Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 5/9

Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 5/9

Ein guten Tag, mein Herr. Ich freue mich, dass ich Sie kennen lernen durfte“.
Dann verbeugte er sich und ohne dem Leiter der Trambahngesellschaft die
Chance zu geben, ja oder nein zu sagen, entfernte er sich wieder.
Der Millionär hatte praktisch keine Chance, sich überhaupt zu äußern. Dr.
Harper führte die ganze Zeit über das Wort. Er ging nur deshalb in das Büro,
um den Samen zu setzen und ging davon aus, dass dieser keimen und zur
rechten Zeit aufgehen würde.
Seine Vermutung war nicht unbegründet. Er war kaum wieder in der Universität,
als das Telefon klingelte. Der Anrufer war der Leiter der Trambahngesellschaft.
Er bat um einen Termin mit Dr. Harper, was ihm selbstverständlich
gewährt wurde, und die beiden Herren trafen sich am darauffolgenden Morgen
in Dr. Harpers Büro. Eine Stunde später wurde ihm der Scheck über eine
Million Dollar ausgestellt.
Obwohl Dr. Harper ein kleiner und eher unscheinbarer Mann war, sagt man
ihm nach, dass er „etwas an sich hatte, um alles zu erreichen, was er sich
vorgenommen hatte“.
Was war dieses „Etwas“?
Es war nichts anderes als dass er die Macht des Vorstellungsvermögens
verstanden hatte. Nehmen wir einmal an, er wäre bei der Vorzimmerdame
vorstellig geworden und hätte um einen Termin gebeten. Zwischen diesem ersten
Besuch bei der Trambahngesellschaft und dem tatsächlichen Gespräch
mit dem Leiter wäre genügend Zeit verstrichen, damit dieser den wahren Beweggrund
herausfinden und sich auch eine logische Ausrede für eine Absage
hätte einfallen lassen können.
Nehmen wir weiterhin an, dass er sein Gespräch etwa wie folgt begonnen
hätte:
„Die Universität benötigt dringend Finanzmittel und ich bin hier, um Ihre Unterstützung
zu erbitten. Sie haben sehr viel Geld verdient und schulden der Gemeinschaft, in der Sie
leben, einen gewissen Anteil. Wenn Sie mir eine Million Dollar geben, bringen wir Ihren
Namen an der neuen Halle an, die wir bauen wollen“.

Wie hätte wohl das Ergebnis ausgesehen?
Zunächst hätte es kein Motiv gegeben, das für den Straßenbahnleiter attraktiv
genug gewesen wäre. Auch wenn es der Wahrheit entsprochen haben
mag, dass er der Gesellschaft etwas schuldete, würde er dies dennoch nicht
zugegeben haben. Zum anderen hätte er sich in der Offensive befunden und
diese Position ausgekostet.
Aber Dr. Harper ließ sich auf eine solche Situation nicht ein.
Er brachte den Straßenbahnleiter zunächst in die Defensive, indem er ihm
mitteilte, dass Harper nicht garantieren könne, dass sein Gremium das Geld
akzeptieren und dass es die Halle nach dem Spender benennen würde.

Danach verstärkte er den Wunsch des Straßenbahnleiters, dass diese Halle
nach ihm benannt würde, indem er seinen Feind und Wettbewerber als
möglichen Günstling ins Spiel brachte. Und Dr. Harper wusste auch, dass
eine der größten Schwächen des Menschen darin besteht, dass er seinen
Namen verewigt haben möchte.
All das verlangte die praktische Umsetzung des Gesetzes der Vorstellungskraft.
Dr. Harper war ein Verkäufer ersten Ranges. Wenn er jemanden um Geld
bat, ebnete er immer den Weg zum Erfolg, indem er dem Angesprochenen
einen guten Grund nannte, warum dieser Geld spenden sollte. Ein solcher
Grund musste den Vorteil herausstreichen, den der Spender daraus haben
würde. Oft war dies ein geschäftlicher Vorteil. Ein anderes Mal die Tatsache,
dass der Name des Spenders weiterleben würde. Aber immer ging Dr. Harper
bei seiner Geldsuche nach einem Plan vor, den er sorgfältig ausgearbeitet
hatte und den er mit Hilfe seiner Vorstellungskraft ausgeschmückt und
geglättet hatte.
Während sich die hier vorgestellte Erfolgsphilosophie noch in den „Kinderschuhen“
befand – lange, bevor sie in die Form eines systematischen Kurses
gekleidet worden war – hielt der Verfasser einmal in einer Kleinstadt in Illinonois
einen Vortrag über dieses Thema.
Im Publikum befand sich ein junger Lebensversicherungsvertreter, der erst
vor kurzem zu dieser Branche gestoßen war. Nachdem er meine Ausführungen
über die Vorstellungskraft gehört hatte, fing er an, diese Information
auf sein Problem zu übertragen, das er mit dem Verkauf von Versicherungspolicen
hatte. In diesem Vortrag sprach ich auch den Nutzen der vereinigten
Bemühungen an und dass Personen durch kooperative Anstrengungen
mehr Erfolge erreichen könnten.
Der junge Mann wurde daraufhin sofort aktiv und arbeite einen Plan aus,
der es ihm ermöglichte, die Kooperation einer Gruppe von Geschäftsleuten
zu erhalten, die in keiner Weise etwas mit der Versicherungsbranche zu tun
hatten.
Er suchte den wichtigsten Krämer in seiner Heimatstadt auf und traf mit
diesem eine Abmachung, dass er jedem Kunden, der pro Monat mindestens
für fünfzig Dollar Obst und Gemüse kaufte, eine Police über tausend Dollar
geben würde. Dann sorgte er dafür, dass die Leute von seiner Abmachung
erfuhren und brachte dem Krämer viele neue Kunden. Der Krämer hatte
neben seinem Laden ein großes und sauber geschriebenes Plakat angebracht,
auf dem seine Kunden über das Angebot der kostenlosen Versicherungspolice
informiert wurden. Auf diese Weise half er sich selbst, indem er
allen seinen Kundinnen und Kunden einen Anreiz bot, um sämtliche Käufe
bei ihm zu tätigen.
Als nächstes suchte dieser junge Versicherungsvertreter den Tankstellenpächter
auf und traf auch mit ihm die Abmachung, dass er allen Kunden, die
dort tankten oder Öl und andere Zubehörstoffe bei ihm kauften, versichern
würde.

Dann traf er mit dem führenden Speiselokal in der Stadt eine ähnliche Vereinbarung.
Diese Abmachung erwies sich für den Restaurantbesitzer im übrigen
als sehr rentabel, da er sofort eine Werbekampagne startete, in der er bekannt
gab, dass seine Speisen so rein, gesund und gut seien, dass jeder, der
sie zu sich nehme, länger lebe, weshalb er das Leben jedes Stammgastes mit
$ 1.000,— versichern würde.
Der Versicherungsvertreter suchte dann den örtlichen Bauunternehmer und
Immobilienmakler auf, um das Leben jeder Person, die von ihm ein Grundstück
oder eine Liegenschaft erwarb, so hoch zu versichern, dass der Restwert abgedeckt
war, sollte der Käufer vor Ablauf der Rückzahlungsfrist versterben.
Der betreffende junge Mann ist nun der Generalagent für eine der größten
amerikanischen Lebensversicherungsgesellschaften mit Hauptsitz in einer
der größten Städte in Ohio und sein Jahreseinkommen beträgt jetzt mehr als
$ 25.000,–.
Der Wendepunkt in seinem Leben kam, als er erdeckte, wie er das Gesetz
der Vorstellungskraft praktisch nutzen könne.
Auf seinen Plan gibt es kein Patent. Er kann ohne weiteres kopiert werden!
Wenn ich derzeit in der Versicherungsbranche tätig wäre, würde ich das
wohl tun und mich mit einer Gruppe von Automobilhändlern in verschiedenen
Städten verbünden. Auf diese Weise könnten sie mehr Autos absetzen und
gleichzeitig große Mengen an Versicherungspolicen verkaufen.
Sobald jemand gelernt hat, sich der schöpferischen Vorstellungskraft auf
praktische Weise zu bedienen, ist finanzieller Erfolg einfach. Ein Mensch, der
im ausreichenden Maße über Eigeninitiative und Führungsqualitäten verfügt,
und der die notwendige Vorstellungskraft mitbringt, kann das Vermögen der
Fünf- und Zehn-Cent-Läden verdoppeln, indem er für dieselbe Produktpalette,
wie sie jetzt in diesen Läden vertrieben wird, ein Marketingsystem entwickelt
und Verkaufsmaschinen einsetzt. Das wird ihm Personalkosten sparen und
seine Betriebskosten senken. Ein solches System kann ein „Renner“ werden!
Die Idee liegt Ihnen nun vor. An Ihnen liegt es, ob Sie sie aufgreifen wollen.

Fortsetzung folgt!