Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 4/4

Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 4/4

Daran ist absolut nichts Neues.

Das ist so alt wie die Welt und so alt wie menschliche Leidenschaften –
Neid, Angst, Gier, Ehrgeiz und der Wunsch, es heimzuzahlen.

All dies nützt den Missgünstlingen nichts.

Die Führungspersönlichkeit, die wirklich führt, bleibt auch eine Führungspersönlichkeit.
Meisterdichter, Meistermaler, Meisterarbeiter – jeder wird
angefeindet und jeder bekommt seinen Lohn.
Was gut oder hervorragend ist, wird bekannt, egal, wie sehr sich einige
dagegen erzürnen.
Die wahre Führungspersönlichkeit kann von den Lügen der Neider nicht
gekränkt oder verleumdet werden, weil solche Versuche nur dazu führen,
dass sich das Licht auf sein Können richtet und seine Gefolgschaft zunimmt.
Versuche, die wahre Führungspersönlichkeit zu zerstören, sind vergebliche
Liebesmühe, weil das Lebenswerte auch weiterhin leben wird!

Wir kommen nun zum dritten Schritt bei der Entwicklung von Eigeninitiative
und Führungsqualitäten. Dieser dritte Schritt bringt uns wieder zum Prinzip
des bereits beschriebenen organisierten Kraft- oder Energieeinsatzes.

Dass ohne die Hilfe und Kooperation anderer niemand bleibende Resultate
von großer Reichweite erreichen kann, haben Sie bereits erfahren. Sie haben
auch gelernt, dass bei einem harmonischen und verständnisvollen Verbündnis
von zwei oder mehr Menschen jeder einzelne Mensch in diesem Bündnis
seine eigenen Erfolgschancen multipliziert. Nirgends wird dieses Prinzip augenscheinlicher
als in der Industrie oder im Geschäftsleben, wo Arbeitgeber
und Arbeitnehmer gemeinsam auf ein Ziel hinarbeiten. Ein solches Zusammenwirken
ist für beide Seiten eine wichtige Wohlstandsstütze.
Kooperation ist von unermesslichem Wert. In der Beziehung zwischen Mann
und Frau, zwischen Eltern und Kindern, überall spielt sie eine überragende
Rolle. Auch bei den Angelegenheiten des Staates kommt ihr eine außerordentliche
Bedeutung zu. Das Prinzip der Kooperation ist dermaßen wichtig,
dass keine Führungskraft eine Machtposition einnehmen oder sich lange halten
kann, wenn sie dieses Prinzip nicht versteht und anwendet.
Der Mangel an Kooperation hat mehr Geschäftsbetriebe zerstört als
alle übrigen Ursachen zusammen genommen. In meinen fünfundzwanzig
aktiven Geschäftsjahren wurde ich Zeuge vom Niedergehen geschäftlicher
Unternehmungen aus einer Vielzahl von Branchen, weil es Uneinigkeit, Zwietracht
und Streit gab und das Prinzip der Kooperation missachtet wurde. Im
Bereich der Rechtspflege habe ich die Zerstörung privater Gemeinschaften
und Scheidungsfälle ohne Ende miterlebt, weil zwischen Mann und Frau kein
Zusammenhalt bestand.

Beim Studium der Landesgeschichte wird klar, dass sich der Mangel an Kooperation
seit Menschengedenken für viele Völker als Fluch erwies.

Sie, Ihre Kinder und die Kinder Ihrer Kinder zahlen für den teuersten und zerstörerischten
Krieg, den die Welt bislang gesehen hat, weil Völker noch nicht
gelernt haben, dass ein Teil der Welt nicht leiden kann, ohne dass dadurch die
gesamte Welt in Mitleidenschaft gezogen wird.

Diese Regel gilt auch für das moderne Wirtschafts- und Geschäftsleben. Wenn
ein Unternehmen durch Streiks und andere Formen der Uneinigkeit auseinander
gerissen wird, entsteht sowohl für die Arbeitgeber- wie die Arbeitnehmerseite
ein Verlust. Aber der Schaden hört damit noch nicht auf. Dieser Verlust
wird eine Last für die Öffentlichkeit und schlägt sich in höheren Preisen und in
Mangelproduktionen nieder.

Diese Last wird momentan von denen getragen, die ihre Häuser vermieten,
weil zwischen Bauunternehmern, Bauherren und den Arbeitern keine Einigkeit
besteht. Das Verhältnis zwischen Bauunternehmern und ihren Angestellten
ist so wackelig geworden, dass die Unternehmer nur dann einen Auftrag annehmen,
wenn sie eine Summe aufschlagen können, um sich gegen eventuelle
Arbeitskampfmaßnahmen zu schützen. Diese Mehrkosten führen zu einer
Erhöhung von Mieten und belasten Millionen von Menschen unnötigerweise.
In diesem Fall führt der Mangel an Kooperation zwischen wenigen Leuten im
ganzen Land zu schweren und beinahe unerträglichen Belastungen.

Dasselbe Übel sehen wir bei den Eisenbahnen. Mangelnde Harmonie und Kooperation
zwischen der Direktion und den Arbeitern haben es erforderlich
gemacht, die Fracht- und Passagiertarife zu erhöhen, was wiederum die Lebenshaltungskosten
in die Höhe getrieben hat. Auch hier hat die Uneinigkeit
zwischen einigen wenigen bei Millionen anderer zu Mehrbelastungen geführt.

Diese Tatsachen werden hier ohne Schuldzuweisungen angeführt, sollen dem
Kursteilnehmer aber die Fakten vor Augen führen.

Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass die hohen Lebenshaltungskosten,
die heute überall hingenommen werden müssen, der Nichtbeachtung
eines kooperativen Führungsstils anzulasten sind. Wer die Schuld bei der
Regierung oder beim gewerblichen Management suchen will, mag das tun,
letztendlich läuft es aber darauf hinaus, dass die Hauptursache ein Mangel an
Kooperation ist.

Nicht alle Missstände lassen sich Staat und Wirtschaft anlasten. Ein Blick
auf die Kirchen genügt, um auch hier die schädlichen Auswirkungen mangelnder
Kooperation festzustellen. Wir brauchen hierzu keine bestimmte Kirche
ins Visier zu nehmen, Sie brauchen sich lediglich eine durchschnittliche Stadt
anzusehen, in der es zwischen den Kirchen zu Rivalitäten gekommen ist und
werden selbst feststellen können, wie sich das ausgewirkt hat. Dies ist vor
allem in solchen Städten sehr offensichtlich, in denen die Anzahl der Kirchen
in keinem Verhältnis mehr zur Einwohnerzahl steht.

Über harmonisierte Bemühungen und Kooperation könnten die Kirchen der
Welt genügend Einfluss ausüben, um Krieg zu einer Unmöglichkeit zu machen.
Über dasselbe Prinzip der kooperativen Bemühungen könnten die Kirchen und
die führenden Persönlichkeiten in Wirtschaft und Industrie unseriöse Praktiken
ausmerzen. All dies könnte relativ zügig geschehen.

Damit meine vorhergehenden Ausführungen im Zusammenhang mit den Kirchen
nicht missverstanden werden, darf ich hier nochmals zitieren, was ich
schon oft gesagt habe, nämlich, dass niemand sicher auf der Straße wäre,
wenn es den Einfluss der Kirchen nicht gäbe. Die Zivilisation befände sich
noch im prähistorischen Zeitalter. Meine Klage richtet sich nicht gegen die
Arbeit, die von den Kirchen verrichtet wurde, sondern gegen das, was Sie
unterlassen haben, das heißt, was sie über eine Führungsrolle, die auf dem
Prinzip eines koordinierten und kooperativen Bemühens beruht, tun hätten
können, wodurch die Zivilisation wesentlich weiter vorangekommen wäre als
bisher. Für eine solche Führungsrolle ist es noch nicht zu spät.

Damit Sie das Prinzip koordinierten Bemühens gründlich verstehen, darf ich
Ihnen einen Besuch bei der öffentlichen Leihbibliothek empfehlen. Lesen Sie
„The Science of Power“ von Benjamin Kidd. Aus der Vielzahl von Bänden, die
ich in den vergangenen fünfzehn Jahren zu diesem Thema gelesen haben,
sticht dieses Buch wohltuend hervor. Kein anderes hat mir ein so umfassendes
Verständnis der Möglichkeiten kooperativen Bemühens vermittelt wie
dieses Werk. Allerdings muss ich hinzufügen, dass es auch einige Theorien
enthält, die ich nicht teile. Lesen Sie dieses Buch mit einer aufgeschlossenen
Geisteshaltung und übernehmen Sie daraus nur das, was Sie für das Erreichen
Ihres zentralen Ziels benötigen. Dieses Buch wird Ihr Denken anregen
und leistet damit den größten Dienst, den ein Buch seinem Leser bieten kann.
Im übrigen besteht das zentrale Ziel dieses Erfolgskurses darin, den Teilnehmer
zum Denken anzuregen: insbesondere zu einem wertfreien und unvoreingenommenen

Denken, das nach der Wahrheit sucht, unabhängig davon, wo
und wie diese aufgespürt werden kann.

Während des ersten Weltkriegs hatte ich das Glück, der Analyse eines Soldaten
zuzuhören, wie man zu einer Führungspersönlichkeit wird. Diese Analyse
wurde den Nachwuchsoffizieren im zweiten Ausbildungslager in Fort
Sheridan von Mayor C.A. Bach, einem ruhigen Armeeoffizier und Ausbilder,
vorgetragen.

Die Weisheit in Mayor Bachs Rede ist auch auf den Geschäftsmann, auf den
Abteilungsleiter, auf den Stenographen oder auf den Vorarbeiter im Betrieb
oder auf den Vorstandsvorsitzenden übertragbar. Deshalb habe ich sie in diesen
Kursus aufgenommen. Ich hoffe sehr, dass diese Abhandlung über Führungsqualitäten
auf diese Weise den Weg in die Hände jedes Arbeitgebers
und jedes Arbeitnehmers finden möge, der in seinem speziellen Bereich eine
leitende Position anstrebt. Die Prinzipien, auf denen diese Rede beruht, gelten
für Wirtschaft und Finanzen, für geschäftliche Unternehmungen und andere
Bereiche ebenso wie für das Militär, dem sie entnommen sind.

Mayor Bach sprach folgendermaßen:

Innerhalb kurzer Zeit wird jeder von Ihnen die Kontrolle über das Leben
anderer Männer haben. Ihnen werden überwiegend loyale, aber nichtausgebildete
Zivilisten unterstehen, die sich von Ihnen Weisungen und Orientierung
erhoffen. Ihr Wort wird für sie das Gesetz bedeuten. Selbst eine
nebenbei fallen gelassene Bemerkung wird unvergessen bleiben. Man
wird Ihr Verhalten nachahmen. Ihre Kleidung, Ihr Vokabular, Ihr Auftreten,
all das wird imitiert werden.

Diese Männer werden von Ihnen Qualitäten erwarten, die ihnen Respekt,
Loyalität und Gehorsam einflößen.

Fortsetzung folgt!