Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 4/7

Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 4/7

Akzeptieren Sie die Schmach; versuchen Sie nicht, sie auf Untergebene
abzuwälzen, dies wäre feige. Sie brauchen auch moralischen Mut, um
über das Los der Ihnen Unterstellten zu entscheiden. Sie werden häufig in
die Lage kommen, darüber entscheiden zu müssen, ob jemand befördert
oder degradiert werden sollte.

Achten Sie sehr auf Ihre persönliche Integrität und die Pflicht, Ihrem Land
gegenüber. Lassen Sie sich durch persönliche Freundschaften nicht von
Ihrem Gerechtigkeitssinn abbringen. Falls Ihr eigener Bruder Ihr Sekundant
ist und Sie ihn für diese Aufgabe als nicht tauglich erachten, berufen
Sie ihn ab. Falls nicht, kann dieser Mangel an moralischem Mut viele Menschenleben
kosten.

Falls Ihnen andersherum eine Beförderungsempfehlung für einen Mann
vorliegt, den Sie aus persönlichen Gründen nicht ausstehen können, lassen
Sie ihm Recht widerfahren. Denken Sie daran, dass es um das Allgemeinwohl
geht, nicht um die Begleichung einer persönlichen Rechnung.

Dass Sie physischen Mut haben, unterstelle ich. Ich brauche Ihnen nicht zu
sagen, wie wichtig und notweniger dieser ist. Mut ist mehr als Unerschrockenheit
und Tapferkeit. Unerschrockenheit ist das Fehlen von Angst. In
diesem Sinne kann jeder Einfaltspinsel tapfer sein, weil es ihm an der Intelligenz
fehlt, die Gefahr richtig einschätzen zu können. Er kennt sie nicht
und deshalb zeigt er keine Furcht.

Mut jedoch ist eine geistige Stärke und Festigkeit, ein moralisches Rückgrad.
Die Gefahr wird durchaus gesehen und erkannt, dennoch gibt es kein
Zurückweichen. Tapferkeit ist etwas Physisches; Mut ist etwas Geistiges
und Moralisches. Vielleicht zittern Ihnen die Hände, Ihre Beine fangen zu
Schlottern an, Ihre Knie werden weich, wenn Sie dennoch nach vorne gehen,
zeigen Sie Mut. Die körperlichen Erscheinungen der Angst werden
sich legen. Sie werden sie nie wieder zu spüren kriegen. Sie sind eine Art
„Lampenfieber“, lassen Sie sich hiervon nicht ins Bockshorn jagen!

Vor mehreren Jahren, als ich an einem Lehrgang für Bauabrisse teilnahm,
wurde in dieser Gruppe auch mit Dynamit hantiert. Der Kursleiter sagte
uns in diesem Zusammenhang: „Meine Herren, ich darf Sie darauf hinweisen,
mit solchem Sprengstoff sehr vorsichtig umzugehen. Wenn Sie hier
einen Unfall haben, dann nur ein einziges Mal!“ In diesem Sinne möchte ich
auch Ihnen eine Warnung aussprechen. Falls Sie Ihrer Angst nachgeben,
wird Sie sie zweifellos fest im Griff behalten. Wenn Sie Ihre Männer nach
vorne schicken, während Sie sich im Granattrichter ducken, werden Sie
nie mehr die Chance erhalten, diese Männer anzuführen.

Setzen Sie Ihr Urteilsvermögen ein, wenn Sie von Ihren Männern physischen
Mut verlangen. Verlangen Sie von niemandem, dass er irgendwo
hin gehen soll, wo Sie nicht auch selbst hingehen würden! Falls Ihnen Ihr
gesunder Menschenverstand sagt, dass diese Stelle zu gefährlich für Sie
ist, ist sie auch für ihn zu gefährlich. Sein Leben ist ebenso wertvoll wie das
Ihrige!

Ab und zu müssen Sie einige Ihrer Männer einer Gefahr aussetzen, ohne
selbst beteiligt zu sein. Es muss eine Nachricht durch das Sperrfeuer gebracht
werden. Sie rufen nach Freiwilligen.

Falls Ihre Männer Sie kennen und wissen, dass Sie „in Ordnung“ sind, wird
es Ihnen nie an Freiwilligen mangeln; sie wissen, dass Sie Ihr Bestes geben,
dass Sie die Nachricht auch selbst überbringen würden, wenn Sie könnten.
Ihr Beispiel und Ihre Begeisterung werden sie angesteckt haben!

Und schließlich ist noch zu sagen, dass Sie Ihre Männer studieren müssen,
wenn Sie die Führung anstreben.

Finden Sie heraus, aus welchem Holz sie geschnitzt sind. Manche sind
völlig anders als es der Anschein vermuten lässt. Versuchen Sie, dahinter
zu kommen, wie sie denken.

Ein Großteil der Erfolge von General Robert E. Lee als Führungspersönlichkeit
ist auf seine Fähigkeiten als Psychologe zurück zu führen. Er kannte die
meisten seiner Gegner aus seiner Zeit in West Point. Er wusste, wie sie
dachten. Und er ging davon aus, dass sie sich unter gewissen Umständen
auf bestimmte Art und Weise verhalten würden. Er konnte fast immer
vorhersehen, wie sie sich bewegen würden und war deshalb in der Lage,
ihnen den Weg abzuschneiden.

Ihren Gegner werden Sie nicht auf dieselbe Weise kennen. Aber Sie kennen
Ihre eigenen Leute. Sie können jeden Einzelnen studieren, um herauszufinden,
wo seine Stärken und Schwächen liegen. Auf wen Sie sich verlassen
können und auf wen nicht.

Lernen Sie Ihre Männer kennen, wissen Sie Bescheid und lernen Sie sich
selbst kennen!

In der gesamten Literatur werden Sie keine bessere Beschreibung von Führungsqualitäten
finden als hier. Übertragen Sie diese Ausführungen auf sich
selbst, auf Ihren Beruf, auf Ihr Geschäft, und Sie werden rasch erkennen,
dass sie Ihnen als Leitschnur dienen kann.

Die Ansprache von Mayor Bach sollte in jeder höheren Schule vermittelt werden.
Jeder Mensch, der irgendwo in leitender Stellung ist, kann daraus Nutzen
ziehen.

In Lektion zwei haben Sie vom Wert eines zentralen Ziels erfahren. Bedenken
Sie bitte, dass Ihr Ziel aktiv sein muss, ein passives bringt Sie nicht weiter.
Ein zentrales Ziel oder Anliegen bleibt lediglich ein frommer Wunsch, solange
Sie nicht auch ein Mensch voller Eigeninitiative sind und dieses Ziel aktiv und
beharrlich weiterverfolgen, bis Sie es erreicht haben.

Ohne Beharrlichkeit können Sie nirgendwo ankommen. Diese Tatsache
kann gar nicht oft genug wiederholt werden.

Der Unterschied zwischen Beharrlichkeit und dem Mangel daran entspricht
dem Unterschied zwischen bloßem Wollen und der positiven
Entscheidung, es zu erhalten!

Um ein Mensch mit Eigeninitiative zu werden, müssen Sie sich angewöhnen,
Ihr zentrales Ziel aktiv und beharrlich solange zu verfolgen, bis Sie es erreicht
haben – egal, ob Sie dazu ein Jahr oder zwanzig Jahre brauchen! Falls
Sie diesen ständigen Einsatz nicht zu bringen bereit sind, können Sie genauso
gut auf ein zentrales Ziel verzichten!

Solange Sie nicht täglich praktische Schritte unternehmen, die Sie Ihrem zentralen
Ziel näher bringen, schöpfen Sie diesen Kursus nicht genügend aus.
Reden Sie sich nicht ein – oder lassen sich einreden -, dass Sie Ihr zentrales
Ziel auch so erreichen würden, wenn Sie nur einfach abwarten. Die Verwirklichung
erfolgt aufgrund Ihres eigenen Entschlusses, unterstützt von Ihren
sorgfältig ausgearbeiteten Plänen, und Ihrer Eigeninitiative bei der Umsetzung
dieser Pläne – oder sie kommt nie!

Eine der wichtigsten Führungsvoraussetzungen ist die Fähigkeit, rasche und
feste Entscheidungen zu treffen!

Die Untersuchung von über 16.000 Personen hat erbracht, dass Führer immer
Personen sind, die selbst bei Kleinigkeiten rasch entscheiden können,
während Mitläufer niemals zu raschen Entscheidungen fähig sind.

Dies ist ein wichtiger Punkt!

Der Mitläufer weiß in den seltensten Fällen, was er eigentlich will. Er schwankt,
er zaudert, er schiebt Aufgaben vor sich her und windet sich solange um Entscheidungen
herum, auch wenn sie nur Banales betreffen, bis ihn der Führer
dazu anstößt.

Zu wissen, dass die meisten Menschen zu raschen Entscheidungen nicht in
der Lage sind, ist für die Führungspersönlichkeit, die weiß, was sie will und
einen Plan für die Verwirklichung hat, von großer Hilfe.

Wir sehen hier, wie eng die beiden Gesetze aus Lektion zwei und aus der
vorliegenden Einheit zusammen hängen. Die Führungspersönlichkeit arbeitet
nicht nur mit einem zentralen Ziel, sondern verfügt auch über einen sorgfältig
ausgearbeiteten Plan zu dessen Erreichung. Auch das Prinzip des Selbstbewusstseins
spielt im Handwerkszeug der Führungspersönlichkeit eine große
Rolle.

Der wesentliche Grund, warum der Mitläufer keine Entscheidungen fällen
kann, liegt an seinem mangelnden Selbstbewusstsein. Jede Führungspersönlichkeit
bedient sich des Gesetzes des zentralen Ziels, des Gesetzes des
Selbstbewusstseins und des Gesetzes von Eigeninitiative und Führungsqualitäten.
Falls es sich um eine außergewöhnliche Führungspersönlichkeit handelt,
muss sie darüber hinaus auch die Gesetze der Vorstellungskraft, der Begeisterung,
der Selbstdisziplin, eines angenehmen Wesens, eines genauen
Denkens, der Konzentration und Toleranz anwenden. Ohne den kombinierten
Einsatz all dieser Gesetze kann niemand eine außergewöhnliche Führungspersönlichkeit
werden. Wird auch nur ein einziges dieser Gesetze missachtet, so
schmälert dies die Macht der Führungspersönlichkeit dementsprechend.

Ein Außendienstmitarbeiter der LaSalle Extension University suchte in einer
Kleinstadt im Westen einen Immobilienmakler auf, um diesem Makler einen
Fernkursus für Verkaufswesen und Management zu verkaufen.

Fortsetzung folgt!