
Tote bei Musikfestival
Von news.de-Redakteurin Ulrike Bertus
Artikel vom 19.08.2011
Mindestens fünf Tote, viele Verletzte: Das belgische Festival Pukkelpop musste nach einem Unwetter beendet werden. Fans und Künstler wurden evakuiert, der Veranstalter ist sprachlos. Doch zwischen die Trauer mischt sich die Frage: Wer trägt die Verantwortung?
«Alles gut?», fragt JolandaLeurens über Twitter ihre Bekannte Evarosalie: «Du hattest Dich so auf das Festival gefreut.»
Mindestens fünf Tote hat es nach einem Unwetter auf dem Festival Pukkelpop im belgischen Hasselt gegeben. Mehrere Menschen wurden verletzt, drei von ihnen schweben in Lebensgefahr. Die Veranstaltung, die eigentlich noch nicht einmal richtig begonnen hatte, wurde abgebrochen. Ein Sturm brachte acht Bühnen und mindestens drei Zelte zum Einsturz. Videos von Zeugen zeigen die immensen Zerstörungen. Das belgische Nachrichtenportal Het nieuws berichtet, wie die rund 65.000 Besucher versuchen, während des etwa zehnminütigen Unwetters von dem Gelände zu flüchten und unter Zelten und an der Seite von Lkws Schutz suchen.
Haben die Notfallpläne ausgereicht?
«Die Hölle ist losgebrochen», sagt ein Journalist, es sei die Apokalypse gewesen. Während des Konzerts der amerikanischen Band Skunk Anansie sei das Sommerwetter plötzlich vorbei gewesen, der Himmel habe sich bezogen. «Die Menschen wurden panisch und drängten sich aneinander», sagte ein Zeuge Het nieuws. Neben ihm seien Bäume umgestürzt, riesige Zweige fielen neben ihm zu Boden.
Sichtlich getroffen zeigte sich die Bürgermeisterin von Hasselt, Hilde Claes, in einer Pressekonferenz heute Morgen. «Es ist ein schwarzer Tag für uns», sagte sie. Die folgenden Tage solle untersucht werden, ob die Notfallpläne für das Festival ausgereicht haben und ob im Angesicht des drohenden Unwetters richtig gehandelt worden sei.
Ein Sprecher der Feuerwehr Hasselt entgegnete, die Evakuierung des Geländes habe gut geklappt. Besucher hätten mitgeholfen, Verletzte zu bergen. Viele der Besucher seien in Turnhallen in Hasselt und in benachbarten Städten untergekommen.
Organisatoren wollen von drohendem Unwetter nichts gewusst haben
Chokri Mahassini, Organisator des Festivals, brach während der Pressekonferenz mehrfach die Stimme. «Die Künstler haben verständnisvoll auf den Abbruch des Pukkelpop reagiert», sagte er. Ob es finanzielle Forderungen geben würde, könne er jetzt noch nicht beantworten: «Das hat nun keine Priorität. Es geht erst einmal um die Opfer und die Sicherheit derer, die nun abreisen wollen und betreut werden müssen.» Viele stehen unter Schock, verstehen nicht, was gestern überhaupt passiert ist. Das bestätigt auch einer der Einsatzkräfte: «Vielen wird das Ausmaß des Unglücks erst jetzt klar, langsam.»
Er selber stand während des Unwetters auf dem Gelände: «Ich habe schon viele Unwetter, auch tropische Stürme gesehen, aber so etwas wie gestern, das habe ich noch nie gesehen.» Es habe keine Meldungen gegeben, dass eine Front mit Gewitter und Sturm auf Hasselt zukomme: «Das habe ich nicht gewusst.»
Vorwürfe, er habe doch das Wetter im Auge behalten müssen, wiegelte er ab. Auch weiterer Kritik wolle er sich zu diesem Zeitpunkt nicht stellen: «Es ist ein sehr emotionaler Moment. Das müssen Sie verstehen.»
kru/news.de
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