Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 5/3

Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 5/3

Saunders war Gehilfe in einem kleinen Krämerladen. Eines Tages stand er
mit einem kleinen Tragekorb in der Hand in der Warteschlange und wartete
darauf, bis er an die Reihe käme, um ein paar Lebensmittel einzukaufen. Er
hatte noch nie mehr als $ 20,– die Woche verdient und seine Fähigkeiten
waren nie jemandem aufgefallen, aber irgendetwas ging in seinem Kopf vor,
das auf eine ungewöhnliche Fähigkeit hindeutete. Seine Vorstellungskraft war
am Arbeiten. Diese Vorstellungskraft verhalf ihm zur Selbstbedienungsidee
(wobei er nichts Neues schuf, sondern nur eine alte Idee auf eine neue Weise
nutzte). Diese Idee setze er im Krämerladen um. Es dauerte nicht lange, und
aus dem Clarence Saunders, der pro Woche zwanzig Dollar verdient hatte,
wurde der Leiter einer Filialkette, die ihn zu einem reichen Mann machte. Sein

Firmenlogo war ein rosa Schweinchen mit einem Ringelschwanz.

Wo sehen Sie hier etwas, das nicht auch Sie tun könnten?
Analysieren Sie diese Transaktion und nehmen Sie auch die übrigen Lektionen
zu Hilfe, Sie werden dann sehen, dass Clarence Saunders ein sehr klar
abgestecktes zentrales Ziel hatte. Dieses wurde von einem genügend ausgeprägten
Selbstbewusstsein getragen, das Ihm die Eigeninitiative verlieh, das
Ziel in Wirklichkeit umzusetzen.
Seine Vorstellungskraft war die Werkstatt, in der diese drei Voraussetzungen
– zentrales Ziel + Selbstbewusstsein + Eigeninitiative – zusammen gebracht
wurden und für den Kraftimpuls sorgten, damit der erste Schritt bei der Realisierung

der „Ringelschwanzschweinchen“-Kette getan werden konnte.

Das ist die Art und Weise, in der hervorragende Ideen Gestalt annehmen.
Als Thomas A. Edison die Glühlampe erfand, brachte er lediglich zwei alte
und gut bekannte Prinzipien zusammen und kombinierte sie neu. Mr. Edison
und praktisch allen anderen, die über das Thema des elektrischen Stroms
Bescheid wussten, war durchaus bekannt, dass Licht erzeugt werden könnte,
indem ein kleiner Draht elektrisch erhitzt wurde, die Schwierigkeit bestand
jedoch darin, dass der Draht dabei nicht verbrennen durfte. In der Hoffnung,
eine Substanz zu finden, die der enormen Hitze widerstehen würde, die zunächst
erzeugt werden müsste, bevor Licht entstehen könnte, probierte Mr.

Edison bei seinen Versuchen die unterschiedlichsten Drahtsorten aus.

Seine Erfindung war halb fertig, aber solange er das fehlende Glied, das ihm
die zweite Hälfte liefern müsste, nicht besaß, war sie ohne praktischen Wert.
Nach tausenden weiterer Versuche und vielen Neukombinationen alter Ideen
in seiner Vorstellungskraft, fand Edison endlich das fehlende Glied. Während
seines Physikstudiums hatte er – wie alle anderen Physikstudenten auch – gelernt,
dass keine Verbrennung stattfinden könne, wenn kein Sauerstoff vorhanden
ist. Er wusste natürlich, dass das Problem bei einem elektrischem
Lichtapparat darin bestand, dass es keine Methode gab, um die Hitze kontrollieren
zu können. Als ihm klar wurde, dass es ohne Sauerstoff kein Verbrennung
geben könne, setzte er den kleinen Draht seines elektrischen Lichtapparats
in einen Glaskolben, schloß den gesamten Sauerstoff aus und schon war

die Glühlampe geboren!

Wenn heute abend die Sonne untergeht, begeben Sie sich zur Wand, legen
einen Schalter um und schon befinden Sie sich wieder in einem hell erleuchteten
Zimmer. Vor wenigen Generationen noch hätte diese Tatsache die Menschen
in Aufregung und Erstaunen versetzt, und doch ist nichts Mystisches
an diesem Vorgang. Dank der Vorstellungsgabe eines Herrn Edison haben
Sie sich lediglich zweier Prinzipien bedient, die es immer schon gab!

Niemand, der Andrew Carnegie näher kannte, bescheinigte ihm irgendwelche
außergewöhnlichen Fähigkeiten oder gar eine geniale Begabung – mit
einer einzigen Ausnahme: Er war in der Lage, Männer auszuwählen, die im
Geiste der Harmonie mit ihm zusammen arbeiten konnten und wollten!
Welche Fähigkeit hätte er darüber hinaus denn noch benötigt, um seine Dollarmillionen

anzuhäufen?

Jeder Mensch, der das Prinzip des organisierten Energieeinsatzes versteht
– wie dies bei Carnegie der Fall war – und genügend Menschenkenntnis besitzt,
um die Männer auszusuchen, die er für eine bestimmte Aufgabe benötigt,

kann das nachmachen, was Carnegie vorgemacht hat!

Carnegie war ein Mann mit Vorstellungskraft. Er setzte sich erst ein zentrales
Ziel und umgab sich dann mit Männern, die über das Fachwissen, die
Ausbildung und die Vision verfügten, um dieses Ziel zu verwirklichen. Carnegie
erstellte die Pläne für sein zentrales Ziel nicht immer selbst. Er sorgte
dafür, dass andere wussten, was er wollte, dann suchte er die Mitarbeiter
zusammen, die die Pläne für ihn ausarbeiteten. Das war mehr als Vorstellungsvermögen,

das war Genialität des höchsten Grades!

Männer von Schlage Carnegies sind jedoch nicht die einzigen, die sich ihrer
Vorstellungskraft auf lohnende Weise bedienen können. Diese große Kraft
steht dem Neueinsteiger in das Geschäftsleben ebenso zur Verfügung wie

dem Mann, der es bereits „geschafft“ hat.

Eines Morgens war der Privatwagen von Charles M. Schwab in seinem Stahlwerk
in Bethlehem geparkt. Als er aus seinem Wagen ausstieg, kam ihm ein
junger Stenograph entgegen und kündigte an, dass er sicher stellen wollte,
dass alle Briefe und Telegramme, die Mr. Schwab diktieren wollte, unverzüglich
in Angriff genomen würden. Niemand hatte diesem jungen Mann den
Auftrag erteilt, sofort zur Stelle zu sein, aber er verfügte über genügend
Vorstellungskraft, um zu sehen, dass dies seinem beruflichen Fortkommen
sicherlich nicht abträglich sein würde. Von diesem Tag an war dieser junge
Mann für die Beförderung „vorgemerkt“. Mr. Schwab wählte ihn für die Beförderung
aus, weil dieser Mann etwas getan hatte, was Dutzende anderer
Stenographen in diesem Stahlwerk ebenfalls hätten tun können, aber nicht
getan hatten. Heute ist dieser junge Mann der Präsident eines der weltgrößten

Arzneimittelherstellers.

Vor einigen Jahren erhielt ich einen Brief von einem jungen Mann, der gerade
das Business College abgeschlossen hatte. Er suchte bei mir eine sichere Beschäftigung.
Seinem Brief lag eine nagelneue Zehn-Dollar-Note bei, die noch
niemals gefaltet oder zerknittert worden war. Das Bewerbungsschreiben

hatte folgenden Inhalt

„Ich habe vor kurzem einen Handelskursus an einem der bedeutendsten Business Colleges
absolviert und ersuche um eine Position in Ihrem Geschäft, da es für einen jungen
Berufsanfänger wie mich äußerst erstrebenswert ist, das Berufsleben unter der Führung

eines Mannes wie Sie zu beginnen.

Sofern Ihnen der beigefügte Zehn-Dollar-Schein angemessen erscheint, um mich eine
Woche lang einzuweisen, darf ich Sie bitten, diesen zu akzeptieren. Ich werde dann den
ersten Monat unentgeltlich arbeiten und überlasse es Ihnen, danach das Gehalt festzulegen,

das Ihnen meinem Wert entsprechend angemessen erscheint.

Ich bin an dieser Position sehr interessiert und bin gerne bereit, alle zumutbaren Opfer
zu bringen.“

Dieser junge Mann erhielt seine Chance. Sein Vorstellungsvermögen verschafft
ihm die gewünschte Gelegenheit und bevor der erste Monat um war,
bot ihm der Präsident einer Lebensversicherungsgesellschaft, der von diesem
Vorfall gehört hatte, eine gut bezahlte Stelle als Privatsekretär an. Heute
ist er leitender Mitarbeiter in einer der größten Lebensversicherungsgesellschaften

der Welt.

Vor einigen Jahren erhielt auch Thomas A. Edison ein Bewerbungsgesuch.
Aus irgendwelchen Gründen antwortete Edison nicht. Der Bewerber ließ sich
davon nicht entmutigen, und war fest entschlossen, von Edison eine Antwort
zu erhalten. Wichtiger aber noch ist, dass er ebenso fest entschlossen war,
die Stelle zu bekommen. Er wohnte weit entfernt von West Orange, New
Jersey, wo Edison beheimatet war, er verfügte jedoch nicht über genügend
Geld, um sich die Bahnfahrt leisten zu können. Aber über eines verfügte er
durchaus: über Vorstellungskraft!
Er fuhr in einem Frachtzug nach West Orange, erhielt sein Vorstellungsgespräch,

erzählte seine Geschichte und – wurde angestellt!

Heute lebt dieser Mann in Bradentown in Florida. Aus dem aktiven Geschäftsleben
hat er sich zurückgezogen, da er bereits genügend Geld verdient hat,

um sich zur Ruhe zu setzen. Sein Name ist Edwin C. Barnes.

Mr. Barnes nutzte sein Vorstellungsvermögen und erkannte den Nutzen einer
engen Zusammenarbeit mit einem Mann wie Thomas A. Edison. Er sah,
dass ihm eine solche geschäftliche Verbindung die Gelegenheit geben würde,
Mr. Edison zu studieren und ihn gleichzeitig auch mit dem Geschäftsfreunden
Edisons in Kontakt bringen würde, die zu den einflussreichsten Männern der

Welt zählten.

Dies sind nur einige wenige Fakten, die ich persönlich miterleben konnte und
die mir gezeigt haben, wie weit es ein Mensch bringen kann, der seine Vorstellungskraft

aktiv nutzt!

Der Name Theodore Roosevelt ist für alle Zeiten in den Geschichtsbüchern
vermerkt und dabei sticht nur eine einzige Handlung während seiner Zeit als
amerikanischer Präsident hervor. Alles, was er danach vollbracht hat, verblasst
dagegen, aber dass er ein Mann mit Vorstellungskraft war, ist unbestritten.

Er setzte die Route des Panama-Kanals durch.

Jeder amerikanische Präsident, von Washington bis Roosevelt, hätte diesen
Kanal beginnen und fertigstellen können, aber die Aufgabe schien zu kolossal,
um durchsetzbar zu sein. Sie erforderte einen Mann mit Vorstellungsvermögen
und Mut. Roosevelt verfügte über beide Eigenschaften und der Kanal ist

nun Wirklichkeit.

Im Alter von vierzig Jahren – dem Alter, in dem die meisten Männer anfangen,
sich für zu alt zu halten, um etwas Neues zu beginnen – saß James J. Hill immer
noch am Telegraphenpult und verdiente $ 30,– pro Monat. Kapital hatte
er keines. Einflussreiche Freunde mit Kapital hatte er ebenso wenig.
Aber er hatte …

Vorstellungskraft!

Fortsetzung folgt!