diesen Leistungen ein eingehendes Studium der menschlichen Natur eine
große Rolle spielte. Um die Vorstellungskraft nutzen zu können, muss sie Ihnen
tiefe Einblicke in die Beweggründe verleihen, welche Menschen veranlasst,
etwas Bestimmtes zu tun beziehungsweise zu unterlassen. Falls Ihnen
Ihre Vorstellungsgabe vor Augen führt, wie rasch Menschen bereit sind, auf
Ihre Wünsche einzugehen, sobald dies in ihrem Eigeninteresse ist, sind Ihnen
kaum mehr Grenzen gesetzt.

Vor einiger Zeit wurde ich Zeuge einer Überzeugungsarbeit, die meine Frau
mit unserem Nachwuchs geleistet hatte. Unser Söhnchen bearbeitete mit
einem Löffel die Platte unseres Mahagonitisches in der Bibliothek. Meine Frau
griff nach dem Löffel, den das Baby allerdings nicht loslassen wollte. Da sie
jedoch eine Frau mit Vorstellungsvermögen ist, bot sie dem Baby ein Bonbon
an, der kleine Bursche ließ den Löffel sofort fallen und konzentrierte sich auf
das begehrenswertere Objekt.

Das war Vorstellungskraft! Es war auch Verkaufstüchtigkeit.
Sie setzte sich durch, ohne Gewalt anwenden zu müssen.

Ich war Beifahrer im Auto eines Freundes, der mit überhöhter Geschwindigkeit
fuhr. Ein Polizist verfolgte uns auf einem Motorrad und sagte meinem
Freund, dass er vorläufig festgenommen sei. Der Freund lächelte den Polizisten
freundlich an und sagte: „Es tut mir leid, dass ich Ihnen bei diesem Regen
Arbeit verursacht habe, aber ich wollte mit meinem Freund hier den Zug um zehn Uhr
erwischen, deshalb habe ich etwas aufs Gas gedrückt. Wahrscheinlich bin ich fünfunddreißig
Meilen gefahren“.

„Nein, Sie fuhren nur fünfundzwanzig Meilen schnell“, antwortete der Polizist, „aber
weil Sie so schlagfertig reagiert haben, lasse ich es diesmal durchgehen“.
Auch das war Vorstellungskraft!

Sogar der Verkehrspolizist hört vernünftig zu, wenn er richtig angesprochen
wird, aber wehe dem Autofahrer, der versucht, mit dem Polizisten zu diskutieren
und ihm weiszumachen versucht, dass die Tachoanzeige schuld gewesen
sei!

Eine Form von Vorstellungskraft gibt es allerdings, vor der ich Sie warnen
möchte!
Einige Leute scheinen zu glauben, dass ihnen die Welt etwas schulde oder
dass sie sich ohne Rücksicht auf andere durchboxen könnten. In den Vereinigten
Staaten sind über 160.000 Personen inhaftiert und praktisch jeder
einzelne davon ist deshalb hinter Gittern, weil er sich vorstellte, dass er sich
im Spiel des Lebens über die Rechte anderer hinwegsetzen könnte.

Im Staatsgefängnis von Ohio sitzt ein Mann über fünfunddreißig Jahre wegen
Scheckfälschung ab, und der Höchstbetrag, den er aufgrund der Fehlanwendung
seiner Vorstellungskraft erzielen konnte, belief sich auf mickrige zwölf
Dollar!

Darüber hinaus gibt es noch eine weitere Form der falsch angewandten Vorstellungskraft.
Ich beziehe mich auf den heranwachsenden Jungen oder das
junge Mädchen, welche meinen, dass sie bereits mehr Ahnung vom Leben
hätten als ihr Vater. Diese Dinge legen sich allerdings mit der Zeit. Das ist
zumindest meine Erfahrung.

Zeit und Vorstellungskraft (welche oft das Ergebnis von Zeit ist) lehren uns
vieles, das Wichtigste aber ist:

Dass sich die Menschen in vielerlei Hinsicht ähneln.
Falls Sie, werter Verkäufer, wissen wollen, was Ihr Kunde denkt, studieren Sie
sich selbst und finden Sie heraus, was Sie an seiner Stelle denken würden.
Studieren Sie sich selbst und gehen Sie Ihren Beweggründen auf den Grund.

Finden Sie heraus, was Sie davon abhält, bestimmte Dinge zu tun und warum

Sie andere tun, und Sie werden der praktischen Nutzung Ihres Vorstellungsvermögens
einen wesentlichen Schritt näher gekommen sein.

Der beste Partner des Detektivs ist seine Vorstellungskraft. Seine erste Frage
lautet: „Was ist das Motiv?“ Wenn er dieses feststellen kann, kann er
meist auch den Täter ermitteln.

Ein Mann, dem sein Pferd abhanden gekommen war, setze für das Auffinden
des Tiers eine Belohnung von fünf Dollar aus. Einige Tage darauf erschein
ein Junge, der allgemein als „geistig unterbemittelt“ galt, mit dem Pferd und
verlangte seine Belohnung. Der Besitzer war neugierig und wollte wissen, wie
der Junge das Pferd gefunden habe. „Woher wusstest du, wo du nach dem
Pferd suchen solltest?“ Der Junge antwortete: „Nun, ich habe mir einfach
überlegt, wo ich hingehen würde, wenn ich ein Pferd wäre.

Dann ging ich dort hin und das Pferd war dort“. Gar mancher, dem geistige
Fähigkeiten nicht abgesprochen werden, bringt nicht so viel Vorstellungskraft
auf wie dieser Junge.

Wenn Sie wissen wollen, wie sich andere verhalten werden, setzen Sie Ihre
Vorstellungskraft ein. Denken Sie sich in sie hinein und versetzen Sie sich an
ihre Stelle. Was hätten Sie an ihrer Stelle getan?

Das ist Vorstellungskraft!

Jeder Mensch sollte sich etwas von einem Träumer bewahren. Jedes Geschäft
und jede Branche braucht seine Träumer. Aber der Träumer darf es
nicht mit dem Träumen bewenden lassen, er muss auch aktiv werden. Oder
aber er verbündet sich mit jemanden, der Träume in Wirklichkeit umsetzen
kann.

Die Vereinigten Staaten sind ein Ergebnis der Vorstellungskraft in den Gehirnen
von Männern, die Träume mit Aktion verbanden!

Ihr Bewusstsein ist in der Lage, viele neue und nützliche Kombinationen alter
Ideen zu produzieren, aber das Wichtigste, wozu es in de Lage ist, ist die
Schaffung eines zentralen Ziels, welches Ihnen das beschert, woran Ihnen
am meisten gelegen ist.

Ihr zentrales Ziel lässt sich rasch in die Praxis umsetzen, nachdem Sie es in
der Wiege Ihrer Vorstellungskraft ausgeformt haben. Sofern Sie sich nach
den Anweisungen in Lektion zwei gerichtet haben, befinden Sie sich jetzt auf
dem Weg zum Erfolg, weil Sie wissen, was Sie wollen und weil Sie einen Plan
für die Umsetzung haben.

Wer weiß, was er will und bereit ist, den Preis zu bezahlen, hat die Schlacht
bereits halb gewonnen. Ein zentrales Ziel erfordert sowohl den Einsatz von
Vorstellungskraft als auch Entscheidungsfähigkeit. Die Entscheidungsfähigkeit
wächst mit der praktischen Nutzung. Sofortige Entscheidungen, die die
Vorstellungskraft anweisen, ein zentrales Ziel festzulegen, bringen auch in
anderen Bereichen bessere Entscheidungen hervor.

Unbilden und vorübergehende Rückschläge erweisen sich in der Regel als
Segen. Der Grund dafür ist, dass sie uns gleichermaßen zum Einsatz der Vorstellungskraft
wie der Entscheidungsfähigkeit zwingen. Aus diesem Grunde
kämpft ein Mann meist besser, wenn er mit dem Rücken zur Wand steht und
weiß, dass er nicht weiter zurückweichen kann. Ihm bleibt dann keine andere
Wahl als zu kämpfen, da der Fluchtweg abgeschnitten ist.

Nie ist die Vorstellungskraft so aktiv wie in einer Notsituation, wenn schnelle
und definite Entscheidungen getroffen werden müssen und wenn sofortiges
Handeln geboten ist.

In solchen Augenblicken haben Menschen Entscheidungen gefällt, Pläne entworfen
und ihre Vorstellungskraft auf eine Art und Weise eingesetzt, die sie
in den Bereich des Genialen rückten. Viele Genies verdanken dies der Notwendigkeit,
dass sie ihr Vorstellungsvermögen auf ungewöhnliche Weise stimulieren
mussten, weil sie sich einer Herausforderung gegenüber sahen, die
schnelles Denken und prompte Entscheidungen verlangte.

S. 242

Fortsetzung folgt!

Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 5/6

Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 5/6

Als ich um die Freilassung von B. bat, tat ich dies im Namen der 160.000 unglückseligen
Männer und Frauen, die in den Gefängnissen der USA einsaßen,
und die von dem Korrespondenzkurs profitieren könnten. Seine prominenten
Eltern erwähnte ich mit keinem Wort. Die Freundschaft, die ich in früheren
Jahren mit B. pflegte, ließ ich ebenfalls unerwähnt. Diese Dinge hätten vielleicht
mit angesprochen werden können, im Vergleich zum wesentlich stichhaltigeren
Grund, der sich aus der Hilfe für 160.000 Personen ergab, welche
B. nach seiner Freilassung bieten könnte, nahmen sich die persönlichen
Gründe jedoch mehr als bescheiden aus.

Als der Gouverneur von Ohio seine Entscheidung traf, war B. in seinen Augen
sicherlich nicht der wesentliche Faktor. Der Gouverneur sah vielmehr die Vorteile
für 160.000 Männer und Frauen, die einen Einfluss benötigen, wie ein
freigelassener B. ihn bieten konnte.

Das war Vorstellungskraft!

Es war auch Verkaufskunst! Ich hatte später Gelegenheit, mich mit einem
der anderen Männer zu unterhalten, die erfolgslos um seine Begnadigung
ersucht hatten. Er fragte mich: „Wie haben Sie das angestellt?“

Ich antwortete: „Wissen Sie, das war kinderleicht. Die Vorarbeit war nämlich
bereits abgeschlossen, bevor ich überhaupt davon erfuhr. B. hatte selbst dafür
gesorgt“.

Der Mann blickte mich verduzt an. Das, was ich hier zu erklären versuche,
konnte er nicht erkennen, nämlich, dass praktisch alle schwierigen Aufgaben
einfach werden, wenn man sie von der richtigen Seite her anpackt. Bei
B.‘s Freilassung spielten zwei wichtige Faktoren eine Rolle. Der erste war
der Umstand, dass er selbst das Material geliefert hatte, bevor ich mich der
Sache annahm. Und der zweite war die Tatsache, dass ich mich vor meinem
Gespräch mit dem Gouverneur selbst davon überzeugt hatte, dass ich ein
Rechte hatte, um B.‘s Entlassung zu bitten und die Angelegenheit deshalb
unbefangen vortragen konnte.

Lesen Sie nochmals nach, was weiter vorne in dieser Lektion über das Thema
der Telepathie gesagt wurde und übertragen Sie es auf diesen Fall. Dass ich
einen guten Grund hatte, wusste der Gouverneur bereits lange, bevor ich
mein Anliegen formuliert hatte. Falls mein Gehirn ihm diesen Gedanken nicht
gefunkt hatte, dann spätestens der Ausdruck meines Selbstbewusstseins
und meiner Selbstsicherheit in meinen Augen und der positive Ton meiner
Stimme. Es lag auf der Hand, dass ich an diese Sache glaubte.

Ich bitte nochmals um Entschuldigung für diese persönlichen Hinweise, ganz
Amerika war jedoch mit diesem Fall vertraut, so dass dies nicht zu umgehen
war. Ich will mir damit keinen Ruhm an die Brust heften, denn ich habe nichts
anderes getan, als meine Vorstellungskraft als Montageraum zu verwenden,
in dem die Faktoren, die zum Ergebnis führten, miteinander verbunden wurden.
Jeder, der über die Vorstellungskraft verfügt, hätte dasselbe tun können.
In meinem ganzen Leben kann ich mich an keinen Vorfall erinnern, bei dem
für die hier beschriebenen fünfzehn Erfolgsvoraussetzungen ein klarerer Praxisbeweis
geliefert wurde als im Zusammenhang mit der Freilassung von B.

In der langen Beweiskette ist dies ein weiteres Glied, das zu meiner Befriedigung
die herausragende Macht des Vorstellungsvermögens belegt. Für jedes
Problem gibt es unzählige Lösungsmöglichkeiten, aber es gibt immer nur
eine einzige Ideallösung. Finden Sie diese optimale Lösung und Ihr Problem
ist gelöst. Egal, wie viele Vorzüge Ihre Waren haben, es gibt Millionen von
Möglichkeiten, sie falsch darzustellen. Damit Sie den richtigen Ansatz finden,
brauchen Sie Vorstellungskraft!

Bei Ihrer Suche nach dem richtigen Weg sollten Sie folgenden menschlichen
Charakterzug beachten:

Der Mensch wird Ihnen einen Gefallen erweisen, den Sie für einen Dritten
erbitten, auch wenn er diesen Gefallen nicht erweisen würden, falls
er für Sie erbeten würde.

Vergleichen Sie diese Aussage mit der Tatsache, dass ich den Gouverneur
von Ohio weder um einen Gefallen für mich noch um einen Gefallen für B. gebeten
hatte, sondern dass ich den Nutzen für 160.000 Gefängnisinsassen
herausgestrichen hatte.

Verkäufer mit Vorstellungskraft bieten Ihre Produkte immer so an, dass die
Vorteile dieser Artikel für den potenziellen Käufer offensichtlich sind. Es ist
selten, dass jemand eine Ware oder etwas anders erwirbt, nur um dem Verkäufer
einen Gefallen zu erweisen. Es liegt im Wesen des Menschen, das zu
tun, was uns selbst zugute kommt.. Das ist eine kalte, aber unabweisbare
Tatsache, auch wenn Idealisten es gerne anders sähen.

Um es ohne Umschweife zu sagen: Der Mensch ist egoistisch!

Die Wahrheit zu verstehen, bedeutet auch, zu verstehen, wie Sie den Fall
darzustellen haben; ob es um die Entlassung eines Strafgefangenen oder um
das Angebot einer Ware geht, ist dabei unerheblich. In Ihrer eigenen Vorstellungskraft
planen Sie die Darstellung Ihres Falles so, dass die stärksten und
überzeugendsten Vorteile für den Käufer offensichtlich werden.

Das ist Vorstellungskraft!

Ein Farmer zog in die Stadt und nahm seinen gut ausgebildeten Schäferhund
mit sich. Er stellte bald fest, dass der Hund in der Stadt fehl am Platze war,
also entschloss er sich, ihn „loszuwerden“. Er nahm den Hund mit aufs Land
und klopfte an die Tür eines Farmhauses. Ein Mann kam ihm auf Krücken
entgegen. Der Hundebesitzer begrüßte den Mann im Haus wie folgt:

„Würden Sie gerne einen ausgezeichneten Schäferhund erwerben, den ich loshaben
will?“

„Nein“, schallte es zurück und die Tür fiel zu.

Der Hundebesitzer klapperte ein halbes Dutzend weiterer Höfe ab und stellte
immer wieder dieselbe Frage. Er erhielt auch immer wieder dieselbe Antwort.
Er kam zu dem Schluss, dass niemand den Hund wolle und so begab
er sich wieder in die Stadt zurück. An diesem Abend erzählte er einem Mann
mit Vorstellungskraft von seinen Erlebnissen. Der andere Mann hörte sich
an, wie der Hundebesitzer sein Tier „loswerden“ wollte.

„Überlassen Sie das mir“, sagte der Mann mit Vorstellungskraft. Der Hundebesitzer
willigte ein.

Am nächsten Morgen nahm der Mann mit Vorstellungskraft den Hund mit
aufs Land und hielt an der ersten Farm, an der der andere einen Tag zuvor
bereits sein Glück versucht hatte. Derselbe Mann auf Krücken humpelte zur
Tür.

Der Mann mit Vorstellungskraft begrüßte ihn auf diese Weise.

„Wie ich sehe, haben Sie Probleme mit dem Rheuma. Was Sie brauchen, ist
ein treuer und gut ausgebildeter Hund. Dieser Hund ist darauf trainiert, Kühe in
den Stall zu treiben und wilde Tiere fernzuhalten, er kann Schafe hüten und noch
einiges mehr.
Für hundert Dollar gehört dieses Prachttier Ihnen!“

„In Ordnung“, sagte der verkrüppelte Mann, „ich nehme ihn“.

Auch das war Vorstellungskraft!

Niemand will einen Hund, den jemand anders „loshaben“ will, aber jeder Farmen
kann einen Hund gebrauchen, der Schafe hüten und Kühe zusammentreiben
kann.

Der Hund war derselbe, aber der Mann, der ihn verkaufte, war nicht derjenige,
der ihn „loshaben“ wollte. Wenn Sie Ihre Vorstellungskraft nutzen, werden
Sie wissen, dass niemand etwas will, das ein anderer „loshaben“ will.

Denken Sie nochmals daran, was über das Gesetz der Anziehung gesagt wurde,
wonach Gleiches wieder Gleiches anzieht. Wenn Sie so aussehen und sich
so verhalten wie ein Versager, werden Sie nur Versagen anziehen.

Egal, in welchem Bereich Sie beruflich tätig sind, an der Nutzung der Vorstellungskraft
geht kein Weg vorbei!

Die Niagara-Fälle waren jede Menge tosenden Wassers und sonst nichts
– bis ein Mann mit Vorstellungsvermögen daherkam, und die ungenutzte Energie
in elektrischen Strom verwandelte, der jetzt die Räder von Industrie und
Wirtschaft dreht. Bevor dieser Mann mit Vorstellungskraft erschien, hatten
Millionen anderer Menschen diese Wasserfälle gesehen – aber niemand verfügte
über die Vorstellungskraft, um Nutzen daraus zu ziehen.

Der erste Rotary-Club der Welt entstand in der Vorstellung von Paul Harris
in Chicago. Harris erkannte eine effiziente Möglichkeit zur Kundenpflege
und zur Erweiterung seiner Anwaltskanzlei. Die Berufsethik untersagte ihm
herkömmliche Werbemaßnahmen, aber Paul Harris hatte genügend Vorstellungskraft,
um einen Weg zu finden, über den er seine Kanzlei ohne Werbung
ausbauen konnte.

Sofern die Winde vorübergehend gegen Sie anblasen sollten, denken Sie daran,
dass Sie sich ihrer bedienen können, damit sie Sie Ihrem zentralen Ziel
näherbringen. Dazu benötigen Sie die Vorstellungskraft. Ein Drachen steigt
entgegen dem Wind, nicht mit ihm!

S. 239

Fortsetzung Folgt!

Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 5/5

Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 5/5

Als es nötig wurde, seine Bemühungen in eine neue Richtung zu lenken, entdeckte
er, dass er über Vorstellungsvermögen verfügte.

Erst wenn Sie Ihre Bemühungen mit Ihrer Vorstellungskraft verbinden, werden
Sie erkennen, was in Ihnen steckt und wozu Sie in der Lage sind. Das
Produkt Ihrer Hände Arbeit, abzüglich Vorstellungskraft, wird Ihnen nur eine
bescheidene Rendite einbringen, mit denselben Händen aber können Sie ein
Vielfaches verdienen, wenn Sie auch Ihre Vorstellungskraft zu Hilfe nehmen!

Sie können Ihre Vorstellungskraft auf zweierlei Arten nutzen. Sie können diese
Fähigkeit in Ihrem eigenen Geiste entwickeln oder Sie können sich mit jemandem
zusammentun, bei dem diese Kraft bereits voll ausgereift ist.
Andrew Carnegie tat beides. Er nutzte nicht nur seine eigene Vorstellungskraft,
sondern umgab sich auch mit tüchtigen Männern, die ihrerseits mit dieser
so wertvollen Eigenschaft gesegnet waren, da sein zentrales Ziel Fachleute
in den unterschiedlichsten Bereichen verlangte. In dieser Gruppe, die
Carnegies „Mastermind“ bildeten, waren Männer, deren Vorstellungskraft auf
den Bereich der Chemie begrenzt war. Andere wiederum richteten ihre Vorstellungskraft
auf den Bereich der Finanzen. Wieder andere konzentrierten
ihre Vorstellungskraft auf Vertrieb und Verkauf. Einer davon war Charles M.
Schwab, der als der fähigste Verkäufer in Carnegies Team galt.

Falls Sie der Auffassung sind, dass Ihre eigene Vorstellungskraft und Fantasie
nicht ausreiche, sollten Sie mit jemanden eine Verbindung eingehen, dessen
Vorstellungsvermögen weit genug entwickelt ist, um Ihre eigene Schwäche
auszugleichen. Es gibt eine Vielzahl von Verbindungen und Gruppierungen. Zu
nennen sind zum Beispiel das Bündnis der Ehe, oder eine geschäftliche Partnerschaft
oder eine Verbindung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer.
Nicht jedermann ist als Arbeitgeber geeignet und wem diese Gabe abgeht,
der kann sich mit Personen zusammenschließen, die in diesem Bereich über
die gebotene Vorstellungskraft verfügen.

Man sagt, dass Mr. Carnegie mehr seiner Mitarbeiter zu Millionären gemacht
habe als jeder andere Arbeitgeber in der Stahlbranche. Einer davon
war Charles M. Schwab, der eine ausgeprägte Vorstellungsgabe mit einer
gut entwickelten Urteilskraft kombinierte, indem er sich mit Mr. Carnegie zusammentat.
Es ist nichts Unehrenhaftes daran, im Arbeitnehmerstand zu
arbeiten. Nicht selten ist dies die Seite eines Bündnisses, die sich als die rentablere
erweist, zumal nicht jedermann dazu geschaffen ist, die mit Führungsaufgaben
verbundene Verantwortung zu übernehmen.

Vermutlich gibt es keinen anderen Bereich, in dem die Vorstellungskraft eine
so große Rolle spielt wie im Vertrieb und Verkauf. Der Spitzenverkäufer sieht
die Vorzüge der von ihm angebotenen Produkte oder Leistungen in seiner
Vorstellung und falls er dies nicht tut, wird er auch keinen Verkaufsabschluss
erzielen!

Vor einigen Jahren wurde ein Verkauf zum Abschluss gebracht, der als der
weitreichendste und bedeutenste seiner Art gilt. Bei diesem Verkauf ging es
um keine Ware, sondern um die Freiheit eines Mannes, der im Strafgefängnis
von Ohio einsaß und um die Durchführung einer Strafreform, welche für
die Männer und Frauen, die mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sind, nachhaltige
Veränderungen mit sich bringt.

Damit Sie nachvollziehen können, auf welche Weise das Vorstellungsvermögen
hier eine Rolle spielte, darf ich diesen „Verkauf“ für Sie analysierten, wobei
ich nicht umhin kann, wiederholt auf mich selbst Bezug zu nehmen; ohne
diese Bezugnahme würde der Veranschaulichungswert jedoch eingebüßt
werden.

Vor einigen Jahren wurde ich gebeten, vor den Insassen des Strafgefängnisses
von Ohio einen Vortrag zu halten. Als ich auf die Sprecherbühne trat,
sah ich vor mir im Publikum einen Mann, den ich über zehn Jahre vorher
als erfolgreichen Geschäftsmann kennen gelernt hatte. Dieser Mann war
B., dessen Begnadigung ich später erreichen konnte. Die Geschichte seiner
Entlassung ging durch praktisch alle amerikanischen Zeitungen. Eventuell
erinnen Sie sich daran.

Nachdem ich meinen Vortrag beendet hatte, sprach ich B. an und fand heraus,
dass er wegen Urkundenfälschung zu einer zwanzigjährigen Gefängnisstrafe
verurteilt worden war. Ich hörte mir seine Geschichte an und sagte
dann:

„Ich weniger als sechzig Tagen habe ich Sie hier raus!“

Er zwang sich zu einem Lächeln und antwortete: „Ich bewundere Ihre Initiative, bezweifle
aber, dass Sie die Situation richtig einschätzen können. Wissen Sie, mindestens
zwanzig einflussreiche Männer haben bereits alles versucht, um mich hier rauszuholen.
Alles ohne Erfolg! Es ist einfach nicht möglich!“

Ich vermute, dass es seine letzte Bemerkung – „es ist einfach nicht möglich“
– war, die mich herausforderte. Ich wollte ihm beweisen, dass es durchaus
möglich war. Ich kehrte wieder nach New York City zurück und bat meine
Frau, ihre Koffer zu packen und sich auf einen Aufenthalt unbestimmter Dauer
in Columbus einzurichten. Dort befand sich diese Strafanstalt.
Ich hatte ein zentrales Ziel im Kopf! Dieses Ziel war die Entlassung von B.
aus dem Gefängnis. Aber nicht nur das. Ich wollte auch, dass er vom Makel
eines „Knasti“ befreit würde.

Ich zweifelte nicht ein einziges Mal daran, dass dieses Ziel erreichbar sei,
denn ein Verkäufer, der mit einer Haltung des Zweifels an seine Aufgabe
herangeht, kann keinen erfolgreichen Abschluss tätigen. Meine Frau und ich
fuhren also nach Columbus und bezogen unser Quartier.

Am nächsten Tag suchte ich den Gouverneur von Ohio auf und eröffnete ihm
mein Anliegen wie folgt:

„Herr Gouverneur, ich bin kommen, um Sie um die Freilassung von B. zu bitten. Ich habe
berechtigte Gründe für meine Bitte und hoffe, dass Sie ihm seine Freiheit ohne weitere
Verzögerung gewähren, ich bin jedoch bereit, solange zu bleiben, bis er auf freien Fuß
gesetzt wird, egal, wie lange das dauern wird.

Wie Sie sicherlich wissen, hat B. während seines Gefängnisaufenthaltes im Strafgefängnis
von Ohio einen Korrespondenzkursus ins Leben gerufen. Er konnte 1729 der insgesamt
2518 Insassen des Strafgefängnisses von Ohio dazu bewegen, an diesem Kurs
teilzunehmen. Er hat es geschafft, in ausreichender Anzahl schriftliche Unterlagen und
Kursmaterial zu beschaffen und hat dafür nicht einen einzigen Penny desStaates Ohio in
Anspruch genommen. Vom Gefängnisdirektor und vom Kaplan des Gefängnisses habe
ich erfahren, dass er die Gefängnisregeln genauestens eingehalten hat.

Einen Mann, der dergestalt auf 1729 Männer einwirken kann, dass diese an sich selbst
arbeiten, kann ich mir nicht als einen schlechten Menschen vorstellen.

Ich bin gekommen, um Sie um seine Freilassung zu bitten, weil ich ihn an die Spitze einer
Gefängnisschule setzen möchte, die den 160.000 Insassen der übrigen amerikanischen
Gefängnisse ebenfalls eine Chance auf Verbesserung bieten soll. Ich bin bereit, mich für
sein Verhalten nach seiner Entlassung zu verbürgen.

Soweit mein Anliegen. Bevor Sie mir Bescheid geben, gestatten Sie mir noch den Hinweis,
dass ich durchaus weiß, dass Ihre politischen Gegner die Entlassung von B. genüsslich
ausschlachten werden. Ich weiß auch, dass dies soweit gehen kann, dass Sie bei der
nächsten Wahl nicht mehr unter den Kandidaten sein werden.“

Der Gouverneur von Ohio, Vic Donahey, strich sich über sein breites Kinn.
Dann sagte er:

„Wenn Sie mit B. das vorhaben, was Sie mir soeben erzählt haben, setze ich ihn auf
freien Fuß, auch wenn es mich fünftausend Stimmen kosten sollte. Bevor ich die Begnadigung
unterzeichne, bitte ich Sie jedoch, den Begnadigungsausschuss aufzusuchen und
die Empfehlung des Direktors und des Gefängniskaplans einzuholen. Sie wissen, dass
ein Gouverneur immer der öffentlichen Meinung ausgesetzt ist und diese Herren sind in
diesem Fall die Vertreter der Allgemeinheit.“

Damit war der Abschluss getätigt. Und es hatte nicht einmal fünf Minuten
gedauert.

Am nächsten Tag wurde ich nochmals im Büro des Gouverneurs vorstellig.
Diesmal war der Kaplan mit dabei. Wir ließen den Gouverneur wissen, dass
die Freilassung von allen drei Seiten – Begnadigungsausschuss, Gefängnisdirektor
und Kaplan – befürwortet wurde. Drei Tage später wurde die Begnadigung
unterzeichnet und B. trat durch die schmiedeeisernen Tore in die
Freiheit hinaus.

Sie werden an dieser Schilderung erkannt haben, dass die Transaktion im
Grunde ganz einfach war. Die Voraussetzungen waren bereits gegeben, bevor
ich überhaupt in Erscheinung trat. B. selbst hatte dafür gesorgt, einerseits
durch seine gute Führung und andererseits durch den Dienst, den er 1729
Mitinsassen gewährt hatte. Mit der Ausfertigung des Korrespondenzkurses
fertigte er auch den Schlüssel, der ihm die Freiheit aufschloss.

Warum hatten es dann die anderen, die sich ebenfalls um seine Freilassung
bemüht hatten, nicht geschafft?

Weil ihnen eines fehlte:

Vorstellungskraft!

Vielleicht begründeten sie das Begnadigungsgesuch damit, dass B. weithin
bekannte Eltern hatte, oder dass er Hochschulabsolvent war oder dass er
nicht gemeingefährlich sei. Sie versäumten es aber, dem Gouverneur von
Ohio einen Grund zu liefern, der eine Begnadigung rechtfertigen würde.
Hätten sie das getan, wäre B. bereits wesentlich früher entlassen worden.

Bevor ich den Gouverneur aufsuchte, nahm ich mir alle Fakten vor und versetzte
mich in meiner Vorstellungskraft in die Lage des Gouverneurs. Ich
überlegte mir, welche Art von Präsentation mich am nachhaltigsten ansprechen
würde, wenn ich an seiner Stelle wäre.

S. 236

Fortsetzung folgt!

Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 5/4

Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 5/4

Vor seinem geistigen Auge sah er eine große Eisenbahnstrecke, die den unerschlossenen
Nordwesten Amerikas durchziehen und den Atlantik mit dem
Pazifik verbinden würde. Seine Vorstellungskraft war so lebhaft, dass er andren
die Vorteile einer solchen Strecke schmackhaft machen konnte. Mit dem
Ergebnis ist heute jeder Schuljunge vertraut. Wichtig ist hierbei der Teil, der
bei der Schilderung von Hills Leistung niemals erwähnt wird: dass die Great
Northern Railway zunächst in der Vorstellungskraft Hills Gestalt annahm. Die
Eisenbahnlinie wurde mit Stahlschienen und Holzschwellen erbaut, wie jede
andere Eisenbahnstrecke auch, und sie wurde auch auf dieselbe Weise finanziert
wie jede andere Stecke, wer aber die wirkliche Geschichte hinter dem
Erfolg von James J. Hill hören will, muss sich geistig in die kleine Bahnstation
begeben, wo er für einen Wochenlohn von dreißig Dollar arbeitete und sich
diese Strecke ausdachte. Damals bestand sein gesamtes Kapital aus seiner

Vorstellungskraft!

Die Vorstellungskraft ist enorm mächtig, sie ist die Werkstatt der Seele, in
der die Gedanken in Eisenbahnen und Wolkenkratzer, Fabriken und maschinelle

Anlagen, zusammengewoben werden.

Wenn Ihre Vorstellungskraft der Spiegel der Seele ist, haben Sie auch ein
besonderes Recht darauf, vor diesem Spiegel zu stehen und sich so zu sehen,
wie Sie sein wollen. Sie haben das Recht, in diesem Zauberspiegel das Haus
zu sehen, in dem Sie wohnen wollen, den Betrieb zu sehen, den Sie führen
wollen, die Bank zu sehen, der Sie vorstehen wollen, die Station im Leben zu
sehen, die Sie erreichen wollen. Ihre Vorstellungskraft gehört Ihnen! Nutzen
Sie sie! Je effizienter Sie das tun, umso größer der Nutzen, den sie Ihnen

bringt!

Am östlichen Ende der Brooklyn-Bridge in New York City führt ein alter Mann
einen Schusterladen. Als die Ingenieure damit begannen, Pfähle einzurammen
und das Fundament für diese großartige Stahlkonstruktion zu errichten,
schüttelte dieser Mann seinen Kopf und murmelte: „Das ist unmöglich!“

Nun blickt er von seiner Flickschusterei auf und schüttelt wieder Kopf: „Wie
ist das möglich?“

Er sah die Brücke vor seinen Augen Gestalt annehmen und hat immer noch
nicht genügend Vorstellungskraft, um das zu analysieren, was er mit angesehen
hatte. Der Ingenieur, der die Brücke plante, sah sie bereits lange vor
ihrer Verwirklichung, lange, bevor der erste Spatenstich getan wurde, damit
die Fundamentsteine gelegt werden konnten. In seiner Vorstellung wurde die
Brücke Realität, weil er sein Vorstellungsvermögen darauf geschult hatte,

aus alten Ideen neue Kombinationen zu schaffen!

Bei Versuchen hat kürzlich ein bekanntes Bildungsinstitut entdeckt, wie man
Blumen mit Hilfe von elektrischem „Sonnenlicht“ schlafen legen und wieder
aufwecken kann. Diese Entdeckung ermöglicht das Wachstum von Gemüse
und Blumen ohne Sonnenlicht. Diese neue Entdeckung, gewürzt mit etwas
Vorstellungskraft und den Entdeckungen von Luther Burbank im Bereich der
Gartenbaukunst, könnten dazu führen, dass der Städter in absehbarer Zeit
das ganze Jahr Gemüse verzehren kann.

In einer Stadt an der kalifornischen Küste wurde das gesamte bebaubare
Land in Parzellen aufgeteilt und nutzbar gemacht. Auf der anderen Seite der
Stadt gab es einige steile Hügel, die als Bauland nicht geeignet waren und
wieder an einer anderen Stelle lagen die Grundstücke so tief, dass sie eines

Tages vom Grundwasser überflutet werden würden.

In diese Stadt kam ein Mann mit Vorstellungskraft. Solche Leute haben in der
Regel einen scharfen Verstand und dieser Mann war davon keine Ausnahme.
Gleich zu Anfang seines Besuchs erkannte er, dass hier Möglichkeiten im Immobilienbereich
bestanden. Er sicherte sich eine Option für diese Hügel, die
aufgrund ihrer Steilheit als Bauland nicht geeignet waren. Auch für die tiefer
liegenden Flächen sicherte er sich eine Option. Diese Optionen konnte er zu
einem sehr günstigen Preis erwerben, da dieses Land allgemein als wertlos

angesehen wurde.

Mit einigen wenigen Tonnen Sprengstoff verwandelte er diese Hügel in einen
Schutthaufen. Mit ein paar Traktoren und einigen Bauhelfern nivellierte er
die Fläche und verwandelte sie in einwandfreies Bauland. Ein paar Maulesel
und Zugwägen halfen ihm dabei, die überschüssige Erde in das angeblich
zu tief liegende Gelände zu verbringen und auch diese Flächen bebaubar zu

machen.

Er schuf sich ein Vermögen. Wofür?
Um etwas Erde an einer Stelle abzutragen, wo sie nicht benötigt wurde, und
dorthin zu bringen, wo sie gebraucht wurde. Um nicht brauchbare Erde mit

Vorstellungskraft zu verbinden!

Die Bewohner in diesem Städtchen bezeichnen den Mann als Genie. Diese
Auszeichnung steht ihm durchaus zu. Es ist dieselbe Art von Genialität, die
jeder andere von ihnen an den Tag hätte legen können, wenn er sich auf dieselbe

Weise der Vorstellungskraft bedient hätte, wie dieser Fremde.

In der Chemie lassen sich zwei oder mehr chemische Bestandteile in solchen
Proportionen miteinander vermischen, da sich aus der bloßen Vermischung
eine enorme Energie ergibt, die vorher nicht vorhanden war. Es ist auch möglich,
gewisse chemische Elemente in solchen Proportionen miteinander zu
vermischen, dass sämtliche Elemente der Kombination nunmehr völlig anders
geartet sind, wie dies bei H20 der Fall ist, was ein Gemisch aus zwei Teilen
Wasserstoff und einem Teil Sauerstoff ist und auf diese Weise Wasser

ergibt.

Die Chemie ist jedoch nicht der einzige Bereich, in dem eine Kombination aus
verschiedenen physikalischen Elementen dazu führt, dass jeder Bestandteil
wertvoller wird oder dass daraus etwas völlig Neuartiges hervorgeht. Der
Mann, der die unbrauchbaren Hügel in die Luft sprengen und die überschüssige
Erde abtragen und an einer nützlicheren Stelle neu auftragen ließ, gab

der Erde und den Steinen einen Wert, den sie vorher nicht besaßen.

Eine Tonne Roheisen ist nur von geringem Wert. Fügt man diesem Roheisen
in entsprechenden Mengen Kohlenstoff, Silizium, Mangan, Schwefel und
Phosphor hinzu, so erhält man den wesentlich wertvolleren Stahl. Durch das
Hinzufügen noch weiterer Substanzen, ebenfalls in entsprechenden Mengen,
und fachgemäße Bearbeitung werden aus einer Tonne Stahl Uhrenfedern,
deren Wert nochmals beträchtlich gesteigert ist.

Bei all diesen Verwandlungen und Umwandlungen ist ein Bestandteil jedoch

der wichtigste:

Die Vorstellungskraft!
An einer der großen Fernstraßen zwischen New York und Philadelphia stand
eine alte, halb verfallende Scheune, die keine fünfzig Dollar wert war. Mit Hilfe
von etwas Holz und Zement – sowie Vorstellungskraft! – wurde aus dieser
Scheune eine Tankstelle, die dem Mann, der über diese Vorstellungskraft

verfügte, ein kleines Vermögen einbrachte.

Auf der anderen Seite meines Büros steht eine kleine Druckerei, die dem
Besitzer gerade das Nötigste zum Überleben einbringt. Ein Dutzend Häuserblocks
weiter steht eine der modernsten Druckereien der Welt und sein Inhaber
bereist die ganze Welt und verdient mehr Geld, als er je ausgeben kann.

Vor zwanzig Jahren arbeiteten die beiden Besitzer im selben Betrieb!

Der Besitzer der Großdruckerei verfügte über eine ausreichend entwickelte
Urteilsgabe, um sich mit einem Mann zusammenzutun, der seine Vorstellungskraft
mit dem Druckereigewerbe verband. Dieser mit Vorstellungsvermögen
ausgestattete Mann ist ein Werbetexter und vermittelt der Druckerei
mehr Aufträge als diese annehmen kann; er arbeitet interessante Werbekampagnen

aus und bietet seinen Kunden auch die entsprechenden Druckerzeugnisse.

Dieser Betrieb kann für seine Druckaufträge Preise verlangen, die
sich im obersten Segment bewegen, weil die in diesen Betrieb eingeflossene
Vorstellungskraft ein Produkt erzeugt, das die meisten übrigen Druckereien

nicht liefern können.

In der Stadt Chicago wurde einer der Boulevards angehoben. Dadurch wurden
mehrere stattliche Wohnhäuser verschandelt, weil die neue Straßenführung
nun auf der Höhe des ersten Stocks verlief. Während die Hausbesitzer
noch ihr Missgeschick beklagten, kam ein Mann mit Vorstellungsvermögen,
kaufte die betroffenen Häuser für einen „Apfel und ein Ei“ auf, wandelte das
erste Stockwerk jeweils in Geschäftsräume um und erfreut sich nun satter

Mieteinnahmen.

Bedenken Sie bei der Lektüre dieser Zeilen bitte, was bereits zu Beginn dieser
Lektion stand. Erinnern Sie sich daran, dass das Beste, was Sie mit Ihrer
Vorstellungskraft anstellen können, darin besteht, dass Sie alte Ideen neu

kombinieren.

Wenn Sie Ihre Vorstellungskraft richtig einsetzen, hilft sie Ihnen, Misserfolge
und Fehler in unschätzbare Pluspunkte zu verwandeln. Sie verhilft Ihnen zur
Entdeckung einer Wahrheit, die nur jene kennen, die ihre Vorstellungskraft
nutzen, nämlich, dass die größten Rückschläge und Niederlagen im Leben

häufig die Tür zu goldenen Gelegenheiten aufstoßen!

Einer der höchstbezahlten Edelsteinschleifer und Graveure der Vereinigten
Staaten war vorher Postbote. Eines Tages saß er in einer Straßenbahn, die
in einen Unfall verwickelt wurde und eines seiner Beine musste amputiert
werden. Die Straßenbahngesellschaft entschädigte ihn mit $ 5.000,–. Mit
diesem Geld finanzierte er sich seine Ausbildung zum Graveur. Das Produkt
seiner Hände, verbunden mit Vorstellungskraft, ist jetzt mehr wert als er mit

seinen Beinen als Postbote verdienen konnte.

S. 233

Fortsetzung folgt!