Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 4/6

Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 4/6

Aber auch wenn Sie es nicht wiedersehen sollten, war es den Einsatz
wert!

Wenn ich sage, dass „Bevaterung“ für die Führung wichtig ist, verwende
ich diesen Ausdruck in seiner besseren Bedeutung. Ich spreche nicht von
einer Bevormundung, die den Männern ihre Eigeninitiative, Selbständigkeit
und Selbstachtung raubt. Ich meine eine „Vater-Rolle“, die darauf achtet,
dass Ihre Unterstellten Behaglichkeit und Trost erfahren.

Behüten Sie Ihre Soldaten so wie Ihre Kinder. Achten Sie darauf, dass
sie Unterkunft, Nahrung und Kleidung haben, soweit dies unter den gegebenen
Umständen möglich ist. Ihre Männer sollten essen, bevor Sie es
tun. Ihr Bett sollte ebenso gut sein wie Ihres. Stellen Sie ihren Komfort vornean.

Achten Sie auf ihre Gesundheit. Sie müssen Stärke verlangen, aber
keine unnötige Überanstrengung oder sinnlosen Einsätze.
Auf diese Weise hauchen Sie Ihrer Truppe Leben ein. Falls Sie das nicht
tun, haben Sie lediglich Arbeitsmaschinen unter sich. Ihr Verhalten wird
dazu führen, dass Ihre Mannschaft wie „ein Mann“ hinter Ihnen steht. Das
ist wahrer Mannschaftsgeist.

Wenn Ihre Truppe diesen Mannschaftsgeist besitzt, werden Sie eines
Tages erwachen und feststellen, dass sich das Blatt gewendet hat, dass
sich jetzt nicht mehr Sie um das Wohl Ihrer Männer kümmern, sondern
diese auf Ihr Wohl achten. Dazu war kein einziger Hinweis von Ihnen nötig.

Sie werden bemerken, dass irgendeine Kleinigkeit immer in Ihrem Zelt
ist, wenn Sie sie brauchen, und dass Ihnen immer die saubersten Laken
gebracht werden. Es wird Ihnen immer ein Mann zur Hand gehen, wenn
Sie Ihr Pferd herrichten und Ihre Wünsche werden in Windeseile erfüllt.
Wenn Sie das erleben, haben Sie es geschafft!

Sie können nicht alle über einen Kamm scheren. Eine Strafe, die der eine
mit einem Achselzucken abtut, ist für den nächsten eine schwere Bürde.
Ein Kompaniehauptmann, der für ein bestimmtes Fehlverhalten eine Allerweltsstrafe
einführt, ist entweder zu nachlässig oder zu dumm, um die
unterschiedliche Persönlichkeit seiner Männer zu erkennen.
Studieren Sie Ihre Männer sorgfältig, genauso wie ein Chirurg einen
schwierigen Fall studiert. Und wenn Sie sich Ihrer Diagnose sicher sind,
wenden Sie das entsprechende Heilmittel an. Bedenken Sie auch, dass
Sie das Mittel einsetzen, um eine Heilung herbeizuführen, und nicht, um
ein Opfer leiden zu sehen. Ein tiefer Schnitt mag notwendig sein, und wenn
Sie sicher sind, dass Ihre Diagnose stimmt, dann lassen Sie sich nicht von
falschem Mitleid für den Patienten zurückhalten.

Hand in Hand mit Fairness bei der Verhängung von Strafen geht auch die
Fairness, wenn es darum geht, Anerkennung zu zollen. Wenn einer Ihrer
Männer ein besonders vorbildliches oder anerkennungswürdiges Verhalten
gezeigt hat, dann lassen Sie ihm auch die gebührende Belohnung zukommen.
Stellen Sie alles auf den Kopf, um ihm diese Belohnung zu geben.
Missgönnen Sie sie ihm nicht und versuchen Sie nicht, das Lob für sich
einzustreichen. Sie mögen damit durchkommen, aber Sie werden den Respekt
und die Loyalität Ihrer Männer dafür einbüßen. Früher oder später
kommt es einem Ihrer Offizierskollegen zu Ohren und er wird Sie wie einen
Aussätzigen meiden. Geben Sie Ihrem Untergebenen, was ihm zusteht.

Wer nur nimmt und niemals gibt, ist kein Führer. Er ist ein Schmarotzer.

Es gibt noch eine weitere Art von Fairness – jene, die einen Offizier davon
abhält, die Privilegien seines Dienstgrades auszunutzen. Wenn Sie von Ihren
Soldaten Respekt verlangen, achten Sie darauf, dass Sie sie ebenfalls
mit Respekt behandeln. Bauen Sie ihre Selbstachtung auf. Versuchen Sie
nie, sie herunterzuziehen!

Ein im Umgang mit seinen Männern anmaßender und beleidigender Offizier
ist ein Feigling. Er fesselt den Mann mit dem Seil der Disziplin an einen
Baum und schlägt ihn dann ins Gesicht, wohlwissend, dass der andere
nicht zurückschlagen kann.

Rücksichtnahme, Höflichkeit und Respekt von Offizieren ihren Männern
gegenüber vertragen sich durchaus mit Disziplin. Sie sind Teil unserer Disziplin.
Ohne Eigeninitiative und Entscheidungskraft kann niemand führen.

Im Manöver werden Sie in einer Notsituation häufig sehen, dass einige
Männer ruhig sofort Befehle erteilen, die sich nachträglich bei der Auswertung
zwar nicht als das hundertprozentig Richtige, aber doch als ziemlich
richtig erweisen. Sie werden auch andere Männer sehen, die ziemlich
durcheinander geraten, ihre Gehirne verweigern ihnen den Dienst oder
sie erteilen hastige Befehle, nehmen sie zurück, erteilen den nächsten,
widerrufen auch diesen, kurzum, man sieht ihnen an, dass sie Bammel
haben.

Bezüglich der ersten Situation sagen Sie vielleicht: „Dieser Mann ist ein Genie.
Er hatte kein Zeit, um die Dinge zu durchdenken, er handelte intuitiv“.
Vergessen Sie das! Genialität ist lediglich die Fähigkeit, unendliches Leid
auf sich zu nehmen. Der einsatzbereite Mann hatte sich gut vorbereitet.
Er hat im Vorfeld alle eventuellen Situationen geistig durchgespielt. Er hat
Einsatzpläne gemacht. Wenn er mit einer Notsituation konfrontiert wird,
ist er bereit, sich ihr zu stellen. Er ist wachsam genug, um das Problem
zu erkennen und verfügt über ein rasches Reaktionsvermögen, so dass er
schnell entscheiden kann, welche Änderungen in seinem bisherigen Plan
nötig sind. Er hat auch die Fähigkeit, die Umsetzung anzuordnen und dabei
zu bleiben.

In einer Notsituation ist jeder vertretbare Befehl besser als gar keiner.
Die Situation ist gegeben, stellen Sie sich ihr! Es ist besser, etwas zu tun
und daneben zu liegen als zu zögern, nicht zu wissen, was das Richtige
ist, und letztendlich gar nichts zu tun. Wenn Sie sich für eine Richtung
entschieden haben, bleiben Sie dabei. Fahren Sie keinen Zick-Zack-Kurs.
Männer haben kein Vertrauen in einen Vorgesetzten, der seinem eigenen
Verstand nicht traut.

Gelegentlich werden Sie sich in einer Situation wiederfinden, die niemand
vorhersehen konnte. Falls Sie sich auf andere Notsituationen vorbereitet
haben, wird Sie dieses geistige Training in die Lage versetzen, rasch und
ruhig zu reagieren.

Häufig müssen Sie ohne Befehle von oben handeln. Es ist keine Zeit, um
auf höhere Befehle zu warten. Hier kommt Ihnen das Studium der Arbeit
Ihrer Vorgesetzten zugute.

Falls Sie die Situation richtig einschätzen können und den generalstabsmäßigen
Plan Ihrer Vorgesetzten in großen Zügen kennen, wird Sie dieses
Wissen, zusammen mit Ihrer Notfallausbildung, in die Lage versetzen, die
Verantwortung zu übernehmen und die notwendigen Befehle unverzüglich
zu erteilen.

Das Element der persönlichen Würde ist für die militärische Führung
ebenfalls unerlässlich. Gehen Sie freundschaftlich mit Ihren Männern um,
aber lassen Sie sich nicht auf plumpe Vertraulichkeiten ein. Ihre Männer
sollten Sie respektieren – nicht fürchten! Falls Ihre Männer damit angeben,
wie vertraut Sie miteinander umgehen, ist es Ihr Fehler, nicht der Ihrer
Soldaten. Sie haben sie dazu ermuntert. Und vor allem sollten Sie sich bei
niemandem einschmeicheln. Man wird Sie verachten – zu Recht! Falls Sie
ihre Loyalität und ihren Respekt verdient haben, erhalten Sie diese auch,
ohne darum zu winseln. Falls nicht, können Sie tun, was Sie wollen – es wird
Ihnen nichts nützen.

Es ist sehr schwer für einen Offizier, Würde zu bewahren, wenn er eine
verschmutzte Uniform und einen Drei-Tage-Bart trägt. Einem solchen
Mann mangelt es an Selbstachtung. Und Selbstachtung ist ein wichtiger
Bestandteil von Würde.

Es mag durchaus Situationen geben, in denen es nicht ohne schmutzige
Kleider und ein unrasiertes Gesicht geht. Alle anderen werden ebenfalls
so aussehen. In diesen Zeiten gibt es einen offensichtlichen Grund hierfür.
Hier wäre es sogar ein Fehler, zu sauber einher zu kommen, man würde
annehmen, dass Sie nur als Zuschauer dabei wären. Sobald diese Sondersituation
jedoch ausgestanden ist, sollten Sie auch im Bereich der Sauberkeit
wieder ein Beispiel setzen.

Dann möchte ich noch auf das Thema Mut zu sprechen kommen. Sie
brauchen sowohl moralischen wie auch geistigen Mut. Die Art von moralischem
Mut, der es Ihnen gestattet, einen einmal eingeschlagenen Weg
weiterzugehen, sofern Sie Ihr Urteilsvermögen dazu angeleitet hat, diesen
Weg als den optimalen zur Erreichung Ihres Ziels zu wählen.

Sie werden nicht selten feststellen, dass Sie nach der Erteilung eines Befehls
nachträglich Zweifel beschleichen. Sie werden bessere Möglichkeiten
erkennen – oder zu erkennen meinen – und Ihnen werden andere Mittel und
Wege einfallen. Das wird Sie dazu drängen, Ihre Befehle nochmals zu revidieren.
Tun Sie dies nur, wenn Sie eindeutig sicher sind, dass Ihre vorherigen
Befehle radikal falsch waren. Falls Sie sich nicht sicher sind, werden
Ihnen bei Ihren Berichtigungsbefehlen erneut Zweifel kommen.

Jedes Mal, wenn sie Ihre Befehle ohne offensichtlichen Grund ändern,
schwächen Sie Ihre Autorität und untergraben das Vertrauen, das Ihre
Männer in Sie setzen. Haben Sie den moralischen Mut, zu Ihren Befehlen
zu stehen und sie durchzusetzen!

Der moralische Mut verlangt des Weiteren, dass Sie die Verantwortung
für Ihr Handeln übernehmen. Falls Ihre Untergebenen Ihre Befehle loyal
ausgeführt haben und sich die von Ihnen angewiesene Bewegung als verkehrt
herausstellt, ist es Ihr Fehler – nicht der Ihrer Männer. Wäre es andererseits
der richtige Zug gewesen, wäre das Verdienst Ihnen zugefallen.

Fortsetzung folgr!