Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 4/5

Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 4/5

Diese Männer sind gerne bereit, Ihnen zu folgen, aber nur dann, wenn Sie
über diese Qualitäten verfügen. Sobald sie sich davon überzeugt haben,
könnten Sie den Dienst ebenso gut quittieren.
Sie haben dann Ihre Aufgabe erfüllt.

(Wie wahr dies ist und auf alle Bereiche des Führungswesens zutrifft!)

Aus gesellschaftlicher Sicht betrachtet, ließe sich die Welt in Führer und
Gefolgsleute einteilen. Jede Sparte hat Leute, die an der Spitze stehen.
Eine Führungsrolle macht es immer schwierig, wenn nicht gar unmöglich,
vom Element der vorbildlichen Führung die selbstsüchtige Nabelschau abzutrennen,
durch die jede Führung ihren Wert verlöre.

Nur beim Wehrdienst opfern Männer ihr Leben für eine Grundeinstellung,
sind Männer bereit, für das Recht oder die Vermeidung von Unrecht zu
leiden und zu sterben. Wenn ich Führung sage, meine ich deshalb militärische
Führung.

In wenigen Tagen werden die meisten von Ihnen als Offiziere vereidigt werden.
Damit werden Sie noch nicht zu Führungskräften, Sie werden lediglich
Offiziere. Sie gelangen damit jedoch in Positionen, in denen Sie Führungskräfte
werden können, sofern Sie über die notwendigen Voraussetzungen
verfügen. Aber Sie müssen Ihre Sache gut machen, nicht so sehr im Ungang
mit Ihren Vorgesetzten, sondern mehr mit Ihren Untergebenen.

Männer folgen auch Offizieren in die Schlacht, die keine Führungspersönlichkeiten
sind, aber bei diesen Männern ist die treibende Kraft nicht Begeisterung,
sondern Disziplin. Diese Männer gehen zaghaft und zitternd
voran und stellen sich insgeheim die Frage: „Wer weiß, was er als nächstes
vorhat?“ Solche Männer führen die Vorschriften aus, aber nicht mehr.
Von Loyalität ihrem Kommandanten gegenüber, von überschwänglicher
Begeisterung, wissen sie nichts. Sie werden von ihren Beinen getragen,
weil ihnen ihr Verstand und ihre Ausbildung sagen, dass sie gehen müssen.
Innerlich sind sie nicht bei der Sache.

Große Ergebnisse werden nicht von kalten, passiven und anteilslosen Soldaten
erreicht. Diese Männer gehen nicht sehr weit und bleiben stehen,
sobald sie können. Führung verlangt nicht nur die bereitwillige, unbedenkliche
und unbeugsame Gefolgschaft und Loyalität anderer Männer, sie erhält
sie auch, und darüber hinaus eine Hingabe, die sie dazu treibt, ihrem
ungekrönten König in die Hölle und wieder zurück zu folgen, wenn es denn
nötig sein sollte.

Sie werden sich fragen: „Woraus besteht denn nun diese Führungsqualität?
Was muss ich tun, um zu führen? Welche Eigenschaften brauche ich
und wie eigne ich sie mir an?“

Führerschaft ist ein Verbund aus einer Reihe von Eigenschaften (so wie
Erfolg ein Verbund aus den fünfzehn hier beschriebenen Faktoren ist). Als
die wichtigsten möchte ich Selbstbewusstsein, moralische Unbedenklichkeit,
Aufopferungsbereitschaft, „Bevaterung“, Fairness, Eigeninitiative, Entscheidungsfähigkeit,
Würde und Mut nennen.

Selbstbewusstsein ist vor allem die Folge eines exakten Wissens, gefolgt
von der Fähigkeit, dieses Wissen vermitteln zu können.

An dritter Stelle folgt die Überlegenheit, welche sich hieraus naturgemäß
ergibt. Dies zusammen verleiht dem Offizier Selbstsicherheit und ein sicheres
Auftreten. Um führen zu können, müssen Sie Bescheid wissen! Sie
können Ihre Männer eine Zeitlang hinters Licht führen, aber nicht die ganze
Zeit! Die Männer werden einem Offizier nur dann ihr Vertrauen schenken,
wenn dieser weiß, was er tut – und zwar gründlich!

Der Offizier sollte vom Papierkram mehr verstehen als der Hauptfeldwebel
und der Kompanieführer zusammen; er sollte besser über die Küche Bescheid
wissen als der Küchenbulle, er sollte mehr über Pferdekrankheiten
wissen als der Hufschmied der Truppe. Und er sollte ein mindestens ebenso
guter Schütze sein wie jeder andere in seiner Kompanie.

Falls der Offizier nicht Bescheid weiß – und dies offensichtlich zeigt -, wird
sich der Soldat sagen: „Zum Teufel mit ihm. Der weiß ja noch weniger als
ich!“ und seine Weisungen in den Wind schlagen.

Bescheid zu wissen, ist das A und O. Daran geht kein Weg vorbei!

Informieren Sie sich so gut, dass Ihnen die Männer Löcher in den Bauch
fragen, dass sich Ihre Offizierskollegen zuraunen: „Eins muss man dem
Smith lassen, er weiß Bescheid!“

Jeder Offizier sollte nicht nur die Aufgaben seines eigenes Dienstgrades
kennen, sondern auch die beiden ihm übergeordneten Dienstgrade studieren.

Dies bringt ihm einen zweifachen Vorteil: Er bereitet sich auf Aufgaben
vor, die im Gefecht auf ihn zukommen könnten, und er erweitert seinen Horizont.
Dies befähigt ihn, die Notwendigkeit für die Erteilung von Befehlen
zu erkennen und ihre Ausführung intelligenter zu überwachen.
Der Offizier muss nicht nur Bescheid wissen, er muss auch in der Lage
sein, dies in eine grammatikalisch einwandfreie, fesselnde und packende
Formulierung zu bringen. Er muss lernen, mit beiden Beinen fest auf dem
Boden zu stehen und frei von der Leber weg zu sprechen.

Mir ist zu Ohren gekommen, dass in britischen Ausbildungslagern von den
Nachwuchsoffizieren verlangt wird, dass sie eine zehnminütige freie Rede
halten müssten. Das Thema können sie selbst wählen. Das ist eine ausgezeichnete
Übung. Denn um klar sprechen zu können, muss man zunächst
klar und logisch denken können.

Zwar ist Selbstbewusstsein das Ergebnis dessen, dass Sie mehr wissen
als Ihre Männer, Ihre moralische Unbedenklichkeit beruht jedoch auf dem
Glauben, dass Sie der bessere Mann sind. Dazu brauchen Sie Selbstdisziplin,
körperliche Vitalität und Ausdauer sowie moralische Kraft. Sie müssen
sich selbst so gut im Griff haben, dass Sie niemals Angst zeigen, auch
wenn Ihnen im Gefecht die Glieder schlottern. Denn wenn Sie durch flatternde
Hände oder eine zitternde Stimme oder einen unüberlegt erteilten
und rasch widerrufenen Befehl zu erkennen geben, dass Sie nicht Herr
der Lage sind, wird sich dies bei Ihren Männern noch wesentlich deutlicher
bemerkbar machen.

In der Garnison oder im Lager wird es zu vielen Situationen kommen, in
denen Sie erschaudern werden und Ihnen der Schreck in die Glieder fährt.
Falls Sie in solchen Situationen die Haltung verlieren, sollte man Ihnen keine
Männer unterstellen.

Denn Männer, die zur Wutausbrüchen neigen oder sich gehen lassen,
sagen oder tun fast immer Dinge, die sie nachträglich bedauern.

Ein Offizier sollte sich bei seinen Männern nie entschuldigen. Ein Offizier
sollte sich auch niemals etwas zuschulden kommen lassen, das nach den
Maßstäben der Gerechtigkeit eine Entschuldigung verlangte.

Ein weiteres Element der moralischen Unbedenklichkeit betrifft die körperliche
Ertüchtigung und Ausdauer, um die Entbehrungen ertragen zu
können, denen Sie und Ihre Männer ausgesetzt sein werden. Dazu kommt
ein furchtloser Geist, der Sie diese Härten unerschrocken begegnen und
überwinden lässt.

Lachen Sie über Ihre Herausforderungen und Probleme, das wird Ihnen
helfen, in Ihrer Truppe einen Mannschaftsgeist zu entfalten, dessen Wert
in Zeiten der Beanspruchung nicht zu hoch angesetzt werden kann.

Die moralische Kraft ist das dritte Element in dieser Kette. Dazu ist eine
saubere Lebensführung nötig und Sie müssen genügend Verstand haben
um das Richtige zu erkennen und zu tun.

Seien Sie ein Vorbild für Ihre Männer!

Ein Offizier kann ein gutes oder ein schlechtes Beispiel abgeben. Halten
Sie keine Predigten! Leben Sie vor, wie Ihre Männer leben sollen, und Sie
werden überrascht sein, wie viele es Ihnen nachahmen werden.

Ein vorlauter und ruchloser Hauptmann, der seine äußere Erscheinung vernachlässigt,
wird auch eine vorlaute, ruchlose und heruntergekommene
Mannschaft haben. Halten Sie sich diese Wahrheit immer vor Augen: Ihre
Mannschaft wird ein Spiegelbild Ihrer selbst sein! Falls Ihre Mannschaft
faul ist, dann deshalb, weil Sie es Ihnen vormachen!

Die Aufopferungsbereitschaft ist von der Führerschaft nicht wegzudenken.
Sie müssen geben, geben und nochmals geben! Sie verlangen sich
selbst die härtesten physischen Arbeiten ab und dem Hauptmann obliegt
es auch, die größten Pflichten zu übernehmen. Er steht als erster am Morgen
auf und ist der letzte, der sich schlafen legt. Er arbeitet, während andere
schlafen.

Auch im zwischenmenschlichen Bereich werden Sie ein Gebender sein.
Sie nehmen die Sorgen Ihrer Männer ernst. Dem einen ist vielleicht seine
Mutter gestorben, der andere hat seine Ersparnisse durch einen Bankkonkurs
verloren. Ihre Männer wünschen sich vielleicht Ihre Hilfe, aber
wichtiger noch ist Ihr Einfühlungsvermögen. Begehen Sie nicht den Fehler,
diese Männer mit der Bemerkung abblitzen zu lassen, dass Sie Ihre
eigenen Probleme hätten, denn jedes Mal, wenn Sie dies tun, brechen Sie
einen Ziegelstein aus der Grundmauer Ihres Hauses!

Ihre Männer sind Ihre Grundmauer und Ihr Führungshaus wird einstürzen,
wenn es nicht fest gemauert ist. Als letztes sind noch Ihre finanziellen Mittel
zu nennen. Sie werden Ihr eigenes Geld bereitwillig geben, wenn es um
die Gesundheit und das Wohlbefinden Ihrer Männer geht oder wenn Sie
jemandem aus der Patsche helfen können. In den meisten Fällen werden
Sie Ihr Geld wieder zurückerhalten.

Fortsetzung folgt!