Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 5/8

Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 5/8

Es ist allgemein bekannt, dass ein verwöhnter Sprössling nur dann zu Sinnen
gebracht werden kann, wenn er gezwungen wird, sich um sich selbst zu kümmern.
Das fordert seine Vorstellungskraft und seine Entscheidungsfähigkeit

heraus; solange er keine Notwendigkeit dafür sieht, lässt er beide brach liegen.

P. W. Welshimer ist seit einem Vierteljahrhundert Pastor in einer Kirche in
Canton im Bundesstaat Ohio. In der Regel behalten Pastoren nicht so lange
den Vorsitz über eine Kirchengemeinde, und auch Reverend Welshimer würde
diese Ausnahmestellung nicht genießen, wenn er nicht seine Vorstellungskraft

mit seinen Aufgaben als Geistlicher kombiniert hätte.

Die Regelzeit für einen Pastor beträgt drei Jahre.
Die Gemeinde, der Reverend Welshimer vorsteht, hat eine Sonntagsschule

mit 5000 Mitgliedern; sie ist die größte ihrer Art.

Kein Pastor hätte mit der vollen Zustimmung der Gemeindemitglieder ein
Vierteljahrhundert lang in dieser Stellung verbleiben und eine Sonntagsschule
dieser Größenordnung aufbauen können, wenn er nicht die Gesetze der
Eigeninitiative und Führungsqualitäten, ein zentrales Ziel, Selbstbewusstsein

und Vorstellungskraft angewandt hätte.

Für den Verfasser dieses Kurses war Reverend Welshimer natürlich ein interessantes
Studienbeispiel und deshalb ist er dieser Sache nachgegangen, damit

die Teilnehmer dieses Kurses in den Nutzen der Erkenntnisse gelangen.

Es ist wohlbekannt, dass sich in Kirchengemeinden häufig Splittergruppen
herausbilden und es zu Eifersüchteleien kommt, die Diskrepanzen, die dies
mit sich zieht, erfordern dann eine Abberufung des bisherigen Oberhaupts.
Reverend Welshimer hat dieses weit verbreitete Hindernis durch sein Vorstellungsvermögen
umschifft. Sobald ein neues Mitglied zur Kirche stößt,
überträgt er ihm sofort eine klare Aufgabe, die zum Temperament, zur Vorbildung
und zu den Qualifikationen dieses Neulings passt. Auf diese Weise ist
das neue Kirchenmitglied so mit Gemeindeaufgaben beschäftigt, dass ihm

für Streiterein keine Zeit mehr bleibt.

Das ist nicht die schlechteste Vorgehensweise und sie lässt sich durchaus
auch auf andere gesellschaftliche Bereiche übertragen. Das alte Sprichwort,
wonach „Müssigang aller Laster Anfang“ ist, ist mehr als ein hübscher
Spruch, es enthält auch eine tiefe Wahrheit.
Der Mensch, der mit einer Aufgabe beschäftigt ist, die er gerne erledigt, wird
sich nicht als zersetzende Kraft erweisen. Falls ein Mitglied der Sonntagsschule
zweimal hintereinander nicht erscheint, wird es von einem Kirchenkomitee
aufgesucht, um den Grund für das Ausbleiben festzustellen. Praktisch
jedes Mitglied ist in irgendeinem „Komitee“. Auf diese Weise überträgt Reverend
Welshimer den Mitgliedern selbst die Verantwortung für das Funktionieren
der Schule und sorgt dafür, dass das Interesse wach bleibt. Er ist ein
Organisationstalent der höchsten Stufe. Seine Arbeit hat ihm die Aufmerksamkeit
von Geschäftsleuten im ganzen Land eingebracht und er kann sich
vor Angeboten nicht retten, bei Banken, in Stahlfabriken oder in Geschäftsbetrieben
leitende Positionen zu übernehmen. Er ist als Führungspersönlichkeit
anerkannt.

Im Keller von Reverend Welshimers Kirche gibt es eine tadellos eingerichtete
Druckerei, in der er einmal wöchentlich ein sehr beliebtes Kirchenblatt drucken
lässt, das an alle Mitglieder geht. Die Herstellung und Verteilung dieses
Blattes ist eine weitere Beschäftigungsquelle, das die Kirchenmitglieder davon
abhält, Unfug zu treiben und Unruhe zu stiften, da praktisch jedes Mitglied
aktiv daran mitwirkt.
Das Blatt widmet sich ausschließlich internen Angelegenheiten sowie Themen,
die mit einzelnen Mitgliedern zu tun haben. Es wird von jedem Mitglied
Zeile für Zeile gelesen, da man ja nie wissen kann, ob nicht der eigene Name
in diesem Blatt erscheint.
Die Kirche verfügt auch über einen gut ausgebildeten Chor und ein Orchester.
Hier sorgt Reverend Welshimer sowohl für Unterhaltung als auch dafür,
dass die temperamentvolleren Kirchenmitglieder, die über eine künstlerische
Ader verfügen, beschäftigt sind, damit keine Zwietracht gesät wird und jeder
das tun kann, was ihm am meisten zusagt.
Der vormalige Präsident der Universität von Chicago, der mittlerweile verstorbene
Dr. Harper, war zu seiner Zeit einer der effizientesten Hochschulpräsidenten.
Er hatte ein „Händchen“ für das Sammeln von Finanzmitteln in
großen Beträgen. So konnte er John D. Rockefeller zum Beispiel dazu bringen,

Millionen von Dollar für die Universität „locker zu machen“.

Für den Kursteilnehmer mag Dr. Harpers Technik interessant sein, denn er
war eine Führungspersönlichkeit ersten Grades. Ich habe aus seinem eigenen
Munde erfahren, dass diese Eigenschaft keineswegs ein Zufall war, sondern

vielmehr das Ergebnis einer sorgfältig geplanten Vorgehensweise.

Die folgende Begebenheit mag Ihnen veranschaulichen, wie Dr. Harper seine

Vorstellungskraft nutzte, um derartig große Beträge zu erhalten:

Für die Errichtung eines neues Gebäudes benötigte er eine zusätzliche Million
Dollar. Er erstellte eine Liste der wohlhabendsten Männer Chicagos und
überlegte sich, wen er ansprechen könnte. Dann entschloss er sich für zwei

Millionäre, die jedoch bitter verfeindet waren.

Einer dieser Männer war der damalige Leiter des Trambahnsystems von Chicago.
Harper wählte eine Mittagszeit, wenn die Büromitarbeiter und die Sekretärin
dieses Manns wahrscheinlich zum Essen außer Haus waren. Harper
erschien wie zufällig im Büro und ging durch das verwaiste Vorzimmer direkt

zum „Allerheiligsten“ hindurch, wo er den Mann unankündigt überraschte.

„Mein Name ist Harper“, sagte er, „ ich bin der Präsident der Universität von
Chicago. Entschuldigen Sie bitte mein Eindringen, aber es war niemand im
Vorzimmer (was kein Zufall war) und so nahm ich mir die Freiheit, einfach
durchzugehen.
Ich habe oft an Sie und Ihre Trambahnanlagen gedacht. Sie haben ein fantastisches
System aufgebaut und ich verstehe, dass das für Sie auch ein einträgliches
Geschäft war. Allerdings denke ich nie an Sie, ohne dass mir nicht
auch in den Sinn kommt, dass Sie eines Tages in dieses große unbekannte
jenseitige Reich reisen werden, und danach nichts mehr auf Ihren Namen
hindeuten wird. Andere werden dann Ihr Geld verwalten und wie Sie wissen,
Seite 245
http://www.ulrich-kloetzli.info
verliert das Geld seine Identität ziemlich rasch, sobald es einmal in anderer
Leute Hände ist.
Ich habe oft daran gedacht, Ihnen die Gelegenheit zu bieten, Ihren Namen zu
verewigen, indem ich Ihnen gestatte, auf dem Universitätsgelände eine neue
Halle zu errichten und sie nach Ihnen zu benennen. Ich hätte Ihnen diese
Gelegenheit auch schon lange geboten, wenn es nicht ein anderes Mitglied
des Gremiums (seinen Erzfeind) gäbe, das diese Ehre für sich beansprucht.
Persönlich war ich immer mehr Ihnen zugeneigt und bin das auch jetzt noch;
wenn Sie also einverstanden sind, werde ich versuchen, die Andersdenkenden

in diesem Sinne zu beeinflussen.

Wir können keine
Disteln säen und
Klee erwarten.
So funktioniert die
Natur nicht!
Die Natur funktioniert
nach Ursache
und Wirkung!

Ich bin heute nicht hier, um von Ihnen eine Entscheidung zu erbitten, aber
da ich gerade in der Nähe war, dachte ich, ich sollte Sie auf diese Umstände
aufmerksam machen.
Überlegen Sie sich die Sache einfach. Wenn Sie mit mir nochmals Rücksprache
nehmen wollen, dürfen Sie mich gerne zu jeder Ihnen gelegenen Zeit
anrufen.

Fortsetzung folgt!