Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 4/3

Erfolgsgesetze von Napoleon Hill – Teil 4/3

„Was half Ihnen
über die großen
Hürden des Lebens?“
wurde ein erfolgreicher
Mann gefragt.
„Die anderen Hürden“,
antwortete er.

Das ist praktisch umgesetzte Eigeninitiative. Es wäre ein Versäumnis, Ihre
Aufmerksamkeit nur auf die finanziellen Vorteile zu lenken, die diese junge
Dame aus ihrer Initiative gezogen hat. Sie hat darüber hinaus eine Lebensfreude
erlangt, die die meisten Stenotypistinnen niemals kennen lernen werden.
Ihre Arbeit ist nicht bloß Arbeit, sie ist ein interessantes Spiel. Obwohl
sie bereits zu einer Uhrzeit zur Arbeit erscheint, in der die meisten ihrer
Berufskolleginnen noch nicht an Arbeit denken und sie nicht wie andere um
17.00 Uhr nach Hause geht, sind ihre Arbeitszeiten dennoch kürzer als die
anderer Beschäftigter. Für Leute, die ihre Arbeit gerne tun, ziehen sich die
Stunden nicht endlos hin!
Dies bringt uns zum nächsten Schritt in unserer Beschreibung der genauen
Vorgehensweise für die Entwicklung von Eigeninitiative und Führungsqualitäten.
Zweitens: Sie verstehen natürlich, dass Sie Glück nur erlangen können, indem
Sie es anderen geben. Dies gilt auch für die Entwicklung der Eigeninitiative.
Am besten entwickeln Sie diese wichtige Eigenschaft an sich, indem
Sie es zu Ihrem Anliegen machen, andere in Ihrem Umfeld ebenfalls dafür
zu interessieren. Es ist allgemein bekannt, dass der Mensch das am besten
lernt, was er andern zu vermitteln versucht. Falls ein Mensch zum Beispiel
einen bestimmten Glauben annimmt, zieht er los, um diese Glaubenseinstellung
anderen zu verkünden. Je mehr ihm das gelingt, umso mehr nimmt auch
er selbst diesen Glauben an.
Im Bereich des Verkaufs ist bekannt, dass ein Verkäufer nur dann erfolgreich
sein kann, wenn er sich zunächst selbst überzeugt hat.
Jede Aussage, die der Mensch ständig wiederholt, damit sie von anderen
aufgenommen wird, wird er auch selbst glauben. Das gilt unabhängig davon,
ob diese Aussage richtig oder falsch ist.
Daran können Sie den Vorteil erkennen, in jeder Hinsicht initiativ zu sein: beim
Sprechen, beim Denken, beim Essen, beim Schlafen. Auf diese Weise werden
Sie ein Mensch mit Eigeninitiative und Führungsqualitäten, denn es ist allgemein
bekannt, dass die Menschen dem folgen, der durch sein Tun vormacht,
dass er Initiative zeigt.
An Ihrem Arbeitsplatz oder in Ihrer Gemeinde kommen Sie mit anderen Menschen
in Kontakt. Nehmen Sie sich vor, jeden, der Ihnen zuhören will, dafür
zu interessieren, von sich aus aktiv zu werden. Sie brauchen dies nicht zu begründen
und auch nicht anzukündigen. Tun Sie es einfach. Dadurch helfen Sie
auf jeden Fall sich selbst und schaden zumindest niemanden, der ebenfalls
initiativ werden will.
Falls Sie ein interessantes und lohnenswertes Experiment wagen wollen,
dann suchen Sie sich eine Person heraus, von der Sie wissen, dass sie nie etwas
tut, was ihr nicht aufgetragen wird und versuchen Sie, sie vom Wert der
Eigeninitiative zu überzeugen. Sprechen Sie das Thema nicht nur ein einziges
Mal an, bringen Sie es immer wieder zur Sprache, wenn Sie die Gelegenheit
dazu finden. Beleuchten Sie es aus verschiedenen Blickwinkeln. Sofern Sie
dabei taktvoll und konsequent vorgehen, werden Sie eine Veränderung bei
dieser Person bemerken.
Sie werden auch noch etwas anderes feststellen: Sie selbst werden sich
verändert haben!

Es ist unmöglich, andere für mehr Eigeninitiative zu begeistern, ohne selbst
davon angesteckt zu werden! Über das Prinzip der Autosuggestion prägt
sich jede Aussage, die Sie anderen gegenüber machen, auch Ihrem eigenen
Unterbewusstsein ein. Ob diese Aussage der Wahrheit entspricht, ist dabei
ohne Belang.
Sie kennen sicherlich den Ausspruch: „Wer mit dem Schwert lebt, wird durch
das Schwert umkommen“. Genau interpretiert, bedeutet dies nichts anderes
als dass wir ständig die Eigenschaften anziehen und in unseren Charakter
übernehmen, die wir bei anderen hervorzurufen suchen. Wenn wir anderen
dabei helfen, sich die Gewohnheit der Eigeninitiative anzueigenen, werden wir
bei uns selbst diese Gewohnheit ebenfalls vertiefen. Gut zum Ausdruck gebracht
wird dieses Prinzip, wonach sich der Mensch dem immer mehr angleicht,
den er bewundert, auch im Hawthorne-Effekt.
Drittens: Bevor wir dieses Thema weiter vertiefen, ist es angebracht, den
Ausdruck „Führungsqualität“, so wie er in diesem Erfolgskursus gebraucht
wird, näher zu definieren. Es gibt zwei Arten von Führungseigenschaften; eine
ist tödlich und destruktiv, die andere hilfreich und konstruktiv. Die tödliche
Variante, die nicht zum Erfolg, sondern zum absoluten Scheitern führt, wurde
von Pseudoführern angewandt, die ihren Willen einer nicht freiwillig folgenden
Menge aufzwängen wollten. Es erübrigt sich, hier auf Einzelheiten einzugehen
oder zu beschreiben, in welchen Bereichen sie angewandt wird, ausgenommen
der Bereich der Kriegsführung, und in diesem letztgenannten Bereich
ist das Beispiel Napoléons das herausragende.
Napoléon war zweifellos eine Führungspersönlichkeit, aber er führte seine
Gefolgschaft und sich selbst in die Vernichtung. Die Einzelheiten sind in der
Geschichte Frankreichs und des französischen Volkes nachzulesen.
In diesem Kursus wird nicht der Führungsstil Napoléons befürwortet, auch
wenn eingeräumt werden muss, dass er mit Ausnahme der Hilfsbereitschaft
durchaus die Grundvoraussetzungen für einen großen Führer besaß. Sein
Machthunger beruhte ausschließlich auf Größenwahn. Sein Wunsch nach
einer Führungsrolle basierte auf persönlichen Ambitionen und nicht dem
Wunsch, das französische Volk auf eine höhere und würdigere Stufe zu erheben.
Die Führungsqualitäten, von denen wir hier sprechen, führen zu Selbstbestimmung
und Freiheit, zu Selbstentfaltung, Gerechtigkeit und Weiterentwicklung.
Nur diese haben Bestand. Sehen wir uns als Gegenbeispiel zu Napoléon die
Figur eines Lincoln an. Das Ziel seiner Führung war es, dem Volk der Vereinigten
Staaten Wahrheit und Gerechtigkeit zu bringen. Obwohl er als Märtyrer
für seine Einstellung starb, steht sein Name weltweit für Güte.
Sowohl Napoléon wie auch Lincoln führten Armeen zum Krieg, aber die dahinterstehenden
Absichten waren so unterschiedlich wie Tag und Nacht.
Sie brauchen sich nur umzusehen und werden rasch erkennen, welche Führungspersönlichkeiten
vom Typ Napoléon und welche vom Typ Lincoln sind.
Ihre eigene Urteilsfähigkeit wird Ihnen bei der Entscheidung helfen, welchem
Typ Sie nacheifern wollen.
Welche Variante wir in diesem Kurs befürworten, steht eindeutig fest und
sollte auch für Sie unzweifelhaft feststehen. Dieser Kursus beansprucht jedoch,
dem Teilnehmer die Grundprinzipien aufzuzeigen und nicht, ethische
Vorgaben zu erteilen.Aus diesem Grunde stellen wir hier sowohl die konstruktiven wie auch destruktiven
Möglichkeiten der beschriebenen Prinzipien dar und überlassen Ihnen
die Entscheidung über die Anwendung dieser Prinzipien, gehen jedoch davon
aus, dass Ihre eigene Intelligenz Sie zu einer klugen Entscheidung führt.

Die Kehrseite der Vorreiterrolle*

In Bereich menschlichen Strebens steht derjenige, der zuerst kommt, fortan
im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Unabhängig davon, ob diese Erstlingsrolle
von einer Person oder einem Produkt eingenommen wird, sind
Nachahmertum und Neid von jetzt an ständig mit im Schlepptau.
In der Kunst, in der Literatur, in der Musik und in der Wirtschaft sind Belohnung
und Bestrafung überall dieselben. Die Belohnung ist breite Anerkennung,
die Strafe lautet Herabsetzung und Verweigerung.
Sobald die Arbeit eines Mannes für die gesamte Welt zum Standard wird,
gerät er auch ins Zielfeuer einiger Neider. Ist seine Arbeit nur mittelmäßig,
lässt man ihn in Ruhe. Und wenn er ein Meisterwerk schafft, wird millionenfach
über ihn getratscht.
Dem Künstler, der nur ein durchschnittliches Gemälde schafft, streckt der
Neid seine gespaltene Zunge nicht entgegen. Was immer Sie schreiben,
malen oder spielen, singen oder erbauen – Sie werden nur dann gescholten,
wenn Ihr Werk außergewöhnlich ist.
Bereits lange bevor ein großes oder gutes Werk vollbracht wird, treten
enttäuschte Besserwisser auf den Plan und behaupten, dass es nie fertig
gestellt werden könne.
Gegen den Verfasser der Erfolgsgesetze erhoben sich hämische Stimmen
bereits, als die Tinte noch nicht trocken war. Kaum dass die erste Ausgabe
gedruckt war, richteten sich giftige Worte gegen den Verfasser und
die Philosophie.
Gehässige Stimmen erhoben sich gegen unseren Whistler, der als Kurpfuscher
gebrandmarkt wurde, lange bevor die Welt seine Genialität feierte.
Menschenmassen pilgerten nach Bayreuth, um die Musik Wagners zu
genießen, aber eine kleine Gruppe bekämpfte ihn und sagte, er verstünde
nichts von Musik.
Kleine boshafte Stimmen wandten sich auch gegen Henry Ford und sagten
voraus, dass er nicht einmal ein Jahr überstehen würde. Aber Ford kümmerte
sich nicht um ihre kindischen Bemerkungen und machte sich zum
reichten Menschen auf Erden.
Wer in der vordersten Reihe steht, wird angegriffen. Und dies ist lediglich
ein weiterer Beweis dafür, dass er Führungsqualitäten hat.
Wer es ihm nicht gleichtun kann, versucht, ihn zu zerstören und mundtod
zu machen, und auch das bestätigt nur die Überlegenheit des Vorreiters.
(* Mit freundlicher Genehmigung der Cadillac Motor Car Company).

Fortsetzung folgt!